Kommentierte Spiele
Deutsche Schachgeschichte (XI): Lobron
Kellerdrache - 24. Feb '18
Eric Lobron hätte auch in unserer Reihe „Die Vergessenen“ auftauchen können. Seinen Namen kennen heute nur noch wenige Schachfreunde.
Der in den USA geborene Lobron hatte seine Zeit im schachlichen Rampenlich vom Ende der 70er bis zum Anfang der 90er Jahre, als er es bis zur Nr.21 der Weltrangliste schaffte.
Seine Partien zeichnen sich durch einen schnörkellosen, angriffslustigen Stil aus. Oft auch mit Eröffnungen jenseits der Hauptwege, was sich für den eher theoriefaulen Meister anbot.
Heutzutage findet man ihn hauptsächlich im Internet Chess Club wo er unter dem namen Yardbird einer der erfolgreichsten Teilnehmer ist.
Die folgende Partie stammt aus der europäischen Junioren-Meisterschaft, also aus Lobrons frühen Tagen. Man kann einige seiner Eigenheiten hier schon sehr schön beobachten.































PGN anzeigen
Der in den USA geborene Lobron hatte seine Zeit im schachlichen Rampenlich vom Ende der 70er bis zum Anfang der 90er Jahre, als er es bis zur Nr.21 der Weltrangliste schaffte.
Seine Partien zeichnen sich durch einen schnörkellosen, angriffslustigen Stil aus. Oft auch mit Eröffnungen jenseits der Hauptwege, was sich für den eher theoriefaulen Meister anbot.
Heutzutage findet man ihn hauptsächlich im Internet Chess Club wo er unter dem namen Yardbird einer der erfolgreichsten Teilnehmer ist.
Die folgende Partie stammt aus der europäischen Junioren-Meisterschaft, also aus Lobrons frühen Tagen. Man kann einige seiner Eigenheiten hier schon sehr schön beobachten.
Michael Karp Eric Lobron European Junior Championship | Groningen NED | 1980 | B30 | 0:1
8








7








6
5
4
3
2








a
1

b

c

d

e

f

g

h

1. e4 c5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 Die Rossolimo-Variante ist eine der wenigen nicht offenen Sizilianer, die auch Großmeistern zuweilen Probleme bereiten. Man erinnere sich nur an die Niederlage Kasparovs gegen Ivantschuk. Der eher theoriefaule Lobron wählt einen ungewöhnlichen Seitenweg Db6 4. Sc3 Zwar ist der Weiße in dieser Eröffnung durchaus bereit seinen Läufer zu tauschen, ja es ist beinahe ein charakteristischer Bestandteil der Variante, aber man möchte doch mindestens die Bauernstellung des Gegners schädigen e6 ein durchaus notwendiger Zug. Es drohte 5.Sd5 Dxb5 6.Sc7+ nebst Damengewinn. 5. De2 der Sinn dieses Zuges wird bald klar Sd4 Weiß kann jetzt auf d4 schlagen, ohne nach cxd4 entweder den Sc3 oder wenn dieser wegzieht den Lb5 zu verlieren. 6. Sxd4 xd4 7. Sd1 Se7 8. c3 Die Stellung ist ausgeglichen. Sg6 von hieraus schielt das Pferd nach e5 und f4. Von f4 wäre dann sowohl die Dame auf e2 angegriffen, die ja den Lb5 zu decken hat als auch der Bauer auf g2 9. O-O Ld6 Lobron spielt die Eroffnung wirklich seltsam und verletzt alle möglichen Eröffnungsprinzipien. Die Dame wird früh gezogen, der Läufer zieht vor den Bauern und Schwarz hat so gut wie kein Bauernzentrum. 10. xd4
10. g3 um den Einstieg des Springers über f4 zu verhindern bietet sich an, aber man schafft sich dann natürlich schwache Felder in der Nachbarschaft des Königs
Sf4 11. Dc4 auch in dieser Partie hat Weiß viele Probleme dadurch, dass die Dame an Deckungsaufgaben gebunden ist. Etwas was wir schon von der Hübner-Partie kennen a6 12. La4 Dd8 erlaubt zum einen b5 und zum anderen die Überführung der Dame auf den Königsflügel. Weiß hat momentan nicht eine Figur die auf diese Seite einwirkt. 13. Sc3 Dh4 Lobron droht durch Se2+ mit Tempo die Diagonale des Ld6 auf den weißen König zu öffnen 14. Kh1 damit der Abzug Se2 nicht mehr mit Schach passiert Sxg2 öffnet die Diagonale h2-b8 mit Gewalt. 15.e5 funktioniert leider nicht, da der Läufer den Bauern wegen der auf c4 ungedeckt stehenden Dame einfach schlagen kann. 15. Kxg2 b5 holt sich die geopferte Figur zurück 16. Lxb5 xb5 17. Sxb5 optisch stark, da es ja droht den Ld6 mit Schach zu nehmen. Überlebt Weiß das Mittelspiel hat er mit zwei Mehrbauern klaren Vorteil Dxh2+ 18. Kf3 La6 und deshalb war das Schlagen auf b5 nicht gut. Über den weit offenen Damenflügel kann Lobron weitere Kräfte heranführen 19. e5 Dh5+ Ein nützliches Schach. Sollte Weiß mit dem Bauern auf d6 nehmen wäre der Sb5, angegriffen vom La6 und der Dame, fällig 20. Ke3 O-O Sxd6 erfolgt nicht mehr mit Schach und würde daher die Dame kosten. Schwarz droht mit f6 die f-Linie zu öffnen 21. a4 bietet kaum wirkliche Deckung, da nach Schlagen auf b5 und Wiedernehmen mit dem Bauern der Ta1 hängen würde Tfc8 22. Dd3 nimmt dem eigenen König den Fluchtweg zum Damenflügel Dg5+ 23. f4 Dg3+ Schwarz steht klar auf Gewinn. 24. Tf3 De1+ 25. De2 Dxe2+ und obwohl beide Läufer angegriffen sind behält Schwarz eine Mehrfigur 26. Kxe2 Lxb5+
Vabanque - 25. Feb '18
Sehr flotte Partie! So wünscht man es sich ja eigentlich immer als Schwarzspieler: von Anfang an schon das Ruder übernehmen und dann Weiß nicht mehr zu Atem kommen lassen. An den wenigen Stellen, wo der Angriff sich totgelaufen zu haben scheint, weil Schwarz nicht genügend Truppen im Spiel hat, gelingt es ihm dennoch, Nachschub zu liefern und das Feuer wieder anzufachen.
Da Lobrons Aufstieg in meine Zeit als Jugendspieler fällt, kenne ich ihn natürlich. In den 80er galt er als die größte Hoffnung des deutschen Schachs. Diese Hoffnung konnte er auf Dauer zwar nicht erfüllen, doch hat er mit seinem unbekümmerten Drauflos-Stil (den obige Partie, die ich nicht kannte, gut abbildet) die Schachwelt doch um ein paar recht sehenswerte Partien bereichert. Was hier gegen einen NN (ich hoffe, Herr Karp ist mir jetzt nicht böse, dass ich ihn so etikettiere) klappt, funktionierte später teils auch noch gegen gestandene GMs, die Lobron einfach überrollte (ich erinnere mich an eine hübsche Partie gegen Gufeld (?)). Freilich fiel er mit dieser Masche auch oft genug auf die Nase. Und wenn Lobron jetzt auch kaum mehr Schach zu spielen scheint, so bin ich doch mit dir einer Meinung, dass er sehr wohl in diese Reihe gehört.
Die Kommentierung ist, wie gewohnt, wieder einmal sehr erhellend, so dass man beim Nachspielen die wichtigen Pläne beider Seiten sofort nachvollziehen kann.
Da Lobrons Aufstieg in meine Zeit als Jugendspieler fällt, kenne ich ihn natürlich. In den 80er galt er als die größte Hoffnung des deutschen Schachs. Diese Hoffnung konnte er auf Dauer zwar nicht erfüllen, doch hat er mit seinem unbekümmerten Drauflos-Stil (den obige Partie, die ich nicht kannte, gut abbildet) die Schachwelt doch um ein paar recht sehenswerte Partien bereichert. Was hier gegen einen NN (ich hoffe, Herr Karp ist mir jetzt nicht böse, dass ich ihn so etikettiere) klappt, funktionierte später teils auch noch gegen gestandene GMs, die Lobron einfach überrollte (ich erinnere mich an eine hübsche Partie gegen Gufeld (?)). Freilich fiel er mit dieser Masche auch oft genug auf die Nase. Und wenn Lobron jetzt auch kaum mehr Schach zu spielen scheint, so bin ich doch mit dir einer Meinung, dass er sehr wohl in diese Reihe gehört.
Die Kommentierung ist, wie gewohnt, wieder einmal sehr erhellend, so dass man beim Nachspielen die wichtigen Pläne beider Seiten sofort nachvollziehen kann.
Kellerdrache - 25. Feb '18
Bei den meisten Spielern hat der Kommentator ja das Problem eine Partie zu finden die a) einigermaßen interessant und b) nicht zu schwer zuverstehen (und zu kommentieren) ist. Lobron bildet da durch seinen geradlinigen, einfachen Stil eine Ausnahme. Ich hatte auf Anhieb, ohne langes Suchen, bestimmt 5 oder 6 Partien die sich zur Präsentation geeignet hätten.
All seine Gewinnpartien sehen so einfach aus, dass man sich wundert wie jemand gegen doch sehr starke Gegnerschaft damit Erfolg haben konnte. Die vorliegende Partie habe ich gewählt weil ich mir dachte sie ist doch weniger bekannt und verdient es dennoch gezeigt zu werden.
Ich habe gelesen, Lobron habe einiges an Geld am Aktienmarkt verdient, war wohl auch ein paar Jahre mit einem Model zusammen. Ein bisschen Zuviel Ablenkung um an der Spitze zu bleiben ;-))
All seine Gewinnpartien sehen so einfach aus, dass man sich wundert wie jemand gegen doch sehr starke Gegnerschaft damit Erfolg haben konnte. Die vorliegende Partie habe ich gewählt weil ich mir dachte sie ist doch weniger bekannt und verdient es dennoch gezeigt zu werden.
Ich habe gelesen, Lobron habe einiges an Geld am Aktienmarkt verdient, war wohl auch ein paar Jahre mit einem Model zusammen. Ein bisschen Zuviel Ablenkung um an der Spitze zu bleiben ;-))
Hanniball - 25. Feb '18
Vabanque - 25. Feb '18
>>Ich habe gelesen, Lobron habe einiges an Geld am Aktienmarkt verdient, war wohl auch ein paar Jahre mit einem Model zusammen.<<
Ja, Carmen Kass, die aber nicht nur Model ist, sondern selber wohl auch mal Schach gespielt hat :)
Ja, Carmen Kass, die aber nicht nur Model ist, sondern selber wohl auch mal Schach gespielt hat :)
Hanniball - 26. Feb '18
@ Vabanque
Wenn man die Frau sieht, dann wundert man sich nicht , wo Eric Lobrons Kräfte hin verschwanden. Da fiel die DWZ im Schach und woanders stieg sie vermutlich.
Wenn man die Frau sieht, dann wundert man sich nicht , wo Eric Lobrons Kräfte hin verschwanden. Da fiel die DWZ im Schach und woanders stieg sie vermutlich.
Vabanque - 26. Feb '18
Ja, man sagt oft, dass eine Frau einen schachlich nur schwächt :)
Wenn sie umgekehrt durch ihn wenigstens an Spielstärke gewonnen hätte!
Aber ich habe nirgends Partien von Carmen Kass finden können! (Vielleicht ganz gut so.)
Wenn sie umgekehrt durch ihn wenigstens an Spielstärke gewonnen hätte!
Aber ich habe nirgends Partien von Carmen Kass finden können! (Vielleicht ganz gut so.)
patzer0815 - 26. Feb '18
Hm, das ist denke ich unterschiedlich.
Seit ich mit meiner Freundin zusammen bin, habe ich beispielsweise noch keine Turnierpartie verloren.
Letzte Saison das zweitbeste Ergebnis am 1.Brett in der Liga 5,0/7 unter anderem mit einem Schwarzremis gegen einen ehemaligen Bundesligaspieler, das ich außerhalb das Mannschaftskampfes und weniger gesundheitlich angeschlagen wohl auf Sieg gespielt hätte
Diese Saison bisher drei Schwarzpartien, zwei Gegner mit 150 - 200 Punkten mehr und ein leicht schlechter gewerteten, aber wohl unterbewerteten jungen Spieler. bisher 2,0/3 und auch die Mannschaft insgesamt behauptet sich als Aufsteiger sehr gut.
Seit ich mit meiner Freundin zusammen bin, habe ich beispielsweise noch keine Turnierpartie verloren.
Letzte Saison das zweitbeste Ergebnis am 1.Brett in der Liga 5,0/7 unter anderem mit einem Schwarzremis gegen einen ehemaligen Bundesligaspieler, das ich außerhalb das Mannschaftskampfes und weniger gesundheitlich angeschlagen wohl auf Sieg gespielt hätte
Diese Saison bisher drei Schwarzpartien, zwei Gegner mit 150 - 200 Punkten mehr und ein leicht schlechter gewerteten, aber wohl unterbewerteten jungen Spieler. bisher 2,0/3 und auch die Mannschaft insgesamt behauptet sich als Aufsteiger sehr gut.