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Deutsche Schachgeschichte (XV): Hecht

Kellerdrache - 17. Jun '18
Hans-Joachim Hecht gehört wohl zu den deutschen Schachspielern deren Erfolg dadurch begrenzt wurde, dass sie nie wirkliche Schachprofis waren. Hecht hat es immerhin mal in den 70erb für eine Zeit versucht. Aber eine Familie auf Basis des unsicheren Großmeistereinkommens zu ernähren war im zu riskant.
Für etliche deutsche Meisterschaften mit Solingen und Bayern München sowie insgesamt zehn Teilnahmen an Schacholympiaden reichte es aber auch so. Ähnlich wie Lothar Schmid war er auch Im Fernschach erfolgreich und erreichte hier den Titel des Internationalen Meisters.

Die folgende Partie stammt aus Hechts Glanzzeit als Schachprofi und zeigt seinen aktiven Angriffsstil. Hoffentlich seid ihr durch den Fußball nicht zu abgelenkt um sie zu würdigen.


Hecht, Hans-Joachim Schaufelberger, Heinz Bath | Bath | 1973 | B95 | 1:0
8
7
6
5
4
3
2
a
1
b
c
d
e
f
g
h
1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. d4 xd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 a6 6. Lg5 e6 Von der Eröffnungstheorie her ein recht herkömmlicher Sizilianer, in der Grauzone zwischen Najdorf- und Scheveninger-Variante angesiedelt. 7. Df3 Verhindert ein schnelles b5, auf das e5 mit Angriff auf den Sf6 und den Ta8 folgen würde. Außerdem räumt es die Grundreihe für eine frühe lange Rochade Ld7 8. O-O-O Sc6 9. Le2 Da5 der Plan für Schwarz ist klar. b7-b5-b4 um den Sc3 zu vertreiben und danach Druck auf den Damenflügel und das Zentrum zu machen. Dafür steht die Dame hier ideal. Zusätzlich zwingt man den ungedeckten Lg5 sich zu erklären 10. Dg3 deckt nicht nur den Läufer, sondern wirft auch ein Auge auf d6
10. Lxf6 xf6 11. Dxf6 gewinnt zwar einen Bauern, fördert aber auch das schwarze Gegenspiel Tg8 und es droht Lg7 mit Angriff auf beide weiße Springer 12. Df3 Lg7 und jetzt z.B... 13. Sxc6 Lxc6 14. Txd6 Lxc3 15. Dxc3 Dxa2
b5 ohne die weiße Dame auf der Diagonalen h1-a8 ist das jetzt möglich. Schwarz hält aktiv dagegen. Allerdings ist der in der Mitte verbliebene schwarze König ein Grund zur Sorge. 10...Le7 wäre vermutlich die vorsichtigere Fortsetzung 11. Sxc6 Lxc6 12. Txd6 Hecht öffnet die Mitte mit diesem unechten Qualitätsopfer (schlieslich bekommt man ja noch einen Bauern dazu). Egal ob Schwarz den Turm jetzt nimmt oder nicht, nimmt Weiß die d-Linie unter Kontrolle. Da Schaufelberger sich erstmal um den einstehenden Lc6 kümmern muss, hat er keine Zeit auf der offenen Linie zu kontern Tc8 13. Lxf6 dem Gegner einen Doppelbauern zu machen war nicht das Ziel. Mit dem Tausch auf f6 sorgt Weiß dafür, dass die Diagonale h5-e8 nicht mit g6 verstellt werden kann. Schwarz zahlt für seinen in der Mitte verbliebenen Monarchen. xf6 14. Lh5 der schwarze König bekommt langsam Beklemmungen. Der Läufer auf h5 fesselt den f-Bauern, so dass sofort Txe6+ droht Lh6+ 15. Kb1 b4 war hier nicht Ld7 erzwungen ?
Ld7 vielleicht besser aber auch nicht gut genug 16. Thd1 Td8 17. Txd7 Txd7 18. Txd7 Kxd7 19. Dd3+ Weiß hat zwei Bauern für die Qualität und Schaufelbergers König ist immer noch nicht in Sicherheit. Kc8 20. Lxf7 Db6 21. Dh3 Dxf2 22. Dxe6+
16. Txe6+ Kf8
Kd8 17. Dd6+ Ld7 18. Sd5
17. Dd6+ Kg7 Ist der König jetzt in Sicherheit ? Es hängen der weiße Turm auf e6, der Springer auf c3 und der Läufer auf h5. Zeit für stille Züge hat Weiß nicht. 18. Sd5 Lxd5
xe6 der Turm darf nicht genommen werden 19. De7+ Kg8 20. Sxf6#
19. xd5 Thd8
xe6 auch jetzt nicht 20. De7+ Kg8 21. Df7#
20. De7 Kh8 21. Dxf7 Tf8 22. Db7 Tc7 23. Txa6 nach dem Tausch der Damen verbleibt Hecht mit 4 (!!) Mehrbauern.
PGN anzeigen
[Event "Bath"]
[Site "Bath"]
[Date "1973.??.??"]
[Round "?"]
[White "Hecht, Hans-Joachim"]
[Black "Schaufelberger, Heinz"]
[Result "1-0"]
[ECO "B95"]
[PlyCount "45"]
[EventDate "1973.??.??"]
[SourceDate "2017.03.28"]

1. e4 c5 2. Nf3 d6 3. d4 cxd4 4. Nxd4 Nf6 5. Nc3 a6 6. Bg5 e6 {Von der Eröffnungstheorie her ein recht herkömmlicher Sizilianer, in der Grauzone zwischen
Najdorf- und Scheveninger-Variante angesiedelt.} 7. Qf3 {Verhindert ein
schnelles b5, auf das e5 mit Angriff auf den Sf6 und den Ta8 folgen würde.
Außerdem räumt es die Grundreihe für eine frühe lange Rochade} Bd7 8. O-O-O Nc6
9. Be2 Qa5 {der Plan für Schwarz ist klar. b7-b5-b4 um den Sc3 zu vertreiben
und danach Druck auf den Damenflügel und das Zentrum zu machen. Dafür steht
die Dame hier ideal. Zusätzlich zwingt man den ungedeckten Lg5 sich zu
erklären} 10. Qg3 {
deckt nicht nur den Läufer, sondern wirft auch ein Auge auf d6} (10. Bxf6 gxf6
11. Qxf6 {gewinnt zwar einen Bauern, fördert aber auch das schwarze Gegenspiel}
Rg8 {und es droht Lg7 mit Angriff auf beide weiße Springer} 12. Qf3 Bg7 {
und jetzt z.B...} 13. Nxc6 Bxc6 14. Rxd6 Bxc3 15. Qxc3 Qxa2) 10... b5 {
ohne die weiße Dame auf der Diagonalen h1-a8 ist das jetzt möglich. Schwarz
hält aktiv dagegen. Allerdings ist der in der Mitte verbliebene schwarze König
ein Grund zur Sorge. 10...Le7 wäre vermutlich die vorsichtigere Fortsetzung} 11.
Nxc6 Bxc6 12. Rxd6 {Hecht öffnet die Mitte mit diesem unechten Qualitätsopfer
(schlieslich bekommt man ja noch einen Bauern dazu). Egal ob Schwarz den Turm
jetzt nimmt oder nicht, nimmt Weiß die d-Linie unter Kontrolle. Da
Schaufelberger sich erstmal um den einstehenden Lc6 kümmern muss, hat er keine
Zeit auf der offenen Linie zu kontern} Rc8 13. Bxf6 {dem Gegner einen
Doppelbauern zu machen war nicht das Ziel. Mit dem Tausch auf f6 sorgt Weiß
dafür, dass die Diagonale h5-e8 nicht mit g6 verstellt werden kann. Schwarz
zahlt für seinen in der Mitte verbliebenen Monarchen.} gxf6 14. Bh5 {der schwarze König bekommt langsam Beklemmungen. Der Läufer auf h5 fesselt den f-Bauern,
so dass sofort Txe6+ droht} Bh6+ 15. Kb1 b4 {war hier nicht Ld7 erzwungen ?} (
15... Bd7 {vielleicht besser aber auch nicht gut genug} 16. Rhd1 Rd8 17. Rxd7
Rxd7 18. Rxd7 Kxd7 19. Qd3+ {Weiß hat zwei Bauern für die Qualität und
Schaufelbergers König ist immer noch nicht in Sicherheit.} Kc8 20. Bxf7 Qb6 21.
Qh3 Qxf2 22. Qxe6+) 16. Rxe6+ Kf8 (16... Kd8 17. Qd6+ Bd7 18. Nd5) 17. Qd6+ Kg7
{Ist der König jetzt in Sicherheit ? Es hängen der weiße Turm auf e6, der
Springer auf c3 und der Läufer auf h5. Zeit für stille Züge hat Weiß nicht.}
18. Nd5 Bxd5 (18... fxe6 {der Turm darf nicht genommen werden} 19. Qe7+ Kg8 20.
Nxf6#) 19. exd5 Rhd8 (19... fxe6 {auch jetzt nicht} 20. Qe7+ Kg8 21. Qf7#) 20.
Qe7 Kh8 21. Qxf7 Rf8 22. Qb7 Rc7 23. Rxa6 {
nach dem Tausch der Damen verbleibt Hecht mit 4 (!!) Mehrbauern.} 1-0
Vabanque - 17. Jun '18
Recht flotte Kurzpartie. Wirklich erstaunlich, wie schnell Hecht zu einem unwiderstehlichen Angriff gegen den schwarzen König gelangt, und wie locker-leicht es sich für ihn zu spielen scheint. Am besten gefällt mir die Situation nach dem 17. Zug, wo in bester Tal-Manier drei weiße Figuren hängen. Allerdings ist Hecht kein Tal, und so wirkt die Partie dann letztlich doch deutlich hausbackener als eine des genialen Exweltmeisters.
Trotzdem Dank an dich, dass du dieses mir bisher gänzlich unbekannte Exemplar ans Licht geholt hast :)
Kellerdrache - 18. Jun '18
Naja, Hecht hat eben soviel Brillianz aufgebracht wie nötig war ;-)). Ich habe die Partie vor allem ausgewählt weil sie ein so schönes Lehrbeispiel abgibt. Der steckengebliebene König ist halt eine massive taktische Schwäche und es braucht eben nicht mal Genie sondern nur ein wenig Präzision um das im Eiltempo offen zu legen.
Auf der anderen Seite ist aber jede Partie mit entgegengesetzten Rochaden ein Wettrennen. Es gewinnt oft derjenige, der als Erster Probleme schaffen kann. Da genau den richtigen Zeitpunkt für Angriff und Verteidigung zu finden ist gar nicht so einfach.