Kommentierte Spiele

Große Partien ... (VIII): Kramnik - Leko 2004

Vabanque - 01. Jan '14
Diese Partie hätte den Weltmeistertitel im Jahre 2004 fast nach Ungarn gebracht. Der damals 24-jährige Peter Leko ging damit im WM-Match gegen Kramnik in Führung und
hatte gute Chancen, der erste ungarische Weltmeister der Schachgeschichte zu werden. Erst in der allerletzten Partie des Matchs konnte Kramnik den Punktestand ausgleichen und damit den Weltmeistertitel behalten (nach damaliger Regelung gab es noch kein Tie-Break im Schnellschach- bzw. Blitzschachmodus; bei Gleichstand behielt der Weltmeister den Titel, genau wie im Jahre 1951 im Match Botvinnik gegen Bronstein).
Bemerkenswert an dieser Partie ist nicht nur, dass es sich um einen Schwarzsieg handelt (Schwarzsiege sind in WM-Matchs eine Rarität), sondern vor allem, dass wir hier einen Fall von misslungener Eröffnungsvorbereitung vor uns haben. Normalerweise gewinnt (zumindest auf diesem Niveau) der Spieler, der den Gegner in eine vorbereitete
Variante locken kann, die Partie. Hier ist es umgekehrt. Kramnik hatte mit seinem Sekundantenteam die Variante bis zum 25. Zug von Weiß vorbereitet, in der Meinung,
dass die entstandene Stellung für Weiß günstig sei. Leko, der die Eröffnung nur bis zum 18. Zug kannte, und daher für alle folgenden Züge viel Bedenkzeit verbrauchte,
widerlegte jedoch Kramniks Vorbereitung am Brett! Interessant ist, dass auch Engines die weiße Stellung lange Zeit für günstig halten, und selbst bei einer Rechentiefe
von über 20 Halbzügen immer noch den 23. bis 25. Zug von Kramnik so spielen würden. In 2004 hätte Kramnik wahrscheinlich seinen Computer über Nacht rechnen lassen müssen, um festzustellen, dass seine Vorbereitung fehlerhaft war!

Vladimir Kramnik Peter Leko Classical World Chess Championship | Brissago SUI | 8 | 2004.01.09 | C89 | 0:1
8
7
6
5
4
3
2
a
1
b
c
d
e
f
g
h
1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. La4 Sf6 5. O-O Le7 6. Te1 b5 7. Lb3 O-O 8. c3 d5 Das gefährliche Marshall-Gambit, das fast 100 Jahre nach der Einführung in die Turnierpraxis immer noch aktuell ist und auch auf höchster Ebene noch gespielt wird, wie man hier sieht. 9. xd5 Sxd5 10. Sxe5 Sxe5 11. Txe5 c6 Dieses Tempo zur Deckung des Sd5 muss Schwarz allerdings verlieren, bevor er mit Ld6 und Dh4 zum Angriff übergehen kann. Möglich ist zu diesem Zweck auch Sf6, aber mit dem Textzug hat man in der Praxis bessere Erfahrungen gemacht. 12. d4 Ld6 13. Te1 Dh4 14. g3 Anders ist h2 nicht zu decken; auf h3 könnte bereits das Opfer Lxh3! erfolgen. Dh3 15. Te4 Weiß möchte mit Th4 die lästige schwarze Dame vertreiben. g5 Schwarz verhindert Th4; der Bauer g5 ist nicht zu nehmen, weil nach Lxg5 der Doppelangriff Df5 folgen würde. 16. Df1 Dh5 17. Sd2 Lf5 18. f3! Weiß kann hier risikolos die Qualität opfern, weil er nach Lxe4 fxe4 ein starkes Bauernzentrum bekäme, unter dessen Schutz er problemlos die Entwicklung vervollständigen könnte. Wenn Schwarz die Initiative behalten will, darf er nicht auf e4 zugreifen. Sf6 Im folgenden Zug will Schwarz dann Dg6 spielen und den Turmrückzug damit erzwingen. 19. Te1 Er kommt zuvor. Lächerlich wäre übrigens 19. g4??? Dxh2 matt. Tae8 20. Txe8 Sieht wie eine Aufgabe der e-Linie aus, aber Schwarz könnte das jederzeit durch Tausch auf e1 und anschließendes Tfe8 auch erreichen. Txe8 21. a4 Für Weiß die einzige Chance auf Gegenspiel, allerdings eine ziemlich gute. Auf der geöffneten a-Linie kann der weiße Turm nach a7 eindringen und damit im Verein mit dem Lb3 bei Schwarz den Punkt f7 bedrohen. Dg6 Schwarz plant Ld3, um ggf. mit dem Turm auf e2 eindringen zu können. 22. xb5 Spannt den Bogen bis zum Äußersten, ist aber noch nicht der Verlustzug. Später wurde das Bauern-Rückopfer Se4 vorgeschlagen, welches das Eindringen auf der e-Linie verhindert und bei Annahme die f-Linie für die weiße Dame gegen f7 öffnet, z.B. 22. Se4 Sxe4 23. fxe4 Lxe4 24. Lxg5! oder 22. ... Lxe4 23. fxe4 Sxe4 24. axb5 axb5 25. Ta7, und in beiden Fällen hätte Weiß die Initiative zurückerobert und Schwarz müsste sehr genau spielen, um sich zu halten. Ld3 23. Df2 Weiß ist bereit, die Dame zu geben, da er sich mit seinem entstehenden Freibauern auf der a-Linie entscheidenden Vorteil erhofft. Nach 23. Dd1! Le2 24. Dc2 (oder De1) Ld3 könnte ein Remis durch Zugwiederholung entstehen. Darauf hätte sich Weiß hier wohl einlassen müssen. Te2 24. Dxe2 Kramnik hatte bisher alle Züge sehr schnell ausgeführt; er folgte seiner (wie man gleich sehen wird, zu oberflächlichen!) Eröffnungsvorbereitung. Leko dagegen hatte an bisher schon sehr viel Zeit verbraucht, so dass er bis zum 40. Zug an dieser Stelle nur noch 8 Minuten zur Verfügung hatte. Hinterher meinte man, es sei besser gewesen, die Dame passiv einstehen zu lassen und gleich 24. bxa6 zu spielen, weil der König nach Txf2 25. Kxf2 Dh5 mit 26. Ke3 ins Zentrum entkommen könnte. Aber Computeranalysen haben den Beweis erbracht, dass Weiß auch dann verloren wäre. Lxe2 25. xa6 Jetzt sieht es so aus, wie wenn Schwarz noch einen Läufer für den a-Bauern geben müsste und Weiß dann mit einem leichten Materialvorteil (T+L+2B für die Dame) und dem Gegenspiel auf der a-Linie und gegen f7 günstige Aussichten hätte. Dieser Einschätzung gab sich Kramnik bei seiner Vorbereitung und bis zu diesem Punkt während der Partie auch hin. Dd3! Der Schlüsselzug, den Kramnik nicht genügend berücksichtigt hatte, und den Leko am Brett fand. Diese Leistung vermag man vielleicht besser zu würdigen, wenn man weiß, dass z.B. GM Rainer Knaak, der die Partie live mitkommentierte, zunächst Dd3 als groben Fehler einschätzte, einige Minuten später behauptete, Schwarz könne Remis halten, um irgendwann plötzlich zu der Erkenntnis zu gelangen, dass Schwarz gewinnt! 26. Kf2 Jetzt merkt Kramnik, was los ist! Er kann seinen Bauern nicht vorziehen, weil er forciert mattgesetzt wird: 26. a7 De3+ 27. Kg2 (Kh1 Lxf3+ ist einfacher) Lxf3+! 28. Nxf3 Qe2+ 29. Kg1 (Kh3 Df1# ergäbe ein lustiges Matt, während auf Kh1 Dxf3+ Kg1 Sg4 Weiß vor einem undeckbaren Matt steht) Sg4! (auch jetzt geht das, ohne dass der Springer f3 geschlagen wird; die Schönheit des stillen Zuges liegt darin, dass Schwarz den weißen Bauern mit Schach zur Dame gehen lassen kann und Weiß trotzdem hilflos gegen die Mattdrohungen ist!) 30. a8=D+ Kg7 31. Dxc6 (um f3 zu decken) Df2+ 32. Kh1 Df1+ 33. Sg1 Sf2#. Daher versucht Weiß mit dem Textzug, das tödliche Damenschach auf e3 zu verhindern. Aber dieser Versuch kann nicht gutgehen, alle schwarzen Figuren zielen auf den weißen Königsflügel, während dieser nur notdürftig von Bauern verteidigt wird. Wäre der Bauer f3 nicht da, könnte der schwarze Springer sofort eingreifen. Also: Lxf3! 27. Sxf3 Weiß muss annehmen, da sowohl De2+ nebst Dg2# also auch Sg4+ nebst De3+ drohen. Se4+ 28. Ke1 Hier kann der König gerade noch hin. Nach 28. Kg1 Dxf3 29. Ld2 (um die Grundreihe zu decken und damit ein Matt in 2 Zügen durch Df2+ und Df1# zu verhindern) Df2+ 30. Kh1 Lxg3! bzw. 28. Kg2 De2+ 29. Kh3 (sonst gibt es ein Matt wie im Schluss der zum 26. Zug angegebenen Variante) Dxf3 mit der Drohung Sf2# wird Weiß jeweils in wenigen Zügen mattgesetzt. Auf den Textzug (Ke1) würde Dxf3 nicht durchdringen. Wie kommt Schwarz weiter? Stünde der c-Bauer nicht auf dem Brett, könnte Schwarz mit Lb4+ die Partie beenden. Also: Sxc3! Die Tragik von Weiß liegt darin, dass er dieses Scheinopfer annehmen muss, denn es droht De2# und die Flucht auf die andere Seite, nach f2, hilft nicht mehr wegen Se4+, wonach der weiße König nicht nach e1 zurück kann, weil der c-Bauer jetzt nicht mehr an Ort und Stelle ist, um dem schwarzen Läufer den Zutritt nach b4 zu gewähren. 29. xc3 Dxc3+ 30. Kf2 Dxa1 Schwarz hat Material erobert und hält den weißen Freibauern zuverlässig auf. Auf einmal ist alles aus. Auch die schwarze Zeitnot spielt keine Rolle mehr. Den Rest könnte Leko selbst gegen einen Kramnik in Sekundenschnelle herunterblitzen. 31. a7 Da auch der Lc1 angegriffen ist, kann Weiß den Bauern a6 nicht einmal decken. Etwas besser war zwar jetzt Lxg5 Dxa6, aber der Weiße hat im Prinzip eine Figur zu wenig, wird also immer verlieren. h6 Jetzt gibt ihm Leko nicht einmal mehr diese Möglichkeit. 32. h4 g4 Weiß gab auf. Als vorbildlicher Sportsmann sagte Kramnik nach der Partie: 'Eine schöne Partie, die in der Schachgeschichte in Erinnerung bleiben wird.' In der Tat.
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[Event "Classical World Chess Championship"]
[Site "Brissago SUI"]
[Date "2004.01.09"]
[EventDate "?"]
[Round "8"]
[Result "0-1"]
[White "Vladimir Kramnik"]
[Black "Peter Leko"]
[ECO "C89"]

1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 a6 4. Ba4 Nf6 5. O-O
Be7 6. Re1 b5 7. Bb3 O-O 8. c3 d5 {Das gefährliche Marshall-Gambit, das fast 100 Jahre nach der Einführung in die Turnierpraxis immer noch aktuell ist und auch auf
höchster Ebene noch gespielt wird, wie man hier sieht.} 9. exd5 Nxd5 10. Nxe5 Nxe5 11. Rxe5 c6 {Dieses Tempo zur Deckung des Sd5 muss Schwarz allerdings verlieren,
bevor er mit Ld6 und Dh4 zum Angriff übergehen kann. Möglich ist zu diesem Zweck auch Sf6, aber mit dem Textzug hat man in der Praxis bessere Erfahrungen gemacht.} 12. d4
Bd6 13. Re1 Qh4 14. g3 {Anders ist h2 nicht zu decken; auf h3 könnte bereits das Opfer Lxh3! erfolgen.} Qh3 15. Re4 {Weiß möchte mit Th4 die lästige schwarze Dame

vertreiben.} g5 {Schwarz verhindert Th4; der Bauer g5 ist nicht zu nehmen, weil nach Lxg5 der Doppelangriff Df5 folgen würde.} 16. Qf1 Qh5 17. Nd2 Bf5 18. f3! {Weiß

kann hier risikolos die Qualität opfern, weil er nach Lxe4 fxe4 ein starkes Bauernzentrum bekäme, unter dessen Schutz er problemlos die Entwicklung vervollständigen

könnte. Wenn Schwarz die Initiative behalten will, darf er nicht auf e4 zugreifen.} Nf6 {Im folgenden Zug will Schwarz dann Dg6 spielen und den Turmrückzug damit

erzwingen.} 19. Re1 {Er kommt zuvor. Lächerlich wäre übrigens 19. g4??? Dxh2 matt.} Rae8 20. Rxe8 {Sieht wie eine Aufgabe der e-Linie aus, aber Schwarz könnte das

jederzeit durch Tausch auf e1 und anschließendes Tfe8 auch erreichen.} Rxe8 21. a4 {Für Weiß die einzige Chance auf Gegenspiel, allerdings eine ziemlich gute. Auf der geöffneten a-Linie kann der weiße Turm nach a7 eindringen und damit im Verein mit dem Lb3 bei Schwarz den Punkt f7 bedrohen.} Qg6 {Schwarz plant Ld3, um ggf. mit

dem Turm auf e2 eindringen zu können.} 22. axb5
{Spannt den Bogen bis zum Äußersten, ist aber noch nicht der Verlustzug. Später wurde das Bauern-Rückopfer Se4 vorgeschlagen, welches das Eindringen auf der e-Linie

verhindert und bei Annahme die f-Linie für die weiße Dame gegen f7 öffnet, z.B. 22. Se4 Sxe4 23. fxe4 Lxe4 24. Lxg5! oder 22. ... Lxe4 23. fxe4 Sxe4 24. axb5 axb5 25.

Ta7, und in beiden Fällen hätte Weiß die Initiative zurückerobert und Schwarz müsste sehr genau spielen, um sich zu halten.} 22... Bd3 23. Qf2 {Weiß ist bereit, die

Dame zu geben, da er sich mit seinem entstehenden Freibauern auf der a-Linie entscheidenden Vorteil erhofft. Nach 23. Dd1! Le2 24. Dc2 (oder De1) Ld3 könnte ein Remis

durch Zugwiederholung entstehen. Darauf hätte sich Weiß hier wohl einlassen müssen.} 23... Re2 24. Qxe2 {Kramnik hatte bisher alle Züge sehr schnell ausgeführt; er

folgte seiner (wie man gleich sehen wird, zu oberflächlichen!) Eröffnungsvorbereitung. Leko dagegen hatte an bisher schon sehr viel Zeit verbraucht, so dass er bis zum

40. Zug an dieser Stelle nur noch 8 Minuten zur Verfügung hatte. Hinterher meinte man, es sei besser gewesen, die Dame passiv einstehen zu lassen und gleich 24. bxa6

zu spielen, weil der König nach Txf2 25. Kxf2 Dh5 mit 26. Ke3 ins Zentrum entkommen könnte. Aber Computeranalysen haben den Beweis erbracht, dass Weiß auch dann

verloren wäre.} 24... Bxe2 25. bxa6 {Jetzt sieht es so aus, wie wenn Schwarz noch einen Läufer für den a-Bauern geben müsste und Weiß dann mit einem leichten

Materialvorteil (T+L+2B für die Dame) und dem Gegenspiel auf der a-Linie und gegen f7 günstige Aussichten hätte. Dieser Einschätzung gab sich Kramnik bei seiner

Vorbereitung und bis zu diesem Punkt während der Partie auch hin.} Qd3! {Der Schlüsselzug, den Kramnik nicht genügend berücksichtigt hatte, und den Leko am Brett fand.

Diese Leistung vermag man vielleicht besser zu würdigen, wenn man weiß, dass z.B. GM Rainer Knaak, der die Partie live mitkommentierte, zunächst Dd3 als groben Fehler

einschätzte, einige Minuten später behauptete, Schwarz könne Remis halten, um irgendwann plötzlich zu der Erkenntnis zu gelangen, dass Schwarz gewinnt! }
26. Kf2 {Jetzt merkt Kramnik, was los ist! Er kann seinen Bauern nicht vorziehen, weil er forciert mattgesetzt wird: 26. a7 De3+ 27. Kg2 (Kh1 Lxf3+ ist einfacher)

Lxf3+! 28. Nxf3 Qe2+ 29. Kg1 (Kh3 Df1# ergäbe ein lustiges Matt, während auf Kh1 Dxf3+ Kg1 Sg4 Weiß vor einem undeckbaren Matt steht) Sg4! (auch jetzt geht das, ohne

dass der Springer f3 geschlagen wird; die Schönheit des stillen Zuges liegt darin, dass Schwarz den weißen Bauern mit Schach zur Dame gehen lassen kann und Weiß trotzdem hilflos gegen die Mattdrohungen ist!) 30. a8=D+ Kg7 31.
Dxc6 (um f3 zu decken) Df2+ 32. Kh1 Df1+ 33. Sg1 Sf2#. Daher versucht Weiß mit dem Textzug, das tödliche Damenschach auf e3 zu verhindern. Aber dieser Versuch kann

nicht gutgehen, alle schwarzen Figuren zielen auf den weißen Königsflügel, während dieser nur notdürftig von Bauern verteidigt wird. Wäre der Bauer f3 nicht da, könnte

der schwarze Springer sofort eingreifen. Also:}
26... Bxf3! 27. Nxf3 {Weiß muss annehmen, da sowohl De2+ nebst Dg2# also auch Sg4+ nebst De3+ drohen.} Ne4+ 28. Ke1 {Hier kann der König gerade noch hin. Nach 28. Kg1

Dxf3 29. Ld2 (um die Grundreihe zu decken und damit ein Matt in 2 Zügen durch Df2+ und Df1# zu verhindern) Df2+ 30. Kh1 Lxg3! bzw. 28. Kg2 De2+ 29. Kh3 (sonst gibt es

ein Matt wie im Schluss der zum 26. Zug angegebenen Variante) Dxf3 mit der Drohung Sf2# wird Weiß jeweils in wenigen Zügen mattgesetzt. Auf den Textzug (Ke1) würde

Dxf3 nicht durchdringen. Wie kommt Schwarz weiter? Stünde der c-Bauer nicht auf dem Brett, könnte Schwarz mit Lb4+ die Partie beenden. Also:} Nxc3! {Die Tragik von

Weiß liegt darin, dass er dieses Scheinopfer annehmen muss, denn es droht De2# und die Flucht auf die andere Seite, nach f2, hilft nicht mehr wegen Se4+, wonach der

weiße König nicht nach e1 zurück kann, weil der c-Bauer jetzt nicht mehr an Ort und Stelle ist, um dem schwarzen Läufer den Zutritt nach b4 zu gewähren.} 29. bxc3
Qxc3+ 30. Kf2 Qxa1 {Schwarz hat Material erobert und hält den weißen Freibauern zuverlässig auf. Auf einmal ist alles aus. Auch die schwarze Zeitnot spielt keine Rolle mehr.

Den Rest könnte Leko selbst gegen einen Kramnik in Sekundenschnelle herunterblitzen.} 31. a7 {Da auch der Lc1 angegriffen ist, kann Weiß den Bauern a6 nicht einmal

decken. Etwas besser war zwar jetzt Lxg5 Dxa6, aber der Weiße hat im Prinzip eine Figur zu wenig, wird also immer verlieren.} 31... h6 {Jetzt gibt ihm Leko nicht

einmal mehr diese Möglichkeit.}
32. h4 g4 {Weiß gab auf. Als vorbildlicher Sportsmann sagte Kramnik nach der Partie: 'Eine schöne Partie, die in der Schachgeschichte in Erinnerung bleiben wird.' In

der Tat.} 0-1

Vabanque - 01. Jan '14
In der Überschrift ist der Tippfehlerteufel natürlich besonders peinlich ...
cutter - 02. Jan '14
Das hab ich damals aus der Zeitung mitbekommen. Eine tolle Leistung von Leko. Sowas würde unsereins nicht mal mit Analysebrett finden und zum Glück wohl auch noch nicht mit einer Engine ;-)
Danke für deine Beiträge!
Vabanque - 02. Jan '14
Tja, über solche Partien kann man wirklich nur (demütig) staunen!

Kann man aus so einer Partie etwas lernen? Kann man allgemein aus Partien des Spitzenschachs etwas lernen? Das habe ich mich oft gefragt. Großartige Ideen kann man halt nicht erlernen. Erlernen kann man Spiel nach allgemeinen Prinzipien, sowie typische taktische Wendungen. Aber, wie ich in meinen Anmerkungen ja auch wiederholt festgestellt habe, im Spitzenschach werden Partien nicht durch Spiel nach allgemeinen Prinzipien entschieden. Das ist auch gar nicht möglich, denn Spitzenspielern sind all diese Prinzipien ja bestens vertraut. Da zählt nur die konkrete Einschätzung der Position oder die konkret berechnete Variante. Einer der Spieler hat die Lage falsch eingeschätzt, der andere korrekt. Oder der eine hat eine Variante um einen Zug weiter berechnet als der andere. Das sind aber keine Standard-Wendungen aus dem Lehrbuch, keine typischen Muster, die man in eigenen Partien wiederfinden wird. Vielleicht lernt man trotzdem etwas daraus, ich weiß es nicht. Man wird ja sehen, ob ich nach der Analyse all dieser großartigen Partien deutlich stärker spiele als vorher. Ich fürchte nein ;)
heino64 - 02. Jan '14
Wär dir aber zu gönnen :).Vielen Dank für deine guten Beiträge.
Vabanque - 03. Jan '14
Danke für die Blumen :)

Es ist immer interessant zu sehen, wer so alles die Schachbeiträge liest. Freilich sieht man nur diejenigen, die was schreiben. Aber es scheint sich dabei doch um Spieler aller Stärken zu handeln, und wenn dem so ist, dann hätte ich eines meiner Ziele ja erreicht.