Kommentierte Spiele

Große Partien ... (XXVIII): Rubinstein - Bogoljubov 1922

Vabanque - 13. Jun '14
Der polnisch-jüdische GM Akiba Rubinstein (1880-1961) war vielleicht der stärkste Spieler, der nie Weltmeister wurde.
Interessanterweise lernte er erst im Alter von 14 Jahren die Schachregeln, und spielte sein erstes Schachturnier im Jahre 1903, also im Alter von 23 Jahren. Danach erfolgte allerdings ein rasanter Aufstieg zur Weltspitze. Das Zustandekommen eines Weltmeisterschaftskampfs gegen Lasker scheiterte letztlich wohl nur an den hohen Preisgeldforderungen Laskers.
Rubinsteins spätere Jahre waren leider von Depressionen überschattet, die ihn Anfang der 30er Jahre auch dazu zwangen, mit dem Turnierschach aufzuhören.

Rubinsteins Stil war geprägt von Klarheit, Tiefgründigkeit und Eleganz. Er war ein Positionsspieler, dessen besondere Stärke im Endspiel lag, doch er konnte auch funkelnde Opferkombinationen aufs Brett zaubern wie in seiner berühmten Partie
gegen Rotlewi (1907).
In dem folgenden Spiel, in dem wieder einmal Bogoljubov der Leidtragende ist, erreicht Rubinstein durch ungenaues Eröffnungsspiel seines Gegners eine positionelle Überlegenheit, die er schließlich in überzeugender Weise taktisch umsetzt.

Akiba Rubinstein Efim Bogoljubov Vienna | Vienna AUT | 3 | 1922.11.15 | 1:0
8
7
6
5
4
3
2
a
1
b
c
d
e
f
g
h
1. d4 d5 2. c4 c6 3. e3 Sf6 4. Sc3 g6 5. Sf3 Lg7 6. Le2 O-O 7. O-O Sbd7? Dieser völlig natürlich aussehende Zug ist bereits ein schwer wiegender positioneller Fehler, wie Rubinstein in vollendeter Weise nachweist. Schwarz wird nun nicht mehr zu einer befriedigenden Entwicklung seines Damenläufers gelangen. Er hätte Lg4 spielen sollen. 8. xd5 Sxd5 Auch auf cxd5 wäre Db3 erfolgt. Schwarz meint durch Figurentausch Entlastung zu bekommen. 9. Sxd5 xd5 10. Db3 Hier steht die Dame gut; sie drückt gegen d5 und b7, so dass Schwarz zunächst einmal d5 decken muss und später Schwierigkeiten haben wird, seinen Damenläufer herauszuziehen. Sf6 Auf Sb6 fürchtete Schwarz wohl das Anrempelungsmanöver a2-a4-a5. Jedenfalls hat Schwarz schon Schwierigkeiten, egal wie er spielt. Ein Kommentator schlug hier sogar die temporäre Heimkehr des Springers mit Sb8 vor, um hinterher auf c6 die c-Linie zu versperren. Wenn man sich anschaut, was in der Partie geschehen wird, so hätte diese Entscheidung tatsächlich etwas für sich gehabt. 11. Ld2 Das ist natürlich keine Läuferentwicklung (obwohl der Läufer gelegentlich nach b4 gelangen könnte), sondern die Vorbereitung zur Besetzung der c-Linie durch die weißen Türme, gegen die Schwarz merkwürdig hilflos ist. Er kann ja seinen Lc8 nicht ziehen (eine Folge des guten Zuges Db3), und damit auch keinen Turm auf der c-Linie entgegen stellen. Se4 Mutiger wäre das Opfer des b-Bauern mittels Lg4 oder Lf5 gewesen. Eigentlich hätte man einem Bogoljubov so etwas schon zutrauen können. So wie er spielt, erhält er jedenfalls keine weitere Gelegenheit mehr, Weiß die Initiative zu entwinden. 12. Tfd1 Rubinstein möchte auf den folgenden Tausch nicht mit dem Springer zurückschlagen müssen. Sxd2 Schwarz kann nicht gut sofort Dd6 spielen wegen Lb4. Er verschafft sich jetzt sogar das Läuferpaar, aber um welchen Preis, wird man gleich sehen! 13. Txd2 Nun hat Schwarz seine einzige wirklich gut postierte Figur abgetauscht, und Weiß auch noch die Verdopplung der Türme auf der c-Linie erleichtert. Trotzdem waren bessere Züge für Schwarz kaum zu sehen. Die Wurzel allen Übels lag eben schon in seinem unglücklichen 7. Zug, den er so leichthändig gespielt hatte! Dd6 14. Tc1 b6 Andernfalls kommt der Lc8 nie mehr aus seinem Haus heraus. 15. Tdc2 Lb7 Hier beißt der Läufer bloß auf seinen eigenen Bauern. Aber Schwarz will den Weißen zum scheinbar starken Eindringen mittels 15. Tc7? einladen, worauf Schwarz mit Tfc8! das Spiel ganz leicht ausgleichen könnte, weil der Tc1 ungedeckt ist (deswegen kann Weiß den Lb7 nicht schlagen). Weiß könnte dann den Tc7 nicht auf seinem vorgeschobenen Posten behaupten, weil auf 16. Dc2? Schwarz mittels Turmtausch und nachfolgendem Tc8 sogar die weiße Dame erobern würde! Für den vorwitzigen Tc7 bliebe nach 15. Tc7 Tfc8 also nur Rückzug oder Abtausch. Darauf hatte Bogo sich offenbar verlassen, zumal er ja jetzt auch mit Tc8 auf der c-Linie zu opponieren bereit steht. Rubinstein findet aber einen Weg, doch noch auf c7 einzudringen. 16. Da4! Sehr fein gespielt! Schwarz kann jetzt nicht Tfc8 spielen wegen 17. Txc8+ Lxc8 (Txc8 führt nach Txc8+ zum selben Resultat) 18. De8+ mit Gewinn des Läufers c8! Zugleich droht Weiß jetzt aber auch La6, was nach Lxa6 Dxa6 jegliches Entgegenstellen von Schwarz auf der c-Linie völlig verunmöglichen würde. a6 17. Tc7 Jetzt geht es, denn nach Tfc8 gewinnt Weiß wie in der Anmerkung zum 16. Zug, während nach Tac8 18. Txc8 Lxc8 19. Lxa6 der a-Bauer fällt. b5 Dame und Läufer des Weißen sollen damit ausgesperrt werden, aber gleichzeitig wird damit der schwarze Lb7 noch schlechter gemacht, da er noch mehr durch seine eigenen Bauern behindert wird. 18. Da5 Nun könnte Schwarz endlich Tac8 oder Tfc8 spielen, ohne Material zu verlieren, aber er würde damit nichts mehr erreichen, da die Da5 den Tc7 bereits gut unterstützt. Schwarz könnte den Tc7 dann in der Folge zwar tauschen, aber es würde immer eine weiße Schwerfigur an demselben Platz nachrücken. Deswegen verzichtet Schwarz auf die Opposition in der c-Linie. Tab8 19. T1c5 Nun sind alle weißen Schwerfiguren auf den schwachen schwarzen Feldern des schwarzen Damenflügels postiert. Tfd8? Interessanterweise ist dies bereits der Verlustzug. Das Feld d8 erweist sich nämlich als ungünstig für den schwarzen Turm, da dorthin die weiße Dame von a5 aus eine 'Röntgenwirkung' ausübt. Schwarz hatte aber in allen Fällen ein beschwerliches Leben vor sich. Tfc8?? hätte sogar auf der Stelle verloren wegen Txb7!, und auf den relativ besten Zug 19... e6 konnte Weiß mit dem Manöver 20. Dc3 f6 (um Se5 zu verhindern) 21. Sd2 mit dem Plan Sb3-a5 den positionellen Druck verstärken. 20. Se5! Da haben wir's! Schwarz kann den frechen Springer nämlich nicht schlagen wegen Lxe5? 21. dxe5 Dxe5 (oder De6) 22. Txb7! mit Gewinn des Läufers b7, weil nach Txb7 nunmehr der Td8 hängen würde (eine Folge des Fehlers Tfd8)! Durch diesen taktischen Witz, den Rubinstein sofort erkannt hat, ist es ihm aber jetzt gelungen, die Stellung seines Springers entscheidend zu verstärken. Es droht Sc6, und wenn Lxc6, so T5xc6 mit Damengewinn. Lf6 In seiner Bedrängnis fasst Schwarz noch einen genialen Plan. Er beschließt, die Qualität zwischenzeitlich aufzugeben, um sie dann zurückzugewinnen. Wir werden gleich sehen, wie Bogo sich das gedacht hat. So geistreich die Idee des Schwarzen ist, so muss sie auf Grund der positionellen Überlegenheit von Weiß letztlich aber doch zum Scheitern verurteilt sein, falls Weiß genau spielt. 21. Sc6 Natürlich würde Schwarz, wie oben bereits erwähnt, jetzt nach Lxc6 T5xc6 jetzt die Dame einbüßen. e6 Jetzt wird der erwähnte Plan klar. Der Läufer soll nach d8, und scheinbar ist es so, dass Weiß nach Sxb8 (Sxd8 Lxd8) Txb8 den Rückgewinn der Qualität mittels Ld8 nicht verhindern kann, da sein Tc7 keine Felder hat! 22. g3!? Eigentlich unnötig. Rubinstein konnte die folgende Kombination auch sofort ausführen. Trotzdem ist dieser 'stille' Zug äußerst beeindruckend, weil er die Hilflosigkeit der schwarzen Stellung demonstriert. Schwarz kann absolut überhaupt nichts tun, um seine Stellung zu verbessern, und Weiß hat inzwischen Zeit gewonnen, sich ein später vielleicht wichtiges Luftloch für seinen eigenen König zu schaffen. Tdc8 Jetzt konnte Schwarz allerdings Lxc6 spielen, denn nach T5xc6 hätte seine Dame das Fluchtfeld f8. Damit würde er aber den wichtigen Bauern a6 in Verluststellung einbüßen. Bogo rechnet sich damit gegen Rubinstein mit Recht keine Chancen aus, und verfolgt lieber weiter seinen Plan. 23. Sxb8 Txb8 24. Lxb5!! Die Widerlegung der schwarzen Idee! Nach axb5 25. Da7 mit Angriff auf Tb8 und Lb7 bekäme Weiß seine Figur in klarer Gewinnstellung zurück. Ld8 25. Le8! Der Läufer gibt keine Ruhe; jetzt greift er f7 an. Rubinstein hat natürlich ausgerechnet, dass er den Läufer nach Lxc7 26. Dxc7 nicht einbüßt, da dann auch der Lb7 hängt. Df8 Bogo erkennt, dass er das Turmendspiel nach Lxc7 26. Dxc7 Dxc7 27. Txc7 Txe8 28. Txb7 gegen einen Rubinstein nicht zu versuchen braucht. Deswegen hält er die Stellung so kompliziert wie möglich, in der Hoffnung, dass Weiß sich Weiß vielleicht doch noch einen Fehlgriff leistet. 26. Txb7! Zum Abschluss noch ein kleines Damenopfer. Lxa5 Erzwungen, denn auf 26... Txb7 käme Dxd8, während 26... Dxe8 an 27. Txb8 scheitert, weil danach der Ld8 gefesselt ist und Lxa5 somit nicht geht. 27. Txb8 Jetzt droht einfach Lxf7+ mit Rückgewinn der Dame und genügend Materialvorteil, um leicht zu gewinnen. Dd6 Greift den Tb8 an. 28. Tb7 Lb6 Büßt auch noch den Läufer ein, aber auch auf jeden anderen Läuferzug hat Weiß entscheidenden Angriff. 29. Tc6 Db4 Hätte Weiß im 22. Zug nicht das Luftloch gemacht, würde jetzt Schwarz sogar Matt drohen. So aber braucht Weiß diesen Damenausfall gar nicht zu berücksichtigen. 30. Lxf7+ weiß schlägt am einfachsten im nächsten Zug den Lb6 mit dem Tc6 und setzt anschließend mit seinem sowieso schon deutlichen Materialvorteil seinen Angriff gegen den hilflosen schwarzen König fort. Schwarz gab auf. Eine Modellpartie.
PGN anzeigen

[Event "Vienna"]
[Site "Vienna AUT"]
[Date "1922.11.15"]
[EventDate "1922.11.13"]
[Round "3"]
[Result "1-0"]
[White "Akiba

Rubinstein"]
[Black "Efim Bogoljubov"]


1. d4 d5 2. c4 c6 3. e3 Nf6 4.

Nc3 g6 5. Nf3 Bg7 6. Be2 O-O 7. O-O Nbd7? {Dieser völlig natürlich aussehende Zug ist bereits ein schwer wiegender

positioneller Fehler, wie Rubinstein in vollendeter Weise nachweist. Schwarz wird nun nicht mehr zu einer befriedigenden

Entwicklung seines Damenläufers gelangen. Er hätte Lg4 spielen sollen.} 8. cxd5
Nxd5 {Auch auf cxd5 wäre Db3 erfolgt. Schwarz meint durch Figurentausch Entlastung zu bekommen.} 9. Nxd5 cxd5 10. Qb3

{Hier steht die Dame gut; sie drückt gegen d5 und b7, so dass Schwarz zunächst einmal d5 decken muss und später

Schwierigkeiten haben wird, seinen Damenläufer herauszuziehen.} Nf6 {Auf Sb6 fürchtete Schwarz wohl das

Anrempelungsmanöver a2-a4-a5. Jedenfalls hat Schwarz schon Schwierigkeiten, egal wie er spielt. Ein Kommentator schlug

hier sogar die temporäre Heimkehr des Springers mit Sb8 vor, um hinterher auf c6 die c-Linie zu versperren. Wenn man sich

anschaut, was in der Partie geschehen wird, so hätte diese Entscheidung tatsächlich etwas für sich gehabt.} 11. Bd2 {Das

ist natürlich keine Läuferentwicklung (obwohl der Läufer gelegentlich nach b4 gelangen könnte), sondern die Vorbereitung

zur Besetzung der c-Linie durch die weißen Türme, gegen die Schwarz merkwürdig hilflos ist. Er kann ja seinen Lc8 nicht

ziehen (eine Folge des guten Zuges Db3), und damit auch keinen Turm auf der c-Linie entgegen stellen.} Ne4 {Mutiger wäre

das Opfer des b-Bauern mittels Lg4 oder Lf5 gewesen. Eigentlich hätte man einem Bogoljubov so etwas schon zutrauen können.

So wie er spielt, erhält er jedenfalls keine weitere Gelegenheit mehr, Weiß die Initiative zu entwinden.} 12. Rfd1

{Rubinstein möchte auf den folgenden Tausch nicht mit dem Springer zurückschlagen müssen.} Nxd2 {Schwarz kann nicht gut

sofort Dd6 spielen wegen Lb4. Er verschafft sich jetzt sogar das Läuferpaar, aber um welchen Preis, wird man gleich

sehen!} 13. Rxd2 {Nun hat Schwarz seine einzige wirklich gut postierte Figur abgetauscht, und Weiß auch noch die

Verdopplung der Türme auf der c-Linie erleichtert. Trotzdem waren bessere Züge für Schwarz kaum zu sehen. Die Wurzel allen

Übels lag eben schon in seinem unglücklichen 7. Zug, den er so leichthändig gespielt hatte!} Qd6 14. Rc1 b6 {Andernfalls

kommt der Lc8 nie mehr aus seinem Haus heraus.}
15. Rdc2 Bb7 {Hier beißt der Läufer bloß auf seinen eigenen Bauern. Aber Schwarz will den Weißen zum scheinbar starken

Eindringen mittels 15. Tc7? einladen, worauf Schwarz mit Tfc8! das Spiel ganz leicht ausgleichen könnte, weil der Tc1

ungedeckt ist (deswegen kann Weiß den Lb7 nicht schlagen). Weiß könnte dann den Tc7 nicht auf seinem vorgeschobenen Posten

behaupten, weil auf 16. Dc2? Schwarz mittels Turmtausch und nachfolgendem Tc8 sogar die weiße Dame erobern würde! Für den

vorwitzigen Tc7 bliebe nach 15. Tc7 Tfc8 also nur Rückzug oder Abtausch. Darauf hatte Bogo sich offenbar verlassen, zumal

er ja jetzt auch mit Tc8 auf der c-Linie zu opponieren bereit steht. Rubinstein findet aber einen Weg, doch noch auf c7

einzudringen.} 16. Qa4! {Sehr fein gespielt! Schwarz kann jetzt nicht Tfc8 spielen wegen 17. Txc8+ Lxc8 (Txc8 führt nach

Txc8+ zum selben Resultat) 18. De8+ mit Gewinn des Läufers c8! Zugleich droht Weiß jetzt aber auch La6, was nach Lxa6 Dxa6

jegliches Entgegenstellen von Schwarz auf der c-Linie völlig verunmöglichen würde.} a6 17. Rc7 {Jetzt geht es, denn

nach Tfc8 gewinnt Weiß wie in der Anmerkung zum 16. Zug, während nach Tac8 18. Txc8 Lxc8 19. Lxa6 der a-Bauer fällt.} b5

{Dame und Läufer des Weißen sollen damit ausgesperrt werden, aber gleichzeitig wird damit der schwarze Lb7 noch schlechter

gemacht, da er noch mehr durch seine eigenen Bauern behindert wird.} 18. Qa5 {Nun könnte Schwarz endlich Tac8 oder Tfc8

spielen, ohne Material zu verlieren, aber er würde damit nichts mehr erreichen, da die Da5 den Tc7 bereits gut

unterstützt. Schwarz könnte den Tc7 dann in der Folge zwar tauschen, aber es würde immer eine weiße Schwerfigur an

demselben Platz nachrücken. Deswegen verzichtet Schwarz auf die Opposition in der c-Linie.} Rab8 19. R1c5 {Nun sind alle

weißen Schwerfiguren auf den schwachen schwarzen Feldern des schwarzen Damenflügels postiert.} Rfd8? {Interessanterweise

ist dies bereits der Verlustzug. Das Feld d8 erweist sich nämlich als ungünstig für den schwarzen Turm, da dorthin die

weiße Dame von a5 aus eine 'Röntgenwirkung' ausübt. Schwarz hatte aber in allen Fällen ein beschwerliches Leben vor sich.

Tfc8?? hätte sogar auf der Stelle verloren wegen Txb7!, und auf den relativ besten Zug 19... e6 konnte Weiß mit dem

Manöver 20. Dc3 f6 (um Se5 zu verhindern) 21. Sd2 mit dem Plan Sb3-a5 den positionellen Druck verstärken.} 20. Ne5! {Da

haben wir's! Schwarz kann den frechen Springer nämlich nicht schlagen wegen Lxe5? 21. dxe5 Dxe5 (oder De6) 22. Txb7! mit

Gewinn des Läufers b7, weil nach Txb7 nunmehr der Td8 hängen würde (eine Folge des Fehlers Tfd8)! Durch diesen taktischen

Witz, den Rubinstein sofort erkannt hat, ist es ihm aber jetzt gelungen, die Stellung seines Springers entscheidend zu

verstärken. Es droht Sc6, und wenn Lxc6, so T5xc6 mit Damengewinn.} Bf6 {In seiner Bedrängnis fasst Schwarz noch einen

genialen Plan. Er beschließt, die Qualität zwischenzeitlich aufzugeben, um sie dann zurückzugewinnen. Wir werden gleich

sehen, wie Bogo sich das gedacht hat. So geistreich die Idee des Schwarzen ist, so muss sie auf Grund der positionellen

Überlegenheit von Weiß letztlich aber doch zum Scheitern verurteilt sein, falls Weiß genau spielt.} 21. Nc6 {Natürlich

würde Schwarz, wie oben bereits erwähnt, jetzt nach Lxc6 T5xc6 jetzt die Dame einbüßen.} e6 {Jetzt wird der erwähnte Plan

klar. Der Läufer soll nach d8, und scheinbar ist es so, dass Weiß nach Sxb8 (Sxd8 Lxd8) Txb8 den Rückgewinn der Qualität

mittels Ld8 nicht verhindern kann, da sein Tc7 keine Felder hat!}
22. g3!? {Eigentlich unnötig. Rubinstein konnte die folgende Kombination auch sofort ausführen. Trotzdem ist dieser

'stille' Zug äußerst beeindruckend, weil er die Hilflosigkeit der schwarzen Stellung demonstriert. Schwarz kann absolut

überhaupt nichts tun, um seine Stellung zu verbessern, und Weiß hat inzwischen Zeit gewonnen, sich ein später vielleicht

wichtiges Luftloch für seinen eigenen König zu schaffen.} Rdc8 {Jetzt konnte Schwarz allerdings Lxc6 spielen, denn nach

T5xc6 hätte seine Dame das Fluchtfeld f8. Damit würde er aber den wichtigen Bauern a6 in Verluststellung einbüßen. Bogo

rechnet sich damit gegen Rubinstein mit Recht keine Chancen aus, und verfolgt lieber weiter seinen Plan.} 23. Nxb8 Rxb8

24. Bxb5!! {Die Widerlegung der schwarzen Idee! Nach axb5 25. Da7 mit Angriff auf Tb8 und Lb7 bekäme Weiß seine Figur in

klarer Gewinnstellung zurück.} Bd8 25.
Be8! {Der Läufer gibt keine Ruhe; jetzt greift er f7 an. Rubinstein hat natürlich ausgerechnet, dass er den Läufer nach

Lxc7 26. Dxc7 nicht einbüßt, da dann auch der Lb7 hängt.} Qf8 {Bogo erkennt, dass er das Turmendspiel nach Lxc7 26. Dxc7

Dxc7 27. Txc7 Txe8 28. Txb7 gegen einen Rubinstein nicht zu versuchen braucht. Deswegen hält er die Stellung so

kompliziert wie möglich, in der Hoffnung, dass Weiß sich Weiß vielleicht doch noch einen Fehlgriff leistet.} 26. Rxb7!

{Zum Abschluss noch ein kleines Damenopfer.} Bxa5 {Erzwungen, denn auf 26... Txb7 käme Dxd8, während 26... Dxe8 an

27. Txb8 scheitert, weil danach der Ld8 gefesselt ist und Lxa5 somit nicht geht.} 27. Rxb8 {Jetzt droht einfach Lxf7+ mit

Rückgewinn der Dame und genügend Materialvorteil, um leicht zu gewinnen.} Qd6 {Greift den Tb8 an.} 28. Rb7 Bb6 {Büßt auch

noch den Läufer ein, aber auch auf jeden anderen Läuferzug hat Weiß entscheidenden Angriff.} 29. Rc6 Qb4 {Hätte Weiß im

22. Zug nicht das Luftloch gemacht, würde jetzt Schwarz sogar Matt drohen. So aber braucht Weiß diesen Damenausfall gar

nicht zu berücksichtigen.} 30. Bxf7+ {weiß schlägt am einfachsten im nächsten Zug den Lb6 mit dem Tc6 und setzt

anschließend mit seinem sowieso schon deutlichen Materialvorteil seinen Angriff gegen den hilflosen schwarzen König fort.

Schwarz gab auf. Eine Modellpartie.}
1-0
Vabanque - 14. Jun '14
Kleiner Hinweis für Rubinstein-Fans (derer es im Forum hier aber nicht viele zu geben scheint, nach der mauen Reaktion zu urteilen):

Das Buch 'Akiba Rubinstein: Ein Leben für das Schach' von Hans Wenz ist eine gesuchte Rarität und erzielt auf dem Gebrauchtmarkt momentan Preise um 35 Euro:

amazon.de/Akiba-Rubinstein-Ein-Leben-Schach/dp/3888054184/ref=..

Von Zeit zu Zeit wird es aber immer mal wieder herausgebracht, es soll sogar angeblich demnächst erscheinen, und zwar für 19,80 Euro:

amazon.de/Akiba-Rubinstein-Ein-Leben-Schach/dp/3940417696/ref=..

Nur habe ich mittlerweile kein Vertrauen in derartige Ankündigungen von amazon mehr ... da habe ich schon allzu viele Fälle erlebt, in denen das Erscheinungsdatum immer wieder verschoben wurde, bis der Artikel letztlich wieder aus dem Katalog gestrichen wurde :(

Und dann weiß man natürlich auch nicht, ob das Layout gegenüber der alten Ausgabe wirklich verbessert ist, oder ob es sich nur um einen Faksimile-Nachdruck dieser Auflage von 1966 handelt, die auch selten und immer noch teuer ist:

amazon.de/Akiba-Rubinstein-Schach-Walter-Gruyter/dp/B00IVRUHZ2..

So rar kann das Buch eigentlich nicht sein, aber es ist verständlich, dass kaum jemand, der es hat, es wieder hergibt.

Interessant ist an dem Buch übrigens, dass alle Diagramme aus der Sicht von Rubinstein abgebildet sind, d.h. wenn er in einer Partie Schwarz hatte, dann sind die schwarzen Steine unten! Diese Art der Darstellung ist von einigen neueren Schachbüchern her bekannt, aber im Jahre 1966 war sie wohl ziemlich sensationell!

Weiter ist an dem Buch bemerkenswert (und was es von anderen 'Heldenverehrungs-Büchern' dieser Art abhebt), dass auch bedeutende Niederlagen von Rubinstein gezeigt werden. Natürlich möchte der Fan sein Idol ungern verlieren sehen, aber diese Partien runden das Bild des Spielers ab, indem sie seine Schwächen (die jeder, auch der größte Spieler hat und hatte) aufzeigen.