Kommentierte Spiele
Brillante Mattangriffe (XXVI): Schmid - Langeweg 1965
Vabanque - 12. Aug '16
Der 2013 im Alter von 84 Jahren verstorbene sympathische Bamberger GM Lothar Schmid wurde zwar am bekanntesten als Schiedsrichter des WM-Kampfes Fischer-Spassky, war jedoch selbst auch ein hochklassiger Spieler, obwohl er zeit seines Lebens bloßer Amateur blieb. Von Beruf Verleger, besaß er auch die größte Schachbuchsammlung der Welt.
Die schöne und recht unbekannte Partie, die ich hier von ihm zeige, wurde 1965 bei der Europäischen Mannschaftsmeisterschaft gespielt. Sie ist vor allem dadurch bemerkenswert, dass der Mattangriff durch eine Aktion am Damenflügel (28. b5!) vorbereitet wird.































PGN anzeigen
Die schöne und recht unbekannte Partie, die ich hier von ihm zeige, wurde 1965 bei der Europäischen Mannschaftsmeisterschaft gespielt. Sie ist vor allem dadurch bemerkenswert, dass der Mattangriff durch eine Aktion am Damenflügel (28. b5!) vorbereitet wird.
Lothar Schmid Kick Langeweg EU-chT (Men) | Hamburg FRG | 9 | 1965.06.15 | A16 | 1:0
8








7








6
5
4
3
2








a
1

b

c

d

e

f

g

h

1. c4 Sf6 2. Sc3 d6 3. d4 Sbd7 4. e4 e5 5. Sge2 c6 6. g3 Diese vergleichsweise ruhige Variante der Königsindischen Verteidigung lässt eher ein langwieriges positionelles Ringen erwarten als einen brillanten Angriff. Aber schon viele andere Beispiele haben gezeigt, dass Glanzpartien aus jeder beliebigen Eröffnung entstehen können - sogar aus dem Réti-System. g6 7. Lg2 Lg7 8. O-O O-O 9. h3 Kein typischer Anfänger-Randbauernzug, sondern um Le3 spielen zu können, ohne sofort durch Sg4 belästigt zu werden. Te8 Um nach dem geplanten Tausch auf d4 Druck auf e4 auszuüben. 10. Le3 xd4 11. Sxd4 Sc5 12. Dc2 a5 Das übliche Verfahren, um die Springerstellung auf c5 gegen b2-b4 zu sichern. Auf 13. a3 käme nun a4, und der Vorstoß des b-Bauern rückt in weite Ferne. Vor a3 müsste Weiß daher b3 einschalten - freilich ist dies langsam. Schmid wählt daher einen anderen Plan: er spielt gegen den rückständigen schwarzen Bauern d6. 13. Tad1 Sfd7 Verschafft dem Lg7 mehr Ausblick und strebt ggf. nach e5. 14. Sb3 Dc7 Schon hing d6. Den zweifachen Tausch auf c5 braucht Schwarz nicht zu fürchten, da ihn dieser des rückständigen Bauern ja entledigen würde. Der entstehende Doppelbauer würde keine Rolle spielen, Schwarz bekäme freies Figurenspiel. 15. Td2 b6 16. Sd4 Der vorige Zug des Weißen ließ eigentlich Tfd1 erwarten, aber Schmid hat seinen Plan offenbar geändert, oder aber er lässt seinen Gegner bewusst über seine Absichten im Unklaren. a4 Wie die Folge zeigt, spielt dieser Zug dem Weißen in die Hände. Aber nach Lb7 oder La6 steht Schwarz nicht besonders perspektivenreich. 17. b4! Schmid hat richtig erkannt, das Schwarz aus der Öffnung der a-Linie keinen Profit ziehen können wird. ab3 18. xb3 Lb7 19. Tfd1 Lf8 Präventive Deckung des schwachen Bauern d6. 20. b4 Se6 Nach Sa6 21. Db3 stünde der Sa6 perspektivenlos. 21. Sde2 Schmid vermeidet den Tausch, um den Gegner nicht zu entlasten. Ta3 Vermutlich wollte Schwarz Se5 spielen, ohne dass Weiß Db3 antworten könnte. Aber der Turmzug erweist sich als ein Schlag ins Wasser. Der Turm kann auf der 'leeren' a-Linie nichts erreichen und bildet nichts weiter als ein Angriffsobjekt für Weiß. 22. f4 Nun wird Se5 verhindert. Die entstehende ungedeckte Stellung des Le3 wird Schwarz nicht ausnutzen können. Le7 Vermutlich wollte Schwarz seinem Se6 nach eventuellem weißen f5 das Feld g5 sichern. Aber Weiß hatte eine stärkere Drohung als f5. 23. e5! Der Bauer d6 darf ja wegen Txd7 nicht auf e5 nehmen. Also geht der Bauer d6 verloren, oder etwa nicht? Sef8 Wahrscheinlich hatte sich Schwarz auf diese Ausrede, die auf dem ungedeckten weißen Le3 basiert, verlassen. Aber er täuscht sich. 24. Db2!
Noch einfacher und direkter wäre 24. xd6 Lxd6 25. Txd6 Txe3 26. Dc1! gewesen, mit einem originellen Qualitätsgewinn wegen der luftigen Stellung der schwarzen Türme. Aber Schmids Zug ist noch eleganter; er bringt gleich seine Dame in Position für den abschließenden Mattangriff auf der langen Diagonalen, von dem bisher noch keine Spur zu sehen ist. Es würde mich nicht wundern, wenn Schmid an dieser Stelle bereits den Schluss der Partie vor seinem geistigen Auge gesehen hätte!
Taa8 25. xd6 Lxd6 26. Txd6 Txe3 27. Se4! Der weiße Plan nimmt Gestalt an. Es droht zweimaliges Schlagen auf d7 nebst Sf6+. Lc8 28. b5! Sehr fein gespielt! Weiß zwingt den Schwarzen, das Feld d5 zugänglich zu machen - nämlich für den Gnadenstoß durch einen weißen Springer! xb5 29. Txd7! Jetzt schlägt dieser Plan durch. Sxd7 30. Txd7 Lxd7 31. Sf6+ Kf8 Ohne das vorbereitende 28. b5 hätte Weiß nun gar nichts. 32. Sd5! Aber so ist alles aus, da gleichzeitig Dh8# droht und die schwarze Dame angegriffen ist. Schwarz gab auf. Ein abrupter, aber sehr eleganter und keineswegs schablonenhafter Schluss.
Kellerdrache - 12. Aug '16
Nicht nur ein überzeugender Schluß sondern insgesamt eine elegante Partie. Man bekommt fast den Eindruck als habe Schmid die Gabel zuerst gesehen und dann nach einem Weg gesucht alle Figuren dahin zu bringen wo sie es möglich machen.
Mit seinem schwachen Zentrum stand Schwarz früh schlechter, aber die meisten Spieler hätten das nicht so einfallsreich ausgenutzt und mit einem Mattangriff kombiniert.
Danke für die vergessene Perle aus dem deutschen Schach.
Mit seinem schwachen Zentrum stand Schwarz früh schlechter, aber die meisten Spieler hätten das nicht so einfallsreich ausgenutzt und mit einem Mattangriff kombiniert.
Danke für die vergessene Perle aus dem deutschen Schach.
Vabanque - 12. Aug '16
'Vergessene Perlen des deutschen Schachs', das wäre allerdings eine Idee für eine Reihe mit Partien von Unzicker, Schmid, Pfleger, Hecht, Darga, Lobron, Dueball, Gerusel, Feustel, Schlenker etc. ...
Die Frage ist nur, ob jemand wirklich so was hier sehen will.
Die Frage ist nur, ob jemand wirklich so was hier sehen will.
Hasenrat - 12. Aug '16
Ja, ich Feustel-Fan!!
Vabanque - 12. Aug '16
Hasenrat liest hier immer noch mit :)
Von Feustel gibt es immerhin eine Schwarz-Gewinnpartie gegen John Nunn!
Von Feustel gibt es immerhin eine Schwarz-Gewinnpartie gegen John Nunn!
Hasenrat - 12. Aug '16
Achtung, Schachfreund (nicht Feind!) liest mit! Ja. :-)
Gewinnpartie mit Schwarz bestimmt mit dem Igel bzw. dem Hippo!
Gewinnpartie mit Schwarz bestimmt mit dem Igel bzw. dem Hippo!
Vabanque - 12. Aug '16
Das war eher eine Robatsch-Verteidigung gewesen. Vielleicht bringe ich die Partie ja mal. Wenn überhaupt eine von Feustel, dann jedenfalls diese.
Vabanque - 12. Aug '16
Wobei das jetzt sowieso schon wieder off-topic ist, denn hier sollte eigentlich normalerweise über oben gezeigte Partie diskutiert werden. Aber leider geschieht so etwas viel zu selten.
Ich könnte natürlich auch ermuntern: 'Schreibt lieber irgendwas unter die Partien als gar nichts!'
Aber so schlimm ist die Situation ja auch noch nicht.
Das Niveau des Hauptforums werden wir hier sowieso nie erreichen ;)
Ich könnte natürlich auch ermuntern: 'Schreibt lieber irgendwas unter die Partien als gar nichts!'
Aber so schlimm ist die Situation ja auch noch nicht.
Das Niveau des Hauptforums werden wir hier sowieso nie erreichen ;)