Kommentierte Spiele
Verlustpartien der Weltmeister (XIII ) : Capablanca
Kellerdrache - 12. Sep '16
Sucht man nach Niederlagen von Capablanca fällt einem auf wie wenige davon es gibt. Das liegt zum Teil vielleicht daran, dass er vergleichsweise wenig gespielt hat, d.h. weniger als die meisten anderen Weltmeister, aber auch an seinem unvergleichlichen Positionsgefühl. Er war, auch nach eigener Aussage nicht sehr fleissig in der Vorbereitung und zog im allgemeinen recht schnell. Trotzdem beherrschte er seine Zeitgenossen so sehr, dass z.B. kaum jemand glaubte das Aljechin ihn im WM-Kampf schlagen könnte.
Für einen seiner größten Konkurrenten wurde Rubinstein geraten, dessen Klarheit und strategische Weitsicht überzeugte. Leider war dessen Glanzzeit von kurzer Dauer und er hat es, auch aus finanziellen Gründen nie zu einem WM-Kampf gebracht. Zum Zeitpunkt der vorliegenden Partie aber war er noch m Vollbesitz seiner Schachkräfte.































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Für einen seiner größten Konkurrenten wurde Rubinstein geraten, dessen Klarheit und strategische Weitsicht überzeugte. Leider war dessen Glanzzeit von kurzer Dauer und er hat es, auch aus finanziellen Gründen nie zu einem WM-Kampf gebracht. Zum Zeitpunkt der vorliegenden Partie aber war er noch m Vollbesitz seiner Schachkräfte.
Akiba Rubinstein Jose Raul Capablanca San Sebastian | San Sebastian ESP | 1911.03.13 | D33 | 1:0
8








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5
4
3
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1

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1. d4 d5 2. Sf3 c5 die Tarrasch-Variante des Damengambits. Laut ihrem Erfinder die einzig vollwertige Variante. In vielen Abspielen erhält Schwarz einen Isolani vor dem man laut unserem deutschen Doktor als anständiger Schachspieler keine Angst haben darf. 3. c4 e6 4. xd5 xd5 5. Sc3 Sc6 6. g3 Dieser Zug wurde erstmals von Rubinstein analysiert, auch wenn ihn Schlechter wohl erfunden hat. Der Läufer guckt über die Fianchetto-Diagonale auf den auf d5 entstehenden Isolani. Le6 sieht etwas seltsam aus, da der Läufer hier mit Sg5 belästigt werden kann. 7. Lg2 Le7 Ich bin kein Spezialist dieser Eröffnung, aber mir gefällt Sf6 besser. Irgendwann wird Weiß auf c5 schlagen, worauf man mit dem Läufer zurücknimmt. So gesehen hat Capablancas Zug ein Tempo verschwendet. Wer übrigens glaubt der Kubaner wäre bei diesem Turnier noch zu jung und unerfahren gewesen - er hat es gewonnen ! 8. O-O Tc8 Der Zug sieht normalerweise nicht schlecht aus, da hier eine offene Linie entstehen wird, doch sollte Schwarz nicht zuerst seinen Königsflügel fertig entwickeln und die Rochade anstreben ? 9. xc5 Lxc5 10. Sg5 greift den exponierten Läufer an. Sf6 11. Sxe6 xe6 12. Lh3 Klassische Strategie. Der zurückhängende Bauern wird angegriffen. Nicht umsonst galt Rubinstein als der beste Anwender der Lehren von Steinitz. De7 13. Lg5 Gut, aber laut der damaligen Kommentare nicht das Beste. O-O der geistreiche Tartakower schreibt zu diesem Zug : Zu spät, oder, da der Sturm jetzt losbricht, nicht spät genug. Td8 erschien ihm sicherer und ich kann ihm nicht widersprechen. 14. Lxf6 Dxf6 der Zug wurde oft als Fehler kritisiert und gxf6 wird wohl im Nachhinein betrachtet besser sein, aber wem hätte, wenn er ehrlich ist, die aktive Stellung der Dame nicht gefallen? 15. Sxd5 mit Angriff auf die Dame. Dh6 Das war die Antwort auf die Capablanca sich verlassen hatte. Die Dame ist in Sicherheit, dafür ist jetzt der Läufer h3 angegriffen. Zieht er wird der e6 entfesselt und kann nach z.B. 16...Tcd8 genommen werden 16. Kg2 Rubinstein lässt den Läufer auf der Diagonale, aber macht das einen Unterschied ? Tcd8 Jetzt hat Weiß ein Problem. Der e6 ist entfesselt kann also im nächsten Zug schlagen. Der arme Springer kann nicht ziehen, weil dann seine Dame auf d1 vom Turm geschlagen werden könnte. 17. Dc1!! Großartig ! Der Zug löst tatsächlich alle Probleme. Die Dame greift den Läufer auf c5 an, entfesselt den Sd5 und bietet sich ihrem schwarzen Gegenüber zum Tausch an. xd5 18. Dxc5 Dd2 19. Db5 deckt beide angegriffene Bauern auf b2 und e2 Sd4 20. Dd3 auch hier ganz klassisch : Wer materiell vorne liegt profitiert generell von jedem Abtausch. Dxd3 Auch wenn der Abtausch Weiß entgegenkommt gibt es wohl nichts besseres 21. xd3 Tfe8 22. Lg4 einen schwarzenTurm auf der zweiten Reihe will Rubinstein nicht Td6 23. Tfe1 da der andere Turm die Grundreihe verlassen hat kann Schwarz dem weiteren Abtausch schlecht entgehen Txe1 24. Txe1 Tb6 Dieser Zug wurde von den zeitgenössischen Kommentatoren recht unterschiedlich angesehen. Ich persönlich schliese mich Tartakower an, der den Zug lobte. Wenigstens bekommt man ein wenig Gegenspiel 25. Te5 Txb2 26. Txd5 Sc6 27. Le6+ sicher nicht schwer zu finden, aber hübsch. Er greift nicht nur den König an, sondern kümmert sich auch um den Bauern auf a2 Kf8 28. Tf5+ Ke8 29. Lf7+ Kd7 der König sucht nach einem halbwegs ruhigen Platz 30. Lc4 a6 31. Tf7+ Kd6 32. Txg7 b5 33. Lg8 a5 Schwarz startet seinen Gegenangriff, der nicht unterschätzt werden darf 34. Txh7 a4 35. h4 b4 36. Th6+ Kc5 37. Th5+ Kb6 38. Ld5 Ungenau, da der Läufer hier seinem Turm im Weg steht. Lc4 ist besser. b3 macht es Weiß einfacher
Txa2 das und nicht Capablancas Wahl ist der kritische Zug der Stellung. Die folgende Variante ist etwas lang. Ich habe sie trotzdem gebracht weil sie meiner Meinung nach schön zeigt wie man so ein Endspiel spielt. 39. Th8 b3 40. h5 Ta1 41. Lxc6 Kc7 42. Le4 zielt verdeckt auf b1 b2 43. d4 a3 44. Th7+ Kd6 45. Tb7 a2 46. Txb2 Tg1+ 47. Kxg1 a1=Q+ 48. Tb1 Dxd4 49. Lf3 Schwarz hat seine Dame bekommen, steht aber immer noch auf Verlust. Ein bischen Präzision wird noch verlangt, aber das darf man Rubinstein zutrauen.
39. xb3 a3 40. Lxc6 Txb3 41. Ld5 a2 42. Th6+ !
Vabanque - 13. Sep '16
Eine ziemlich bekannte Partie. Auch wenn Capa die Eröffnung (nach heutigen Maßstäben) ein wenig merkwürdig behandelt hat, ist eine solch drastische Bestrafung trotzdem erstaunlich und der Präzision zuzuschreiben, mit der Rubinstein in dieser Schaffensphase spielte. Die mit 17. Dc1 (eigentlich ja schon mit 15. Sxd5) eingeleitete Kombination gewinnt zwar nur einen Bauern, doch reicht dies für einen Rubinstein, um die Partie überzeugend zum Sieg zu führen. Schade, dass die mit 38... Txa2 beginnenden Varianten nicht aufs Brett kamen.