Kommentierte Spiele

Tarrasch: Isolani gewinnt

Kellerdrache - 26. Sep '18
Wir haben hier ja schon einige Partien kennen gelernt, in denen eine der beiden Seiten einen vereinzelten Bauern hatte. In der Regel benutzte der Gegner diesen dann als dankbares Angriffsziel und gewann die Partie. Das Ganze sieht dabei oft so zwingend aus, dass man versucht ist in seinen eigenen Partien so einen Isolani um alles in der Welt zu verhindern.
Siegbert Tarrasch, zu seinen Zeiten sozusagen der Oberlehrer des deutschen Schachs hatte dafür wenig Verständnis und sagte wer Angst davor hätte mit einem Isolani zu spielen solle lieber kein Schach spielen. Er war im allgemeinen ein Freund starker Worte. Im vorliegenden Beispiel liefert er aber auch ein praktisches Argument und gewinnt durch den Isolani.
Ich hoffe, dass die Spieler die diese und die vorhergehende Partie nachspielen daraus einige Lehren ziehen konnten worauf es beim Spiel mit einem isolierten Bauern ankommt.


Amos Burn Siegbert Tarrasch 18th DSB Kongress | Breslau GER | 4 | 1912.07.18 | D33 | 0:1
8
7
6
5
4
3
2
a
1
b
c
d
e
f
g
h
1. d4 d5 2. c4 e6 3. Sc3 c5 Natürlich spielt Tarrasch gegen das Damengambit die nach ihm benannte und von ihm empfohlene Variante 4. xd5 xd5 schlägt Weiß jetzt noch auf c5 hat er dem Gegner einen Isolani verschafft. Der gute Doktor war immer der Meinung, dass ein Isolani keine wesentliche Schwäche darstellen muss 5. Sf3 Sc6 6. g3 Burn hat es nicht eilig damit dem Schwarzen einen vereinzelten Bauern zu verschaffen und entwickelt erst einmal die Figuren so, dass sie auf d5 drücken Le6 7. Lg2 Sf6 ein Vorteil der Tarrasch-Variante ist, dass es Schwarz deutlich leichter hat alle Figuren aktiv zu entwickeln als in manchen anderen Damengambit-Abwandlungen 8. O-O Le7 9. xc5 der Tausch sieht im Nachhinein betrachtet verfrüht aus, da Weiß das Feld vor dem Isolani noch nicht unter seiner Kontrolle hat Lxc5 Burn hat seinen Gegner sozusagen dazu gezwungen ein Tempo zu verschwenden indem er mit dxc5 gewartet hat bis der Läufer gezogen hatte 10. Lg5 wir sehen hier, was den Isolani anbetrifft einen großen Unterschied zu den uns bisher vorgestellten Partien die jeweils die andere Seite gewann: Der Bauer ist hier beweglich! Der Engländer hat einen strategischen Fehler begangen und sich nicht um die Festlegung des Bauern gekümmert, den notwendigen ersten Schritt vor der Belagerung! d4 Normalerweise ist das schwächste Feld dasjenige vor dem Isolani und nicht das Feld auf dem er steht. Hier hat Tarrasch das Feld d4, ohne unnatürliche Zuge machen zu müssen, dreifach überdeckt und kann furchtlos vorstossen 11. Se4 Le7 12. Lxf6 Lxf6 13. Da4 mit dem Plan nicht nur den deckenden Sc6 zu fesseln, sondern auch einen der Türme auf d1 zu stellen Ld5 ich hatte, wie vermutlich viele Leser eher den Impuls Ld7 zu spielen
Ld7 14. Sd6+ und die Rochade ist im Eimer
14. Sxf6+ Dxf6 15. Tfd1 . Eine der schwierigsten Fragen im Schach, auch für Meister, ist es immer den richtigen Turm zu ziehen. Betrachtet man die Schwierigkeiten die Weiß später durch den ungedeckten Turm auf a1 bekommt wäre der andere Turm vielleicht die bessere Wahl gewesen. O-O-O das sieht nicht ungefährlich aus. a7 ist nur durch den Sc6 gedeckt, der aber gleichzeitig mit dem Schutz des d4 beschäftigt ist 16. b4 um den Springer zu vertreiben und sich dann aussuchen zu können ob man a7 oder d4 nehmen will
dreimal angegriffen, nur zweimal gedeckt. geht das nicht schon ? 16. Sxd4 Sxd4 17. Txd4 Lxg2 18. Txd8+
18. Kxg2 Txd4 19. Dxa7 Dc6+ 20. Kg1 Tdd8
Txd8 19. Kxg2 Dxb2 20. Te1 Kb8 und Weiß steht nicht besser
d3 Klasse, der Bauer zieht auf ein Feld wo er zweimal geschlagen werden kann und überhaupt nicht gedeckt ist. Doch mit seinem Zug hat Tarrasch auch die Diagonale a1-h8 für seine Dame geöffnet 17. e4 opfert einen Bauern, aber es drohte ja auch ganz simpel Lxf3, weshalb einfach 17.e3 nicht reichte
17. xd3 Lxf3 der aus der vorigen Variante bekannte Abzug 18. Lxf3 Txd3 19. Lxc6 denn 19.Txd3 geht wegen 19...Dxa1+ nicht Txd1+ 20. Txd1 Dxc6
Lxe4 18. b5 Lxf3 19. Lxf3 Sd4
Dxf3 wäre vermutlich zu optimistisch 20. xc6 xc6 21. Dxa7 bei dem Durchzug kann der schwarze König sich nur den Tod holen
20. Lg2
20. Lg4+ Kb8 21. Txd3 Sf3+ und Weiß geht wieder an der Möglichkeit Dxa1+ zu Grunde
Kb8 21. Dc4 greift den d3 ein weiteres Mal an und erlaubt die Unterstützung des b5 durch a4. 21.Txd3 ging wegen 21...Se2+ nebst 22...Txd3 nicht The8 22. Kh1 der Bauer kann immer noch nicht geschlagen werden obwohl er völlig ungedeckt ist
22. Dxd3 Se2+ deshalb wurde The8 gezogen! Nach 22.Kh1 passiert Se2 dann ohne Schach und ist weniger zwingend
Sc2 23. Tac1 Dxf2 24. Tg1
24. Txd3 Te1+
d2 vom schwächlichen Isolani zum Matchwinner. Schwarz gewinnt eine Qualität 25. Dxc2
auch nicht besser ist 25. Txc2 Dxg1+ 26. Kxg1 d1=Q+ 27. Lf1 Tc8
dc1=Q 26. Dxc1 Td2 27. a4 Tde2 28. Dd1 Td2 Ich war überrascht als ich diesen Zug sah und hätte einfach Te1 gezogen.
Te1 tatsächlich ein Fehler der Weiß ins Remis entkommen lässt 29. Dd6+ Kc8 30. Lxb7+ Kxb7 31. Dc6+ Kb8 32. Dd6+ Kc8 33. Dc6+ Kd8 34. Dd6+ mit Dauerschach
29. Dc1 Ted8 30. Dc3 f6 um Weiß das Schach auf e5 zu nehmen 31. Db3 verhindert Td1 De2 32. b6 Schwarz einzige Chance ist es den König hervor zu locken und zu hoffen, dass er den Schachs nicht entkommen kann xb6 33. Dxb6 T8d7 34. h4 Tb2 Td1 ist nicht zwingend. Die Dame deckt von b6 den Tg1 und der König kann jetzt von der Grundreihe flüchten 35. Dc5 Td1 es droht Dxg2 + und matt 36. Df8+ Ka7 37. Dc5+ Ka6 Weiß hat kein Schach mehr 38. Kh2 Txg1 39. Dxg1 Dxg2+ nach Abtausch der Schwerfiguren gewinnt Schwarz durch den schnell gebildeten Freibauern auf der b-Linie
Dxg2+ 40. Dxg2 Txg2+ 41. Kxg2 Ka5 42. Kf3 Kxa4 und den Rest sollte jeder können. z.B. 43. Ke4 Kb4 44. Kd4 b5 45. Kd3 Ka3 46. Kc2 b4 47. Kb1 Kb3 48. Kc1 Ka2
PGN anzeigen
[Event "18th DSB Kongress"]
[Site "Breslau GER"]
[Date "1912.07.18"]
[Round "4"]
[White "Amos Burn"]
[Black "Siegbert Tarrasch"]
[Result "0-1"]
[ECO "D33"]
[PlyCount "78"]
[EventDate "1912.07.15"]
[SourceDate "2017.03.28"]

1. d4 d5 2. c4 e6 3. Nc3 c5 {Natürlich spielt Tarrasch gegen das Damengambit
die nach ihm benannte und von ihm empfohlene Variante} 4. cxd5 exd5 {schlägt Weiß jetzt noch auf c5 hat er dem Gegner einen Isolani verschafft. Der gute
Doktor war immer der Meinung, dass ein Isolani keine wesentliche Schwäche
darstellen muss} 5. Nf3 Nc6 6. g3 {Burn hat es nicht eilig damit dem Schwarzen
einen vereinzelten Bauern zu verschaffen und entwickelt erst einmal die
Figuren so, dass sie auf d5 drücken} Be6 7. Bg2 Nf6 {ein Vorteil der
Tarrasch-Variante ist, dass es Schwarz deutlich leichter hat alle Figuren
aktiv zu entwickeln als in manchen anderen Damengambit-Abwandlungen} 8. O-O Be7
9. dxc5 {der Tausch sieht im Nachhinein betrachtet verfrüht aus, da Weiß das
Feld vor dem Isolani noch nicht unter seiner Kontrolle hat} Bxc5 {Burn hat seinen Gegner sozusagen dazu gezwungen ein Tempo zu verschwenden indem er mit dxc5
gewartet hat bis der Läufer gezogen hatte} 10. Bg5 {wir sehen hier, was den
Isolani anbetrifft einen großen Unterschied zu den uns bisher vorgestellten Partien
die jeweils die andere Seite gewann: Der Bauer ist hier beweglich! Der
Engländer hat einen strategischen Fehler begangen und sich nicht um die
Festlegung des Bauern gekümmert, den notwendigen ersten Schritt vor der
Belagerung!} d4 {Normalerweise ist das schwächste Feld dasjenige vor dem
Isolani und nicht das Feld auf dem er steht. Hier hat Tarrasch das Feld d4,
ohne unnatürliche Zuge machen zu müssen, dreifach überdeckt und kann furchtlos
vorstossen} 11. Ne4 Be7 12. Bxf6 Bxf6 13. Qa4 {mit dem Plan nicht nur den
deckenden Sc6 zu fesseln, sondern auch einen der Türme auf d1 zu stellen} Bd5 {
ich hatte, wie vermutlich viele Leser eher den Impuls Ld7 zu spielen} (13...
Bd7 14. Nd6+ {und die Rochade ist im Eimer}) 14. Nxf6+ Qxf6 15. Rfd1 {
. Eine der schwierigsten Fragen im Schach, auch für Meister, ist es immer den
richtigen Turm zu ziehen. Betrachtet man die Schwierigkeiten die Weiß später
durch den ungedeckten Turm auf a1 bekommt wäre der andere Turm vielleicht die
bessere Wahl gewesen.} O-O-O {das sieht nicht ungefährlich aus. a7 ist nur
durch den Sc6 gedeckt, der aber gleichzeitig mit dem Schutz des d4 beschäftigt
ist} 16. b4 {um den Springer zu vertreiben und sich dann aussuchen zu können
ob man a7 oder d4 nehmen will} ({
dreimal angegriffen, nur zweimal gedeckt. geht das nicht schon ?} 16. Nxd4 Nxd4
17. Rxd4 Bxg2 18. Rxd8+ (18. Kxg2 Rxd4 19. Qxa7 Qc6+ 20. Kg1 Rdd8) 18... Rxd8
19. Kxg2 Qxb2 20. Re1 Kb8 {und Weiß steht nicht besser}) 16... d3 {Klasse, der
Bauer zieht auf ein Feld wo er zweimal geschlagen werden kann und überhaupt
nicht gedeckt ist. Doch mit seinem Zug hat Tarrasch auch die Diagonale a1-h8
für seine Dame geöffnet} 17. e4 {opfert einen Bauern, aber es drohte ja auch
ganz simpel Lxf3, weshalb einfach 17.e3 nicht reichte} (17. exd3 Bxf3 {
der aus der vorigen Variante bekannte Abzug} 18. Bxf3 Rxd3 19. Bxc6 {
denn 19.Txd3 geht wegen 19...Dxa1+ nicht} Rxd1+ 20. Rxd1 Qxc6) 17... Bxe4 18.
b5 Bxf3 19. Bxf3 Nd4 (19... Qxf3 {wäre vermutlich zu optimistisch} 20. bxc6
bxc6 21. Qxa7 {bei dem Durchzug kann der schwarze König sich nur den Tod holen}
) 20. Bg2 (20. Bg4+ Kb8 21. Rxd3 Nf3+ {
und Weiß geht wieder an der Möglichkeit Dxa1+ zu Grunde}) 20... Kb8 21. Qc4 {
greift den d3 ein weiteres Mal an und erlaubt die Unterstützung des b5 durch
a4. 21.Txd3 ging wegen 21...Se2+ nebst 22...Txd3 nicht} Rhe8 22. Kh1 {der Bauer
kann immer noch nicht geschlagen werden obwohl er völlig ungedeckt ist}
(22. Qxd3 Ne2+ {deshalb wurde The8 gezogen! Nach 22.Kh1 passiert Se2 dann ohne
Schach und ist weniger zwingend}) 22... Nc2 23. Rac1 Qxf2 24. Rg1 (24. Rxd3
Re1+) 24... d2 {
vom schwächlichen Isolani zum Matchwinner. Schwarz gewinnt eine Qualität} 25.
Qxc2 ({auch nicht besser ist} 25. Rxc2 Qxg1+ 26. Kxg1 d1=Q+ 27. Bf1 Rc8) 25...
dxc1=Q 26. Qxc1 Rd2 27. a4 Rde2 28. Qd1 Rd2 {
Ich war überrascht als ich diesen Zug sah und hätte einfach Te1 gezogen.} (
28... Re1 {tatsächlich ein Fehler der Weiß ins Remis entkommen lässt} 29. Qd6+
Kc8 30. Bxb7+ Kxb7 31. Qc6+ Kb8 32. Qd6+ Kc8 33. Qc6+ Kd8 34. Qd6+ {
mit Dauerschach}) 29. Qc1 Red8 30. Qc3 f6 {um Weiß das Schach auf e5 zu nehmen}
31. Qb3 {verhindert Td1} Qe2 32. b6 {Schwarz einzige Chance ist es den König
hervor zu locken und zu hoffen, dass er den Schachs nicht entkommen kann} axb6
33. Qxb6 R8d7 34. h4 Rb2 {Td1 ist nicht zwingend. Die Dame deckt von b6 den
Tg1 und der König kann jetzt von der Grundreihe flüchten} 35. Qc5 Rd1 {
es droht Dxg2 + und matt} 36. Qf8+ Ka7 37. Qc5+ Ka6 {Weiß hat kein Schach mehr}
38. Kh2 Rxg1 39. Qxg1 Qxg2+ {nach Abtausch der Schwerfiguren gewinnt Schwarz
durch den schnell gebildeten Freibauern auf der b-Linie} (39... Qxg2+ 40. Qxg2
Rxg2+ 41. Kxg2 Ka5 42. Kf3 Kxa4 {und den Rest sollte jeder können. z.B.} 43.
Ke4 Kb4 44. Kd4 b5 45. Kd3 Ka3 46. Kc2 b4 47. Kb1 Kb3 48. Kc1 Ka2) 0-1

KroMax - 26. Sep '18
Genial !
Ich werde mir nie wieder
großartig Sorgen machen, wenn mir mal wieder
ein Isolani widerfährt.
Danke Kellerdrache.
Beste Grüße
Vabanque - 26. Sep '18
Aber SF KroMax, kannst du auch wie Tarrasch spielen? ;-)

Ich bin übrigens platt, weil ich diese Partie noch nie gesehen haben ... sie findet sich weder in Tarraschs eigenen Werken, noch in den Büchern, die Brinckmann ('Siegbert Tarrasch - Lehrmeister der Schachwelt') und Reinfeld ('Tarraschs Best Games') über Tarrasch verfasst haben ...

Wie bist du auf sie gestoßen?

Ich frage mich, warum die genannten Autoren (einschließlich dem Meister selbst) sie nicht in ihre (teils recht umfangreichen) Bücher einbezogen haben.

Wo es doch ein schöner klarer Sieg ist, und der Zug 16... d3! (in Verbindung mit späterem d2) gefällt mir natürlich besonders gut: der Isolani startet durch.

Wenn ich mich recht erinnere, hat Snosko-Borowski ebenfalls gegen Burn (darin liegt ja die Ironie) auch mal mit Schwarz mit einem Isolani gewonnen. Der arme Burn, es ging ihm wohl ähnlich wie mir: immer wenn der Gegner den Isolani hatte, war dieser stark. Hatte Burn selber den Isolani, war er schwach.
pirc_ - 26. Sep '18
Schöne Partie!!
Ich denke Tarrasch gewinnt hier nicht durch den Isolanie, sondern durch das falsche Gegenspiel seines Gegners gegen den Isolanie.
Mir gefällt 10. Lg5?? von Burn gar nicht. Mein Vorschlag an dieser Stelle wäre 10. Sa4 um den Läufer zu vertreiben und dann das Feld d4 unter Kontrolle zu nehmen.
Also zb.10. Sa4 Le7 11. Le3 0-0 ? und mit dem Springer in Niemzowitsch-Style dann zu blockieren 12. Sd4...ich denke so erreicht Burn eine für ihn angenehme Stellung.
Kellerdrache - 27. Sep '18
@ pirc: ja, natürlich hast du recht. Es ist sowohl in dieser, wie auch in anderen Isolani-Partien die hier kommentiert wurden immer darauf hingewiesen worden wie wichtig es ist zuerst den weiteren Vormarsch des Bauern zu verhindern. Zwei Fragezeichen für Lg5 scheinen mir etwas übertrieben, aber generell kann man schon sagen das Burn falsch gegen den Isolani vorgeht.
@ Vabanque: ich kannte die Partie vorher auch nicht. Sie ist sicher keine von Tarraschs absoluten Glanzpartien, aber doch ganz hübsch mit dem kleinen Superbauern. Ich habe auch keinerlei Kommentare dazu gefunden. Entdeckt habe ich sie bei chessgames.com wo ich nach gewonnenen Tarrasch-Partien mit der Tarrasch-Variante gesucht hab.
@ alle: Es gibt noch ein paar andere nette Partien wo die Seite mit dem Isolani gewinnt (z.B. Botwinnik gegen Vidmar, Kramnki gegen Kasparov). Dort gewinnt die Isolani-Partei aber dadurch das sie anderswo stärkere Drohungen schafft. In diesen Partien ist der vereinzelte Bauer nie das Hauptthema.
Vabanque - 27. Sep '18
Wir sehen hier zunächst einmal, dass der Isolani sehr stark werden kann, wenn ihn der Gegner (wie hier) vorstoßen lässt. Auf d4 engt der schwarze Bauer das weiße Spiel erheblich ein. Eine ähnliche Konstellation entsteht übrigens auch im Albin-Gegengambit nach 1. d4 d5 2. c4 e5 3. dxe5 d4. Ich habe dagegen als Weißer so oft verloren (eben weil ich diesen einengenden schwarzen d4-Bauer weder tauschen noch erobern konnte), dass ich mittlerweile auf 1. d4 d5 konsequent 2. Sf3 spiele, um e5 nicht zuzulassen (aus ähnlichen Gründen spiele ich übrigens auf 1. d4 Sf3 auch 2. Sf3, um das Budapester Gambit zu vermeiden, gegen das ich auch immer alt aussehe).

Aber wenn ich es recht verstehe, dann hätte Weiß hier im 16. Zug den Bauern d4 tatsächlich nehmen können und wäre damit besser gefahren als in der Partie. Schwarz hätte dann nur seinen Bauern zurückbekommen und es wäre ein Schwerfigurenendspiel mit Remistendenz entstanden.
Wobei ich mich frage, ob in der Variante zu 16. Sxd4 nicht auch 17. Dxd4 (statt Txd4) möglich gewesen wäre. Auf die Schnelle sehe ich darauf für Schwarz auch nichts Besseres als 17... Lxg2 18. Txd8+ Txd8 19. Kxg2 Td2, ebenfalls mit Rückgewinn des Bauern auf b2 oder e2, und mit wahrscheinlichem Remis.

Vielleicht wollte Burn ja in der Überzeugung, dass der schwarze d-Bauer schwach wäre, mit 16. b4 mehr erreichen. Die schwarze Antwort d3! hat er wohl übersehen.

Weiter frage ich mich allerdings, ob in der Variante zum 17. Zug von Weiß (17. exd3 Lxf3 18. Lxf3) Txd3 wirklich besser ist als das einfache 18... Dxf3, womit Schwarz zunächst eine Mehrfigur behält. Ist darauf b5 nebst Dxa7 wirklich so gefährlich für den schwarzen König? So wie du die Variante angegeben hast, kommt ja auch hier Remis heraus, d.h. hier hätte Burn die Partie womöglich noch retten können.

Danach ist sie für Weiß wahrscheinlich tatsächlich verloren. Besonders witzig finde ich, dass der Isolani auf d3 eine ganze Weile scheinbar ungedeckt rumsteht und trotzdem nie genommen werden kann (also indirekt gedeckt ist). Der Vormarsch nach d2 ist eindrucksvoll und bringt die Entscheidung durch Eroberung der Qualität.

Sehr schön noch, die Tarrasch im 28. Zug die weiße Dauerschachkombination unschädlich macht.

Den Schluss finde ich ebenso einfach wie elegant: Schwarz gibt die Qualität in einer Generaltauschaktion wieder zurück, um in ein sofort gewonnenes Bauernendspiel mit entferntem Freibauern einzulenken.

Hat mir ingesamt sehr gut gefallen, und ich bin immer noch erstaunt, dass du anscheinend der erste Autor bist, der diese Partie überhaupt kommentiert.

Herausgekommen ist jedenfalls eine lehrreiche Illustration, wie man mit dem Isolani gewinnt, vorausgesetzt natürlich man hat keine Angst (wenn ich selber einen Isolani habe, fühle ich mich immer schlecht und spiele dann auch schlecht), und man kann so spielen wie der 'Oberlehrer' es konnte. Ich kann lehren, aber selber nicht spielen; andere können spielen aber nicht lehren (eine Reihe von Weltmeistern). Tarrasch aber konnte tatsächlich spielen wie auch lehren. Wobei seine Partien weniger trocken und dogmatisch sind als seine Lehrbücher.
Kellerdrache - 27. Sep '18
Interessant ist doch, dass es bei allen von dir hinterfragten Varianten nur darum geht ob Weiß nicht Remis erzielen konnte. Ich denke Burn glaubte hier noch immer an einen möglichen Sieg und verzichtete daher auf diese Remis-Varianten.
Eigentlich untypisch, da Burn gemeinhin als Verteidigungsspezialist galt.
pirc_ - 27. Sep '18
Habe übrigens nun in der Datenbank geschaut:

Tarrasch hatte die selbe Stellung bis Zug 10 dort noch 2 mal:
1920 gegen Bogoljubow der mit 10. b3 fortsetzte und Tarrasch verlor
1922 gegen Reti der mit 10. Sa4 fortsetzte und Tarrasch verlor

Dies soll aber jetzt nicht heißen, dass ich wie Reti spiele, war wohl eher ein lichter Glücksmoment meinerseits :-))
Aber an einen Sieg kann Weiss durchaus glauben....
In der Variante mit 10. Sa4 gibt's 16 Partien mit 82% Weiss-Siegen.
Und machen wir uns nichts vor...Tarrasch hätte gegen jeden von uns gewonnen ;-)
Kellerdrache - 27. Sep '18
Ja, diejenigen, die ihn nur als dogmatischen Oberlehrer der alten Schachschule kennen (also sozusagen aus Nimzowitschs Brille betrachtet) vergessen was für ein einfallreicher und taktisch brillanter Spieler er zu seinen besten Zeiten war.

Ich will hier gar nicht Werbung für die Tarrasch-Variante oder Isolanis im allgemeinen machen sondern mit dieser Partie nur darauf hinweisen, dass sich diese Stellungen nur gewinnen lassen wenn man den Bauern an die Kette legt. Sonst verflacht es ins Remis oder man verliert gar (wie hier)
Oli1970 - 27. Sep '18
Gestern konnte ich diese Partie nur kurz überfliegen, aber ich war mir schon sicher, dass das Nachspielen spannend sein würde. Da stecken einige schöne Finessen drin.

Die Partie gefällt mir vor allen Dingen, weil sie einen Hauch von Kaffeehaus-Schach hat. Gerade anfangs sieht das Spiel klar und solide aus; Züge, die ein Amateur auch finden könnte. Trotzdem entwickelt sich schnell ein hitziger, kleiner Kampf und nach einem Dutzend Zügen ist schon viel Platz auf dem Brett - und ein aufmüpfiger Bauer schon bis d4 vorgerückt. Vielleicht haben sich die Richtigen zum Spiel gefunden; wie man sich informieren kann, haben beide ihre Stile nach Steinitz Lehren orientiert und beide Recken hatten 1912 ihren Zenit schon überschritten.

Burn ist es nicht gelungen - und hat es vielleicht auch nicht ehrgeizig genug versucht - den Hansdampf zu blockieren, setzt aber durchaus auf den Abtausch der Leichtfiguren. Dr. Tarrasch lässt das nicht zu und verwandelt eine potentielle Schwäche in eine Stärke. Pirc_s Variante 10. Sa4 ist ohne Zweifel die solidere. Burns Zug sieht nicht schlecht aus, das Spiel kippt aber sehr schnell, so dass eine alternative Behandlung zu empfehlen ist. Interessant ist auch die Datenbankrecherche - man sollte jedoch bedenken, dass Tarrasch in den Jahren im Gegensatz zu seinen Gegnern nicht mehr zu den ganz großen gehörte, wenn ich das richtig zusammengebracht habe. Außerdem war ich deutlich zu faul, um die Spiele jetzt auch noch auf Fehlerhaftigkeit zu prüfen. ;-) Wäre schön, hier öfters mal was von Dir zu lesen, pirc_!

So souverän, wie Tarrasch mit seinem Isolani umgeht, würde mich doch der Gedankengang hinter seiner Rochade interessieren. Die Königssicherheit sieht wahrlich nicht allzu groß aus; kann der einzige Antrieb wirklich gewesen sein, Turm auf d8 und gleichzeitig König raus aus der Mitte? Zwei Züge zum Preis von einen, auch wenn es etwas waghalsig aussieht?

Auch der 16. Zug und die Antwort darauf ist interessant. Der Rechner sagt, dass Burn damit seinen Vorteil wegwirft und Tarrasch findet die richtige Antwort. Tarraschs Zug lässt sich mit etwas Nachdenken damit erklären, dass e2 schlecht schlagen kann. Für mein Auge - der Rechner sieht das natürlich anders - hätte The8 gut ausgesehen, dann wäre aber b4-b5 mit den von Kellerdrache geschilderten Folgen eingetreten. Burns Gedankengang ist also durchaus nachvollziehbar. Nur, wie lautet - ohne wieder den Rechner zu fragen - der "richtige" Zug und wie begründet man ihn? Sd3 via Se1 könnte man überlegen, hätte aber auch den leichten weißen Vorteil weggeworfen. 16. Sxd4 führt zum sofortigen Verlust des Lg2, den man umgehen könnte, indem man zunächst 16. Lh3+ Kb8 einschiebt. Sofortiges 16. Sxd4 Lxg2 bringt Schwarz Richtung Siegerstraße, vermutlich hat Burn das deshalb nicht in Erwägung gezogen.

Im 17. Zug geht es für den armen Burn gleich weiter. Auch ich bin der von Vabanque aufgeworfenen Frage nachgegangen und drauf gestoßen, dass weder exd3 noch e3 gut gewesen wären. Der gewählte Zug war das kleinste Übel. Fraglich ist, ob Burn gut daran tat, den zunächst gefassten Plan b4-b5 zu verwerfen. Der heimliche Star des Spiel wäre natürlich mit dxe2 weiter vorgerückt. Oft ist es keine gute Idee, das eigene Vorhaben völlig dem Verhalten des Gegners unterzuordnen. Burn ist längst in die Rolle des Verteidigers gedrängt worden, das Spiel bestimmt nun Tarrasch.

Nach Burns 25. Zug wäre wohl noch ein Damengewinn oder ein schnelleres Ende zugungsten von Tarrasch dringewesen - 25... Tc8 als Sargnagel.

In die Dauerschach-Variante wäre ich voll reingerannt. Auf diese Lösung muss man erstmal kommen. Gut rausgestellt! Bis zur Aufgabe dauert es ja noch einige Züge, trotz des Drucks ist es doch schwer, das gallische Dorf zu stürmen.

Die Frage, welcher Turm (15. Zug) richtigerweise zu ziehen ist, stelle ich mir übrigens auch des öfteren. Die Antwort darauf finde ich zumeist im Nachgang. Ich glaube, auch hier kann man sie nicht eindeutig beantworten. Zumindest hätte ich ein schlechtes Gefühl gehabt, so früh schon zwei unbewachte Bauern stehen zu lassen.

Eine tolle, immer wieder kampfbetonte Partie, die mir wieder einen netten schachlichen Abend beschert hat. Es machte Laune, den Varianten zu folgen und eigene (wenn auch zumeist rechnergestützt) zu finden. Manch eine Verstrickung ging dann doch zu tief, um sie allein mit dem (meinen :-) ) Kopf aufzulösen. Dankeschön!
Vabanque - 28. Sep '18
>>(pirc schrieb:)

1922 gegen Reti der mit 10. Sa4 fortsetzte und Tarrasch verlor

Dies soll aber jetzt nicht heißen, dass ich wie Reti spiele, war wohl eher ein lichter Glücksmoment meinerseits :-))
Aber an einen Sieg kann Weiss durchaus glauben....
In der Variante mit 10. Sa4 gibt's 16 Partien mit 82% Weiss-Siegen.
Und machen wir uns nichts vor...Tarrasch hätte gegen jeden von uns gewonnen ;-)<<

Sogar wenn wir das 'gewinnträchtige' 10. Sa4 gewählt hätten, hätte er gegen uns noch gewonnen :-)
Es ist ja nicht so, dass Weiß nach Sa4 auf Gewinn stünde; er kann danach halt den Isolani blockieren und steht damit - wenn Schwarz keine Kompensation in freiem Figurenspiel erreicht - dann wohl besser. Daraus muss man aber erstmal etwas machen. Groß scheint mir der weiße Vorteil nicht, daher überraschen mich die 82% schon ziemlich. Allerdings sind die ja bei 16 Partien noch nicht so aussagekräftig. Gäbe es 100 Partien mit dieser Variante und 82% Quote für Weiß, sähe das schon anders aus.
Kellerdrache - 28. Sep '18
Schade das es keine Statistik gibt wie die Erfolgs- (oder Mißerfolgs-) Quote bei Isolanistellungen ist.

Die Nachteile des Isolanis sind relativ bekannt:

1.der Isolani ist schwach, da er nicht von anderen Bauern gedeckt werden kann
2. Das Feld vor dem Isolani ist schwach, da es nicht von Nachbarbauern kontrolliert werden kann.
3. der Bauer bindet wertvolle Figuren an sich, zur Deckung oder zur Vorbereitung eines Vorgehens

Der Hauptvorteil der meisten Varianten mit Isolanis ist, dass weniger Bauern der Figurenentwicklung im Wege stehen. Das ist auch ein Grund dafür, dass z.B. Kasparov die Tarrasch-Variante in einigen Turnierpartien ausprobierte. Es ist auch interessant, dass viele GMs auf die Schaffung des vereinzelten Bauern verzichten
Oli1970 - 28. Sep '18
Die vorliegende Partie zeigt uns die Ausnahme von der Regel. Hier ist der Isolani stark, er schafft Raum für Schwarz, z. B. der 17. Zug zeigt, dass er nicht ohne erheblichen Nachteil geschlagen werden kann und plötzlich ist das schmächtige Kerlchen ein mächtiger Freibauer. Dadurch, dass A. Burn den Isolani nicht energisch genug anging, ist er genaugenommen nie schwach gewesen. Schöne Zusammenfassung der Schwächen übrigens!
Während der Partie fiel mir noch auf, dass die offene c-Linie kein gesteigertes Interesse fand und auch die halboffene, dann auch offene e-Linie wurde erst spät besetzt. Eigentlich sollten offene Linien doch begehrt sein. Naja, Herr Burn hatte da schon andere Baustellen.
Vabanque - 28. Sep '18
>>Dadurch, dass A. Burn den Isolani nicht energisch genug anging, ist er genaugenommen nie schwach gewesen.<<

Genau deswegen schrieb Nimzowitsch einige Jahre später, dass der Bauer SOFORT blockiert werden müsste :-)
Vabanque - 28. Sep '18
>>(Kellerdrache schrieb:) Der Hauptvorteil der meisten Varianten mit Isolanis ist, dass weniger Bauern der Figurenentwicklung im Wege stehen. Das ist auch ein Grund dafür, dass z.B. Kasparov die Tarrasch-Variante in einigen Turnierpartien ausprobierte.<<

Und vor ihm auch schon Spassky, wenn meine Erinnerung mich nicht täuscht! Man müsste mal eine Liste der herausragenden Spieler aufstellen, die die Tarrasch-Verteidigung spielten. Es dürften sämtlich solche gewesen sein, die freies Figurenspiel höher einschätzten als Bauernschwächen. In der Tarrasch-Verteidigung wird ein statischer Nachteil (der Isolani) durch einen dynamischen Vorteil (freies Figurenspiel) kompensiert. Das Dumme dabei ist nur, dass sich dynamische Vorteile leicht verflüchtigen können, wenn man nicht im entscheidenden Moment den richtigen Zug spielt. Dieser Moment, einmal verpasst, kommt nicht mehr zurück. Statische Nachteile dagegen bleiben einem 'erhalten', da kommt es höchstens auf den richtigen Moment an, sie loszuwerden (d.h. in diesem Fall den Isolani tauschen zu können).
Vabanque - 28. Sep '18
>>(Oli1970 schrieb:) 16. Sxd4 führt zum sofortigen Verlust des Lg2, den man umgehen könnte, indem man zunächst 16. Lh3+ Kb8 einschiebt. Sofortiges 16. Sxd4 Lxg2 bringt Schwarz Richtung Siegerstraße, vermutlich hat Burn das deshalb nicht in Erwägung gezogen. <<

Irgendwie war mir das entgangen, vor allem wohl, weil mir Kellerdraches Kommentar auf 16. Sxd4 zunächst schwarzes Sxd4 suggerierte (statt sofort auf g2 zu nehmen), vermutlich weil er genauso wie ich in der Illusion gefangen war, auf 16. Sxd4 Lxg2 ginge der 'Zwischenzug' Sxc6. Nur kann Schwarz halt blöderweise mit dem Lg2 auf c6 zurückschlagen und verbleibt zunächst mit einer Mehrfigur, wenn nicht darauf Dxa7 dem schwarzen König gefährlich werden kann.
Interessant, dass du der Suggestion der angegebenen Variante nicht erlegen bist, und den vermutlichen Fehler in der Variante aufgedeckt hast.

>>So souverän, wie Tarrasch mit seinem Isolani umgeht, würde mich doch der Gedankengang hinter seiner Rochade interessieren. Die Königssicherheit sieht wahrlich nicht allzu groß aus; kann der einzige Antrieb wirklich gewesen sein, Turm auf d8 und gleichzeitig König raus aus der Mitte? Zwei Züge zum Preis von einen, auch wenn es etwas waghalsig aussieht? <<

Tarrasch war ein großer Freund von Tempovorteilen, daher war die von dir gegebene Erklärung vermutlich die plausible.
Die Kunst besteht halt hier wie so oft darin zu erkennen, ob das, was gefährlich aussieht (und das tut die große Rochade hier natürlich vor allem wegen der offenen c-Linie und des potentiell immer mal wieder hängenden Bauern a7) in Wirklichkeit auch gefährlich ist . Offenbar kann Burn die offene c-Linie ja nie wirklich nutzen und kommt auch nie zu Dxa7. Tarrasch hat halt zwei Sachen durchrechnen müssen, bevor er 0-0-0 zog: erstens dass Sxd4 darauf nicht gefährlich ist, und zweitens, dass der Zug, den Burn spielte, nämlich b4 (und der so logisch scheint, um die lange Rochade sofort als 'fragwürdig' nachzuweisen), auch nicht geht wegen der eleganten Antwort d3!
Oli1970 - 28. Sep '18
Wenn man auf chessgames.com nachschlägt, findet man heraus, dass schon Howard Staunton als herausragender Spieler seiner Zeit im Jahre 1843 die Tarrasch-Variante spielte.
Daraus kann man schließen, dass er gut mit H. G. Wells bekannt war, der ihm die Benutzung seiner Zeitmaschine gestattete, um sich Jahre später von Tarrasch (*1862) dessen Variante erklären zu lassen. Was wiederum beweist, dass die Zeitmaschine funktionierte; Wells wurde schließlich später als Tarrasch geboren und wir wissen, dass die Zeitmaschine erstmals 1895 der Öffentlichkeit bekannt gemacht wurde. So, der Anfang zur Liste ist gemacht. ;-)
Oli1970 - 28. Sep '18
Naja, an der Variantenfindung hatte ein Zauberer nicht kleinen Anteil. Der 16. Zug ist die Schlüsselposition in der Partie, da habe ich mich richtig dran verbissen. Irgendwie wollte ich nicht einsehen, dass eine augenscheinlich nicht so üble Stellung so schnell den Bach runter geht. Dass das alles ein Folgefehler aus 10. Lg5 sein sollte ... mit pirc_s Hinweisen im Hinterkopf ...
Im Hinblick auf die Rochade wäre es interessant zu wissen, wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn Burn an b4-b5 festgehalten hätte. Leider hat er sich ja Tarrasch schnell unterordnen müssen, nachdem er stattdessen auf e4 gesetzt hat.
Vabanque - 28. Sep '18
Ich nehme doch an, Burn hat 17. b5 wegen des einfachen dxe2 verworfen? Oder gibt's in dieser Variante auch noch Winkelzüge, die nur der Zauberer enthüllen kann?
crysi40 - 28. Sep '18
@Oli1970
@Vabanque
ich muss schon länger 2 mal hinschauen wer von euch beiden hier schreibt ..fast zeitgleich und manche Übergänge sind schon identisch ..
Aber ansonsten super erklärt von beiden...macht weiter so!!!!
Oli1970 - 29. Sep '18
@Vabanque:
Kann schon sein, aber wie ginge es weiter? 17. b5 dxe2 18. Tdc1 öffnet wieder den Weg zum Remis. Der Bauer ist sicher gefährlich, aber nicht durch. Der Zauberer schlägt übrigens schon 17. Tdc1 dxe2 18. b5 vor, also auch nur eine Zugumstellung. Weiter dann 18... Lxf3 19. bxc6 Lxg2 20. cxb7+ Kb8 21. Kxg2 und die Leichtfiguren sind verschwunden. Damit gibt es auch wieder eine gute Chance, den Bauern aufs Korn zu nehmen. Die Variante sieht gar nicht so abstrakt aus - hätte Burn sich nicht ablenken lassen, wer weiß?

@crysi40: Danke.
Vabanque - 29. Sep '18
Dass die Gegendrohung gegen c6 tatsächlich stark genug ist, um alle schwarzen Angriffe (zuerst gegen e2 und damit dann gegen f3 und den Td1) zu kompensieren, überrascht mich. Obwohl es hinterher gut nachvollziehbar ist.

Ich denke, hier ist Burn dem psychologischen Moment erlegen. Er hatte d3 vermutlich übersehen, und auf einmal hing bei ihm gefühlt alles. Auf 17. b5 sieht dxe2 optisch so stark aus, dass er gar nicht weiter gerechnet hat. Jeder weiß, wie man am Brett reagiert, wenn der Gegner gerade einen unerwarteten Zug gemacht hat. Man ist dann aus dem Konzept gebracht und sieht überall Drohungen. Schwarz hat ja hier auch tatsächlich starke Drohungen. Weiß hätte sie halt noch haarscharf kompensieren können. Die Frage ist halt nur, wie viele menschliche Spieler es hier in dieser konkreten Situation am Brett gesehen hätten.
Oli1970 - 29. Sep '18
Ja, voll und ganz! Ich habe von Silman etwas dazu gelesen, dass ich mir in solchen Situationen in Erinnerung rufe (oder es versuche, wenn die Panik noch nicht groß genug ist). Prüfen, ob die Gefahr tatsächlich besteht, sich nicht sofort das Spiel des Gegners aufzwingen lassen sondern prüfen, ob der eigene Plan nicht trotzdem durchsetzbar ist.

Klingt gut, aber oft scheitert die Theorie an der Praxis. Letztens habe ich gegen meinen Schwager gespielt und war gezwungen, gegen einen Angriff zu verteidigen. Der Angriffszug hat mich völlig überrascht, mit der Möglichkeit hatte ich nicht im Entferntesten gerechnet, und konsequent habe ich zweimal hintereinander die schlechteste Antwort gewählt. Wie das ausgegangen ist, ist klar. (Da sitzt man gemütlich beim Essen und einem Bierchen, und der Kerl schießt aus dem Hinterhalt. Was das über seinen Charakter aussagt, ist auch klar. ;-) )
Vabanque - 29. Sep '18
>>Klingt gut, aber oft scheitert die Theorie an der Praxis. Letztens habe ich gegen meinen Schwager gespielt und war gezwungen, gegen einen Angriff zu verteidigen. Der Angriffszug hat mich völlig überrascht, mit der Möglichkeit hatte ich nicht im Entferntesten gerechnet, und konsequent habe ich zweimal hintereinander die schlechteste Antwort gewählt.<<

So in der Art meinte ich das. Ganz typisch.