Kommentierte Spiele

Große Partien ... (XIII): Kasparov - Portisch 1983

Vabanque - 26. Feb '14
Mit dieser Partie setze ich meine Reihe 'Große Partien
der Schachgeschichte' sozusagen mit offizieller Zählung
fort. Wie geplant, stellte das erste Dutzend Partien
von Spielern vor, die das Schach des 21. Jahrhunderts
entscheidend geprägt haben und gegenwärtig noch aktiv
sind. (Danach folgten einige 'Specials' des Großteils
dieser Spieler.)

Mit dem folgenden Dutzend begebe ich mich in die zweite
Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die dominierenden Namen
werden hier Botvinnik, Bronstein, Fischer, Tal,
Spassky, Petrosian, Karpov und Kasparov lauten. Das
verspricht natürlich Schach vom Feinsten.

Ich beginne mit dem Spieler, dessen Name mittlerweile
wohl jedem Menschen vertraut ist, selbst denen, die
noch nie einen Schachstein berührt haben: Garry
Kasparov. Momentan hält er immer noch den Rekord, der
jüngste Weltmeister der Schachgeschichte gewesen zu
sein (Carlsen war wenige Monate älter, als er den Thron
erklomm), aber den Nicht-Schachspielern ist Garry
natürlich hauptsächlich als Politiker bekannt. Die
politischen Verdienste von Kasparov möchte ich hier
nicht diskutieren (dazu gibt es sicher andere Foren);
mich interessieren allein seine schachlichen Taten.
Schachlich ist Kasparov wohl am ehesten als der
Aljechin der Neuzeit zu beschreiben, sowohl von seinem
unbändigen Siegeswillen (er kämpfte in jeder Partie,
als ginge es um sein Leben) als auch von seinem
unglaublich komplizierten Stil, den er jedoch - anders
als etwa Tal - mit hochpräziser Technik zu verbinden
wusste.

Die vorliegende Partie hielt Kasparov selbst lange Zeit
für seine beste. Sein Gegner, der Ungar Lajos Portisch,
gehörte viele Jahre zur absoluten Weltspitze. Er hatte
nur das Unglück, dass seine Verlustpartien immer viel
berühmter wurden als seine Siege; denn Portisch siegte
meist in unauffälligem Stil, verlor aber spektakulär.
So auch hier.

Garry Kasparov Lajos Portisch Niksic | Niksic | 4 | 1983 | 1:0
8
7
6
5
4
3
2
a
1
b
c
d
e
f
g
h
1. d4 Sf6 2. c4 e6 3. Sf3 b6 4. Sc3 Lb7 5. a3 Sieht zwar wie ein Tempoverlust aus, hat sich aber bewährt, weil Weiß damit die Fesselung Lb4 vermeidet, womit Schwarz seinen Einfluss auf das Zentralfeld e4 vergrößern könnte. d5 6. xd5 Sxd5 Auch exd5 ist möglich, aber Schwarz will die Diagonale seines Lb7 nicht durch einen Bauern verstellen. 7. e3 Weiß wählt ein sehr ruhiges Abspiel der Damenindischen Verteidigung. Nichts deutet in diesem Moment darauf hin, dass es zu einer spektakulären Angriffspartie kommen wird. Sxc3 Das ist ein Zug, der mir persönlich nicht gefällt, weil der wiederschlagende Bauer das weiße Zentrum stärkt, aber Portisch wird sicher seine Gründe gehabt haben, so zu ziehen. 8. xc3 Le7 9. Lb5+ Eine bekannte Finesse in solchen Stellungen: der c-Bauer soll zunächst dazu verleitet werden, die Diagonale des Lb7 zu verstellen. c6 10. Ld3 c5 Jetzt hat der Läufer wieder freie Sicht. 11. O-O Sc6 12. Lb2 Das sieht eigentlich nach einer traurigen Läuferstellung aus: Der Läufer 'beißt' auf nicht weniger als zwei eigene Bauern. Weiß scheint aus der Eröffnung rein gar nichts herausgeholt zu haben. Aber nur 5 Züge später wird sich das Bild komplett gewandelt haben. Tc8 13. De2 O-O 14. Tad1 Dc7 Die alte, seinerzeit von Tarrasch formulierte Regel, dass man mit der Dame möglichst aus der feindlichen Turmlinie herausziehen sollte, auch wenn noch mehrere Steine dazwischen stehen, gilt auch heute noch. 15. c4! Sieht riskant aus, da jetzt so genannte 'hängende Bauern' entstehen (also zwei nebeneinander stehende Bauern, die auf beiden Seiten keine Nachbarn mehr haben, und daher auf Figurendeckung angewiesen sind), aber der Zug ist der erste Schritt zur Aktivierung des Lb2. xd4 16. xd4 Sa5 Damit glaubt Schwarz, das Gegenspiel gegen die hängenden Bauern einzuleiten. Der c-Bauer hängt jetzt bereits im wörtlichen Sinn. Spielt Weiß nun Tc1, so ist nach Lf6 für Schwarz alles in Butter. 17. d5! Das war die Absicht von Weiß! Die Diagonale des Lb2 ist nun freigelegt und er hat Ausblick bis nach g7. Die beiden weißen Läufer zielen wie Torpedos auf den schwarzen König; die Bauernstellung ist unwichtig geworden. Übrigens ist der weiße Zug nicht tatsächlich ein Bauernopfer. Schwarz kann sich zwar entweder auf c4 oder auf d5 'bedienen', doch in beiden Fällen wird Weiß schnell den geopferten Bauern zurückgewinnen. xd5 Auf 17... Sxc4 wäre 18. De4! g6 (die einzige spielbare Verteidigung gegen das drohende Matt auf h7; auf f5 folgt Dxe6+) 19. Lxc4 Dxc4 20. De5!, und die Mattdrohung auf der langen Diagonalen erzwingt f6, wonach 21. Dxe6+ den Bauern mit gutem Angriff zurückgewinnt. 18. xd5 Lxd5 19. Lxh7+! Man sieht jetzt, warum das Opfer des Bauern d5 nur ein Scheinopfer war. Auch dieses Läuferopfer ist nur ein Scheinopfer. Kxh7 20. Txd5 Nun ist das Material wieder ausgeglichen, aber die Stellung hat sich komplett gewandelt. Alle Zentralbauern sind verschwunden, so dass die Stellung völlig offenen Charakter hat. Käme es zu einem Endspiel, so hätte Schwarz sogar die besseren Chancen, wegen der Möglichkeit, am Damenflügel einen entfernten Freibauern zu bilden. Aber, wie ein alter Schachspruch lautet, vor das Endspiel haben die Götter das Mittelspiel gesetzt, und hier liegen die Chancen eindeutig auf der Seite von Weiß, da sein König deutlich sicherer steht. Der schwarze hat ja ein Loch in seiner Haustür, durch das der Wind pfeift! Kg8 Der einzig vernünftige Zug, um Drohungen wie Th5+, De4+ oder Dd3+ präventiv zu begegnen. 21. Lxg7!! Nun aber endlich ein 'richtiges' Opfer! Weiß gewinnt nämlich sein Material hier weder forciert zurück, noch ist ein direkter Mattangriff absehbar. Es gibt hier überhaupt keine konkreten Varianten, die zu berechnen waren. Das Opfer basiert vielmehr auf richtiger Einschätzung der Stellung. Dem schwarzen König wird sämtlicher Bauernschutz weggerissen, und alle weißen Figuren stehen einsatzbereit. Kxg7 22. Se5! Ein bemerkenswert ruhiger Zug dafür, dass Weiß gerade eine Figur geopfert hat! Solche 'stillen' Züge (die also weder Schach bieten noch einen Stein schlagen) sind oft viel beeindruckender als die Opferzüge selbst; sie verraten tiefe Einsicht in die Mechanismen des Angriffs. Aber Kasparov wird ja auch nicht umsonst unter die größten Angriffsspieler des 20. Jh. gezählt - neben Aljechin, Keres, Tal und Spassky, von denen sämtlich noch die Rede sein wird. - Zurück zu der gegenwärtigen Stellung: Es droht vernichtend Dg4+, wonach der schwarze König nicht nach f6 dürfte wegen Sd7+. Er würde also an den Rand gedrängt, wo er nach Td3 von einem weißen Turm zur Strecke gebracht würde. Tfd8 Portisch findet den einzigen spielbaren Verteidigungszug, der dem schwarzen König das Schlupfloch f8 verschafft. Der Versuch, mit f7-f5 die weiße Dame von g4 abzuhalten, scheitert schnell an 23. Td7 Dc5 (um die Deckung des Le7 aufrecht zu erhalten) 24. Sd3 mit Gewinn des Le7 bei anhaltendem Angriff. 23. Dg4+ Kf8 24. Df5 Droht ganz plump, aber effizient Matt auf f7. f6 Nach dem plausiblen Ld6, wonach nicht nur die schwarze Dame f7 deckt, sondern auch der Läufer bereit steht, den Se5 abzutauschen, käme 25. Df6 mit der Drohung Sg6+, und der Abtausch Lxe5 würde Schwarz dann gar nichts bringen, weil nach 26. Txe5 Matt auf h8 droht (Kg8 27. Th5), so dass Schwarz die Dame auf e5 geben müsste. 25. Sd7+! Nun muss Schwarz die Qualität zurückgeben, da 25... Ke8 26. Dg6 matt ist, auf 25... Kf7 die lustige Mattjagd 26. Dh7+ Ke6 27. Te1+ Kxd5 28. De4+ Kd6 29. De6# folgt und letztlich 25... Kg7 an 26. Te1 scheitert, wonach Schwarz die Deckung von f6 nicht aufrecht erhalten könnte: Te8 27. Txe7+! Txe7 28. Df6+ Kg8 29. Tg5+ (aber nicht Dxe7???, wonach Schwarz auf der Grundreihe Matt geben würde!) Txd7 26. Txd7 Materiell steht es jetzt mit Turm und Bauer gegen zwei Leichtfiguren annährend gleich, aber die aktive Figurenstellung und der unsichere schwarze König sichern Weiß einen deutlichen, vermutlich sogar entscheidenden Vorteil. Dc5 Houdini und Stockfish geben De5 etwas den Vorzug, aber man kann Portisch deswegen keinen Vorwurf machen. Am Brett war ess praktisch nicht möglich zu entscheiden, welcher Zug hier besser ist. 27. Dh7 Tc7!? Auch der Verteidiger spielt sehr gut! Der Zug beinhaltet eine teuflische Falle: Zieht jetzt nämlich Weiß 28. Td3, um den Turm dem Abtausch zu entziehen und ihn z.B. nach g3 zu führen, so erfolgt Dxf2+!! 29. Kxf2 (29. Txf2?? Tc1+ 30. Tf1 Lc5+ würde nämlich zum Matt führen!) Lc5+, und Schwarz gewinnt die Dame zurück, wonach Weiß alle Angriffsträume begraben kann. In dem entstehenden Endspiel hätte wohl eher Schwarz die besseren Chancen. 28. Dh8+! Natürlich ist Kasparov auf dem Posten und vermeidet die Falle. So bringt er die Dame mit Tempo aus der Reihe des Tc7, so dass die angegebene Wendung nicht mehr möglich ist. Kf7 29. Td3 Sc4 Schwarz muss ja versuchen, seinen Randspringer wieder an den Ort des Geschehens zu bringen. 30. Tfd1 Auch das plausible Tg3 war gut, aber der Textzug, der die letzte weiße Figur aktiviert, ist noch stärker. Se5? Der einzige wirkliche Fehler, der in dieser Partie geschieht. Schwarz musste die d-Linie mit Ld6 verstopfen, wonach Weiß eine starke Initiative behält, aber ein direkter Gewinn nicht zu sehen ist. Die Aufgabe des Verteidigers wäre allerdings in jedem Fall eine schwere gewesen. Nach dem Textzug nimmt die Partie ein rasantes Ende! 31. Dh7+! Nun ist der schwarze König gezwungen, an die frische Luft zu treten, die ihm aber in diesem Fall nicht bekommt. Eine Rückkehr auf die Grundreihe führt nämlich zum Matt: ... Kf8 32. Td8+ Lxf8 33. Txd8# oder 31... Ke8 32. Dg8+ Lf8 33. De6+ Le7 34. Td8#. Ke6 32. Dg8+ Kf5 Er muss noch weiter heraustreten, da auf 32... Sf7 33. Te1+ folgt, worauf Schwarz die Dame geben muss, wenn er nicht durch Kf5 34. Tf3# mattgesetzt werden will. 33. g4+! Der Bauer ist nicht zu schlagen: auf Sxg4 34. Tf3+ nimmt die weiße Dame im nächsten Zug entscheidend auf g4. Kf4 34. Td4+ 'Treten Sie doch näher, mein Herr', sagt der Turm zum König. Kf3 35. Db3+ Statt noch näher zu treten, gibt Schwarz hier auf. Natürlich ist Ke2 36. De3 matt, aber auch 35... Dc3 hilft nicht mehr wegen 36. Dd5+ Ke2 (jetzt muss er doch noch näher treten) 37. De4+ und Matt im nächsten Zug. Eine solche Königsjagd hat in einer Großmeisterpartie Seltenheitswert!
PGN anzeigen

[Event "Niksic"]

[Site "Niksic"]

[Date "1983.??.??"]

[EventDate "?"]
[Round "4"]

[Result "1-0"]

[White "Garry Kasparov"]

[Black "Lajos Portisch"]




1. d4 Nf6 2. c4 e6 3. Nf3 b6 4. Nc3 Bb7 5. a3 {Sieht

zwar wie ein Tempoverlust aus, hat sich aber bewährt,

weil Weiß damit die Fesselung Lb4 vermeidet, womit

Schwarz seinen Einfluss auf das Zentralfeld e4

vergrößern könnte.} d5 6. cxd5 Nxd5 {Auch exd5 ist

möglich, aber Schwarz will die Diagonale seines Lb7

nicht durch einen Bauern verstellen.} 7. e3 {Weiß wählt

ein sehr ruhiges Abspiel der Damenindischen

Verteidigung. Nichts deutet in diesem Moment darauf

hin, dass es zu einer spektakulären Angriffspartie

kommen wird.} Nxc3 {Das ist ein Zug, der mir persönlich

nicht gefällt, weil der wiederschlagende Bauer das

weiße Zentrum stärkt, aber Portisch wird sicher seine

Gründe gehabt haben, so zu ziehen.} 8.
bxc3 Be7 9. Bb5+ {Eine bekannte Finesse in solchen

Stellungen: der c-Bauer soll zunächst dazu verleitet

werden, die Diagonale des Lb7 zu verstellen.} c6 10.

Bd3 c5 {Jetzt hat der Läufer wieder freie Sicht.} 11.

O-O Nc6 12. Bb2 {Das sieht eigentlich nach einer

traurigen Läuferstellung aus: Der Läufer 'beißt' auf

nicht weniger als zwei eigene Bauern. Weiß scheint aus

der Eröffnung rein gar nichts herausgeholt zu haben.

Aber nur 5 Züge später wird sich das Bild komplett

gewandelt haben.} Rc8 13. Qe2 O-O 14. Rad1 Qc7 {Die

alte, seinerzeit von Tarrasch formulierte Regel, dass

man mit der Dame möglichst aus der feindlichen

Turmlinie herausziehen sollte, auch wenn noch mehrere

Steine dazwischen stehen, gilt auch heute noch.}
15. c4! {Sieht riskant aus, da jetzt so genannte

'hängende Bauern' entstehen (also zwei nebeneinander

stehende Bauern, die auf beiden Seiten keine Nachbarn

mehr haben, und daher auf Figurendeckung angewiesen

sind), aber der Zug ist der erste Schritt zur

Aktivierung des Lb2.} cxd4 16. exd4 Na5 {Damit glaubt

Schwarz, das Gegenspiel gegen die hängenden Bauern

einzuleiten. Der c-Bauer hängt jetzt bereits im

wörtlichen Sinn. Spielt Weiß nun Tc1, so ist nach Lf6

für Schwarz alles in Butter.} 17. d5! {Das war die

Absicht von Weiß! Die Diagonale des Lb2 ist nun

freigelegt und er hat Ausblick bis nach g7. Die beiden

weißen Läufer zielen wie Torpedos auf den schwarzen

König; die Bauernstellung ist unwichtig geworden.

Übrigens ist der weiße Zug nicht tatsächlich ein

Bauernopfer. Schwarz kann sich zwar entweder auf c4

oder auf d5 'bedienen', doch in beiden Fällen wird Weiß

schnell den geopferten Bauern zurückgewinnen.}17...

exd5 {Auf 17... Sxc4 wäre 18. De4! g6 (die einzige

spielbare Verteidigung gegen das drohende Matt auf h7;

auf f5 folgt Dxe6+)
19. Lxc4 Dxc4 20. De5!, und die Mattdrohung auf der

langen Diagonalen erzwingt f6, wonach 21. Dxe6+ den

Bauern mit gutem Angriff zurückgewinnt.} 18. cxd5 Bxd5

19. Bxh7+! {Man sieht jetzt, warum das Opfer des Bauern

d5 nur ein Scheinopfer war. Auch dieses Läuferopfer ist

nur ein Scheinopfer.} Kxh7 20. Rxd5 {Nun ist das

Material wieder ausgeglichen, aber die Stellung hat

sich komplett gewandelt. Alle Zentralbauern sind

verschwunden, so dass die Stellung völlig offenen

Charakter hat. Käme es zu einem Endspiel, so hätte

Schwarz sogar die besseren Chancen, wegen der

Möglichkeit, am Damenflügel einen entfernten Freibauern

zu bilden. Aber, wie ein alter Schachspruch lautet, vor

das Endspiel haben die Götter das Mittelspiel gesetzt,

und hier liegen die Chancen eindeutig auf der Seite von

Weiß, da sein König deutlich sicherer steht. Der

schwarze hat ja ein Loch in seiner Haustür, durch das

der Wind pfeift!} Kg8 {Der einzig vernünftige Zug, um

Drohungen wie Th5+, De4+ oder Dd3+ präventiv zu

begegnen.} 21. Bxg7!! {Nun aber endlich ein 'richtiges'

Opfer! Weiß gewinnt nämlich sein Material hier weder

forciert zurück, noch ist ein direkter Mattangriff

absehbar. Es gibt hier überhaupt keine konkreten

Varianten, die zu berechnen waren. Das Opfer basiert

vielmehr auf richtiger Einschätzung der Stellung. Dem

schwarzen König wird sämtlicher Bauernschutz

weggerissen, und alle weißen Figuren stehen

einsatzbereit.}
21... Kxg7 22. Ne5! {Ein bemerkenswert ruhiger Zug

dafür, dass Weiß gerade eine Figur geopfert hat! Solche

'stillen' Züge (die also weder Schach bieten noch einen

Stein schlagen) sind oft viel beeindruckender als die

Opferzüge selbst; sie verraten tiefe Einsicht in die

Mechanismen des Angriffs. Aber Kasparov wird ja auch

nicht umsonst unter die größten Angriffsspieler des 20.

Jh. gezählt - neben Aljechin, Keres, Tal und Spassky,

von denen sämtlich noch die Rede sein wird. - Zurück zu

der gegenwärtigen Stellung: Es droht vernichtend Dg4+,

wonach der schwarze König nicht nach f6 dürfte wegen

Sd7+. Er würde also an den Rand gedrängt, wo er nach

Td3 von einem weißen Turm zur Strecke gebracht würde.}

Rfd8 {Portisch findet den einzigen spielbaren

Verteidigungszug, der dem schwarzen König das

Schlupfloch f8 verschafft. Der Versuch, mit f7-f5 die

weiße Dame von g4 abzuhalten, scheitert schnell an 23.

Td7 Dc5 (um die Deckung des Le7 aufrecht zu erhalten)

24. Sd3 mit Gewinn des Le7 bei anhaltendem Angriff.}

23. Qg4+ Kf8 24. Qf5 {Droht ganz plump, aber effizient

Matt auf f7.} f6 {Nach dem plausiblen Ld6, wonach nicht

nur die schwarze Dame f7 deckt, sondern auch der Läufer

bereit steht, den Se5 abzutauschen, käme 25. Df6 mit

der Drohung Sg6+, und der Abtausch Lxe5 würde Schwarz

dann gar nichts bringen, weil nach 26. Txe5 Matt auf h8

droht (Kg8 27. Th5), so dass Schwarz die Dame auf e5

geben müsste.} 25. Nd7+! {Nun muss Schwarz die Qualität

zurückgeben, da 25... Ke8 26. Dg6 matt ist, auf 25...

Kf7 die lustige Mattjagd 26. Dh7+ Ke6
27. Te1+ Kxd5 28. De4+ Kd6 29. De6# folgt und letztlich

25... Kg7 an 26. Te1 scheitert, wonach Schwarz die

Deckung von f6 nicht aufrecht erhalten könnte: Te8 27.

Txe7+! Txe7 28. Df6+ Kg8 29. Tg5+ (aber nicht Dxe7???,

wonach Schwarz auf der Grundreihe Matt geben würde!)}

Rxd7 26. Rxd7 {Materiell steht es jetzt mit Turm und

Bauer gegen zwei Leichtfiguren annährend gleich, aber

die aktive Figurenstellung und der unsichere schwarze

König sichern Weiß einen deutlichen, vermutlich sogar

entscheidenden Vorteil.} Qc5 {Houdini und Stockfish

geben De5 etwas den Vorzug, aber man kann Portisch

deswegen keinen Vorwurf machen. Am Brett war ess

praktisch nicht möglich zu entscheiden, welcher Zug hier besser

ist.} 27. Qh7 Rc7!? {Auch der Verteidiger spielt sehr

gut! Der Zug beinhaltet eine teuflische Falle: Zieht

jetzt nämlich Weiß 28. Td3, um den Turm dem Abtausch zu

entziehen und ihn z.B. nach g3 zu führen, so erfolgt

Dxf2+!! 29. Kxf2 (29. Txf2?? Tc1+ 30. Tf1 Lc5+ würde

nämlich zum Matt führen!) Lc5+, und Schwarz gewinnt die

Dame zurück, wonach Weiß alle Angriffsträume begraben

kann. In dem entstehenden Endspiel hätte wohl eher

Schwarz die besseren Chancen.} 28. Qh8+! {Natürlich

ist Kasparov auf dem Posten und vermeidet die Falle. So

bringt er die Dame mit Tempo aus der Reihe des Tc7, so

dass die angegebene Wendung nicht mehr möglich ist.}

Kf7 29. Rd3 Nc4 {Schwarz muss ja versuchen, seinen

Randspringer wieder an den Ort des Geschehens zu

bringen.} 30. Rfd1
{Auch das plausible Tg3 war gut, aber der Textzug, der

die letzte weiße Figur aktiviert, ist noch stärker.}

30... Ne5? {Der einzige wirkliche Fehler, der in dieser

Partie geschieht. Schwarz musste die d-Linie mit Ld6

verstopfen, wonach Weiß eine starke Initiative behält,

aber ein direkter Gewinn nicht zu sehen ist. Die

Aufgabe des Verteidigers wäre allerdings in jedem Fall

eine schwere gewesen. Nach dem Textzug nimmt die Partie

ein rasantes Ende!} 31. Qh7+! {Nun ist der schwarze

König gezwungen, an die frische Luft zu treten, die ihm

aber in diesem Fall nicht bekommt. Eine Rückkehr auf

die Grundreihe führt nämlich zum Matt: ... Kf8 32. Td8+

Lxf8 33. Txd8# oder 31... Ke8 32. Dg8+ Lf8 33. De6+ Le7

34. Td8#.} Ke6 32. Qg8+ Kf5 {Er muss noch weiter

heraustreten, da auf 32... Sf7 33. Te1+ folgt, worauf

Schwarz die Dame geben muss, wenn er nicht durch Kf5

34. Tf3# mattgesetzt werden will.} 33. g4+! {Der Bauer

ist nicht zu schlagen: auf Sxg4 34. Tf3+ nimmt die

weiße Dame im nächsten Zug entscheidend auf g4.} Kf4

34. Rd4+ {'Treten Sie doch näher, mein Herr', sagt der

Turm zum König.} Kf3 35. Qb3+ {Statt noch näher zu

treten, gibt Schwarz hier auf. Natürlich ist Ke2 36.

De3 matt, aber auch 35... Dc3 hilft nicht mehr wegen

36. Dd5+ Ke2 (jetzt muss er doch noch näher treten) 37.

De4+ und Matt im nächsten Zug. Eine solche Königsjagd

hat in einer Großmeisterpartie Seltenheitswert!} 1-0

cutter - 26. Feb '14
Wieder echte Klasse!
Weiß nicht was besser ist, Kasparovs Spiel oder dein Kommentar ;-)
Grüße cutter
Vabanque - 26. Feb '14
Danke ... aber ohne Zweifel ist hier Kasparovs Spiel doch noch besser :))

Ich finds nur ein wenig schade, dass zur Zeit Threads über Ignorierlisten wesentlich mehr Interesse hervorzurufen scheinen als Partien von diesem Kaliber :(
aspis40 - 26. Feb '14
Toole Partie und gute Kommentare!

Vielen Dank
humans - 26. Feb '14
Wieder sehr schön erklärt.

Bei dem anfänglich SxSc3 glaube ich, dass es darum ging die c Linie zu verschließen da der Bauer c7 so sicherer ist.

Leider muss ich dir mitteilen, das die Pgn zu groß ist um sie herunterzuladen, kann aber auch an meinem System liegen.

Da ich instinktiv Tg3 gespielt hätte habe ich mir erlaubt das ein wenig zu analysieren:

weiß spielt Tg3


Drohung:Matt

6Q/p1r1bk2/1p3p2/2q5/2n5/P5R1/5PPP/5RK1


Falscher Verteidigungszug: Ld6 Matt in 2
7Q/p1r2k2/1p1b1p2/2q5/2n5/P5R1/5PPP/5RK1


Mattbild
6Q1/p1r1k1R1/1p1b1p2/2q5/2n5/P7/5PPP/5RK1


Der richtige Verteidigungszug:
5b1Q/p1r2k2/1p3p2/2q5/2n5/P5R1/5PPP/5RK1


Mein Versuch die eLinie abzusperren, mit Der Idee den hBauern voran zutreiben
5b1Q/p1r2k2/1p3p2/2q1n3/7P/P5R1/5PP1/4R1K1


Aber immer noch ziemlich unklar für mich wer da gewinnt.
Kellerdrache - 27. Feb '14
Da ist man GM, denkt man kann so leidlich Schach spielen, hat vielleicht sogar ein oder zwei Bücher geschrieben und dann muß man gegen Kasparov spielen und einsehen, dass man doch rein gar nix kann.

Ich erinnere mich noch an die Simultan-Veranstaltungen wo ganze Bundesligamannschaften abgewatscht wurden. Für die Opfer unschöne Erfahrungen, aber die hämischen Zuschauer haben ihre Freude
aguirre - 27. Feb '14
ich denke das wesentlch mehr cm-mitglieder die partien und deine komentare verfolgen als das die menge der antworten vermuten läst.
threads über ignorierlisten etc, da kann jeder was zu schreiben der weiß wie nen bauer zieht...
zu partien diesen kalibers und deinen komentaren kann nur wer was schreiben, der wirklich was von schach versteht.
ein patzer wie ich kann nur aus repekt und ehrfurcht schweigen :-)
danke für deine arbeit!
Weniger - 27. Feb '14
möchte mich dem ohne Einschränkungen anschließen !
pirc_ - 27. Feb '14
hmm...wieder einmal schön und gut kommentiert :-)
dieses mal ist es mir aber nicht so recht klar, wieso kasporov dort so gut gespielt haben soll...nach 30 ...Ld6 statt Se5 sehe ich mit meinem wenigen schachkenntnissen nicht so recht wo der Vorteil liegen sollte... er gewinnt durch diesen fehler, aber nach Ld6 wäre es ja ein ganz anderes spiel geworden...was sagen die engines dann zu einer Fortsetzung und spielbewertung?
und natürlich aufgrund der Anmerkungen vom letzten spiel muss ich noch am rande erwähnen:
gegen mich hat kasparov noch nie gewonnen ;-)
Vabanque - 27. Feb '14
Kasparov hätte in dieser Partie nicht gut gespielt? ;)

Also, wenn heute jemand diese Partie auf chessmail oder einem anderen Internet-Server spielen würde, er würde mit absoluter Sicherheit des Engine-Betrugs überführt ... Kasparov hat nämlich spätestens vom 22. Zug an an jeder Stelle immer den allerpräzisesten Zug gemacht! Beim Läuferopfer auf g7 selbst ist es unklar, ob das am stärksten war, da halten die Engines das 'einfache' Th5 für stärker ... aber das sagt wenig, weil Engines immer den risikolosen starken Zug (falls es einen gibt) im Zweifelsfall dem Opferzug vorziehen.

Kasparov hatte seinerzeit aber nicht einmal in der Heimanalyse (falls er die Stellung vor 21. Lxg7 schon auf dem Brett gehabt haben sollte) Engines zur Verfügung.

Wenn es so rüberkam, als habe er nur durch den schwarzen Fehler 30... Se5 gewonnen, dann liegt es an meiner in diesem einen Punkt mangelhaften Kommentierung, sorry! Ich war nachlässig und habe die Varianten nach dem besseren 30... Ld6 nicht ausgeführt. Kasparov selbst gab auf Ld6 31. Td5 an mit der Folge Dc6 (Dxa3 scheitert an 32. Txd6! nebst Dh7+ mit Eroberung des Tc7) 32. h4, und der h-Bauer ist ein entscheidender Trumpf. Nunn hielt 31. Th3 mit der Absicht Th7+ oder Th6 für noch stärker. Houdini bescheinigt in beiden Fällen deutlichen Vorteil (nach 31. Td5 Dc6 32. h4 + 1,21; nach 31. Th3 + 1,60; jeweils bei Rechentiefe 20 Halbzüge), plädiert aber selber für 31. Td5 Dc6 32. T5d4 mit der Absicht Tg4 und einer Bewertung von +2,38 (20 HZ), also klarer weißer Gewinnstellung.
Auch wenn es fraglich ist, wie die Partie konkret verlaufen wäre, wenn Portisch tatsächlich Ld6 gespielt hätte, so habe ich dennoch an einem weißen Gewinn keinen Zweifel, selbst wenn Kasparov hier nicht mehr die allerstärkste Fortsetzung gewählt hätte. Der Verteidiger hat es in solchen Stellungen immer schwerer als der Angreifer, weil ständig etwas droht. Der weiße Vorteil liegt in meinen Augen immer noch hauptsächlich in der unsicheren schwarzen Königsstellung und der mangelhaften Zusammenarbeit der schwarzen Figuren, die sich auf der 'falschen' Seite befinden und nur recht träge zur Verteidigung des Königsflügels formiert werden können. Dazu kommt noch der freie h-Bauer von Weiß. Vermutlich ist die von Kasparov selbst angegebene Fortsetzung von der Engine etwas unterbewertet, weil der h-Bauer ja mehr ein langfristiger Trumpf ist, der sich erst jenseits des Rechenhorizonts der Engine bewähren wird.

In meinen Augen hat Portisch die Partie somit nicht durch den konkreten Fehler 30... Se5 verloren (den er unter dem Druck der weißen Drohungen begangen hat), sondern durch die Ungenauigkeiten in der Eröffnung. Bereits ab 17. d5! hatte er auf diesem Spielniveau praktisch keine Chance mehr.

Freilich könnte die Partie den Eindruck entstehen lassen, nicht Kasparov habe so gut, sondern Portisch habe so schlecht gespielt. Aber das ist in Kasparov-Partien oft genug der Fall, dass Top-Spieler gegen ihn wie Patzer aussehen. (Es gibt aber auch Partien, wo Kasparov selber wie ein Patzer aussieht; es kommt immer auf den Spielverlauf an, und gerade im Schach ist so gut wie alles möglich.)
humans - 27. Feb '14
Hi

7Q/p1r1bk2/1p3p2/2q5/8/P2R4/1n3PPP/3R2K1
Sb2 Gabel ist schlecht weil

4kb2/p3r3/1p3pQ1/2q5/8/P3R3/1n3PPP/3R2K1
MAttbild oder Damenverlust

8/p1Q5/1p1nkp2/8/8/q7/5PPP/3R2K1
Qualitätsgewinn nach Dame schlägt a3

7Q/p1r2k2/1pqb1p2/3R4/2n5/P7/5PPP/3R2K1
Irgendweie ist alles gefesselt bei schwarz, weiß kann hier einfach h4 spielen und versuchen den Bauern umzuwandeln

ohne engine ohne nachschlagewerk
Vabanque - 27. Feb '14
Danke, aber auch ich selber bin nur ein Patzer mit einer (inaktiven) Nahschach-Wertung von 1994 FIDE-ELO-Punkten, also ein Spieler der (oberen) 1. Leistungsklasse, wenn man von dem alten System der Einteilung der Spieler in Leistungsklassen ausgeht. Vom reinen Schachwissen und Schachverständnis würde ich mich für etwas stärker halten (wer aber hielte sich selber nicht für stärker als seine Wertungszahl? ;) ), doch in der Anspannung des Turnier- oder Mannschaftskampfs zeigten sich bei mir immer deutliche Konzentrations- und Konditionsmängel, die oft die Arbeit von Stunden durch einen einzigen Fehlgriff zunichte machten und mich ELO/DWZ-mäßig wieder weit zurückfallen ließen, immer dann, wenn ich hoffte, die nächste Stufe erklimmen zu können ... daher habe ich irgendwann das aktive Spiel ganz aufgegeben und mich nur noch den schönen Partien der wahren Könner gewidmet.

Um deinen Kommentar aber aufzugreifen, zur Ignore-Liste kann man sogar was schreiben, wenn man NICHT weiß, wie ein Bauer zieht :))
Vabanque - 27. Feb '14
Ja, ein paar der Varianten, die deinen Bildern zugrunde liegen, habe ich gerade gepostet.
pirc_ - 27. Feb '14
ach Vabanque du bist nie nachlässig ..... du machst das weiter richtig gut!!! :-)
und nach dem Kommentar verstehe ich es voll und ganz :-)
ich hab auch nicht sagen wollen er habe nicht richtig gut gespielt...nur in den anderen spielen von dir, welche ich als eifriger Leser,
Lerner und Nachspieler stets verfolge, war der gewinn immer ganz klar und deutlich, aber als ich mir die Stellung nach Ld6 angeschaut habe, hätte ich ein remis von diesem kasparov gern angenommen, weils nicht so deutlich war für mich ;-)


.......und bevor jetzt wer antwortet: ja ich weiss dass er nienicht remis geboten hätte...es war ein scherz!! :-))
pirc_ - 27. Feb '14
ihr seit so gut zu mir schachblinden...danke :-)
Vabanque - 27. Feb '14
Um den running gag weiterzuführen: Auch gegen mich hat Kasparov noch nie gewonnen! :-p

Aber er hat z.B. gegen Sting gewonnen, gegen Petra Schürmann (obwohl die beide sicher deutlich schwächer spielten als wir beide ... kein Scherz ... man muss sich nur die Partien anschauen), und gegen die Fußballmannschaft von Oxford United! Ein absolut peinliche Partie ... freilich nicht peinlich für Kasparov ... also ich traue mich ganz unbescheiden zu behaupten, gegen diese Fußballmannschaft hätte ich es auch geschafft! (Natürlich nur, wenn die auch Schach und nicht etwa Fußball gegen mich gespielt hätten)

Links zu den Spielen (falls sie jemanden interessieren, denn ich werde sie alle drei niemals hier kommentieren, denn das sind Abschlachtungsveranstaltungen und keine Kunstwerke):

K. vs Sting

chessgames.com/perl/chessgame?gid=1257896

K. vs Petra Schürmann

chessgames.com/perl/chessgame?gid=1070218

K. vs Oxford United:

chessgames.com/perl/chessgame?gid=1601846
humans - 27. Feb '14
Ja ich habs gesehen, deshalb kam mein Post relativ unedidiert daher, aber da ich eine Stunde mit der Zu fuß analyse(Ohne DB, Engine oder irgendwelchen Büchern) verbracht habe, habe ich es dennoch gepostet.

Die Stellungen in einem Partieeditor eingegeben hatte um an die FEN´s zu kommen, da Bilder mehr sagen als tausend Worte.

Ich mir selber noch die Frage beantworten musste, warum da eigentlich keine Springergabel kam.(Sb2,Tg3 droht Dg8#,Lf8 wie in meiner vorigen Tg3 Analyse der einzige Verteidigungszug(Ld6,Dg8,Ke7,Tg7#), Dg8+,Ke8 (um den Turm zwischenstellen zu können und weil Te3+ sofort die Dame verlieren würde(DxTe3,Da5+!(um den Springer nach SxTd1 zu bekommen),Ke7,fxDe3 mit Vorteil für Weiß)),Te3+,Te7 nach Dg6# ist.

Und nur 4 Minuten zwischen deinem und meinem Posts waren, muss mir nun jeder glauben, dass ich per Hand die gleichen Züge wie Nunn oder Kasparov gefunden habe bei meiner Analyse;)

3te Fen zeigt übrigens die Stellung nach Ld6,Td5 usw. daraus folgt auch, das Dc6 gespielt werden muss, aber weiß mit der h4 Idee gewinnt.Glaube das war das letzte fen.

Da das zeitlich nicht möglich, wäre deinen Post in FEN´s umzuwandeln und die noch nicht gestellte Sb2 Gabelfrage zu beantworten.

Für mich fällt das einfach unter (Taktik)Training, deshalb sehe ich kein Problem damit mein "Wissen(Analyse)" zeitnah zu veröffentlichen, auch wenn Houdini und Bücher 4 Minuten schneller waren.

Analysierende Grüße
Vabanque - 27. Feb '14
Tut mir Leid, dass ich schneller war :)

Übrigens hatte ich die Springergabel während der Kommentierung peinlicherweise tatsächlich übersehen ... aber jetzt sehe ich, dass sie (einfacher als in deiner Analyse) im Prinzip an der gleichen Wendung scheitert wie Se5 in der Partie ... nur dass es hier noch drastischer ist, weil der Springer ja abseits steht, also:

30... Sb2?? 31. Dh7+ und jetzt:

8/p1r1bk1Q/1p3p2/2q5/8/P2R4/1n3PPP/3R2K1


I ... Ke6 32. Te1+ und Schwarz muss die Dame geben

II ... Kf8 32. Td8+ nebst Matt

III ... Ke8 32. Dg8+ Lf8 33. De6+ (natürlich genügt auch Td8+) nebst Matt
humans - 27. Feb '14
Ich verzeihe dir und deinen Helfern ;)

Ich glaube die Formatierung werde ich dir wohl klauen müssen, also das mit I,II,III usw.

das macht das ganze dann sogar ziemlich übersichtlich.

Ja Dh7+ ist stärker, II und III gebe ich dir recht, da gibt es nichts zu beanstanden.

Bei I allerdings ist die Stellung noch nicht "ruhig", da Schwarz 2 Sachen droht nach (33.TxDe5+ fxTe5(Falls das so gespielt werden würde)) SxTd3 und das von Anfängern so verhasste Grundreihenmatt Tc1+ nebst #.

Die mit höheren Wertungszahlen sehen das eigentlich sofort, aber für die "schwächeren" sollte da noch einmal darauf hingewiesen werden, um nicht die schöne Stellung durch so einen Patzer zu verlieren.

So könnte folgende fehlerhafte Variante durchaus zustandekommen:

zu I...Ke6
32. Te1+ (Weiß gewinnt forciert die Dame)De5
33. TxDe5+(Weiß schlägt sofort die Dame mit folgendem Plan) fxTe5
34. Dg6(Weiß gibt auf g6 Schach um den Läufer e7 zu Lf6 zu zwingen, da alle anderen Felder abgeschnitten sind, er zwingt damit den Läufer in die Verteidigungsrolle und bindet aber auch den König an diesen) Lf6
35. Tf3(Weiß versucht den Gegnerischen Turm durch ausnützen der Fesselung des Läufers f6 mittels Tf7 passiv zu stellen und verhindert so, dass Schwarz den Turm auf d3 mit dem Springer schlägt. Er droht damit auch den Läufer auf f6 zu gewinnen )
8/p1r5/1p2kbQ1/4p3/8/P4R2/1n3PPP/6K1

35... Tc1#!!!(auch wenn weiß eigentlich einen schönen und guten Plan hatte(Figuren passivieren) wird er aufgrund seiner Grundreihenschwäche Mattgesetzt)

Aus diesem Grund denke ich das zu I. 32.Te1+ mit Damengewinn zuwenig ist.

Auch wenn Dh7 stärker ist, da die schlechteste Variante für weiß immer noch besser ist für weiß, als meine Tg3 Variante.
Kommen da keine unmittelbaren Drohungen mehr vor von Schwarz.

Beide Varianten geben so starken Vorteil für weiß, dass die Partien technisch gewonnen sind.

Grüße
Vabanque - 27. Feb '14
Hm ja, das stimmt natürlich, da habe ich (wie so oft) die Analyse wieder mal oberflächlich und viel zu schnell abgebrochen, nachdem ich den 'Damengewinn' gesehen hatte.
Tatsächlich ist es aus den von dir genannten Gründen überhaupt nicht ratsam, hier die Dame zu schlagen. Aber glücklicherweise gibt es ja ein forciertes Matt (man darf halt nicht faul sein und muss noch ein paar Züge weiter rechnen):

Also nochmal:

30... Sb2?? 31. Dh7+ Ke6 32. Te1+ De5

8/p1r1b2Q/1p2kp2/4q3/8/P2R4/1n3PPP/4R1K1


und jetzt

33. Dg8+ Kf5 34. Tf3+ Df4 35. g4#

6Q1/p1r1b3/1p3p2/5k2/5qP1/P4R2/1n3P1P/4R1K1


Materialisten können natürlich auch 35. Txf4+ (jetzt ist der Damengewinn risikofrei) nebst Dg3+ und Dxc7 spielen, um sich an dem bösartigen Turm, der ständig Mattdrohungen auf der weißen Grundreihe ausführte, grausam zu rächen!