Kommentierte Spiele
Deutsche Schachgeschichte (XII): Lutz
Kellerdrache - 10. Mär '18
Christopher Lutz ist der letzte deutsche Schachspieler, dem man zu seiner besten Zeit zutraute in die Fußstapfen Robert Hübners zu treten.
Neben Erfolgen bei Internationalen Turnieren hat er vor allem in der Bundesliga von den späten 80ern bis 2008 an den Spitzenbrettern vielen Titelträgern Probleme bereitet. Mit der SG Porz wurde er in dieser Zeit insgesamt 6 mal deutscher Meister, zweimal gewann er die deutsche Einzelmeisterschaft.
Er war zweimal Sekundant Vladimir Kramniks in dessen Wettkämpfen gegen Deep Fritz. Heute Spielt er immer noch für die SG Porz, jetzt in der 2.Bundesliga nachdem sich der Verein freiwillig aus der Bundesliga zurückzog.
Was bei vielen seiner Partien auffällt ist der Übergang von umsichtigem Positionsspiel zu taktischen Überfällen sobald er ein entsprechendes Ungleichgewicht entdeckt.. Die vorliegende Partie ist hierzu ein hervorragendes Beispiel.
Lutz bildet in meiner Reihe sozusagen den historischen Abschluss. Spieler wie Blühbaum, Gustafsson usw. gehören für mich zur schachlichen Gegenwart Deutschlands und kommen deshalb hier nicht vor. Ich werde die Reihe allerdings noch um den ein oder anderen erweitern, der vielleicht in seinen Erfolgen mit den vorgestellten Spielern nicht vergleichbar, das deutsche Schach aber trotzdem mitgeprägt hat.































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Neben Erfolgen bei Internationalen Turnieren hat er vor allem in der Bundesliga von den späten 80ern bis 2008 an den Spitzenbrettern vielen Titelträgern Probleme bereitet. Mit der SG Porz wurde er in dieser Zeit insgesamt 6 mal deutscher Meister, zweimal gewann er die deutsche Einzelmeisterschaft.
Er war zweimal Sekundant Vladimir Kramniks in dessen Wettkämpfen gegen Deep Fritz. Heute Spielt er immer noch für die SG Porz, jetzt in der 2.Bundesliga nachdem sich der Verein freiwillig aus der Bundesliga zurückzog.
Was bei vielen seiner Partien auffällt ist der Übergang von umsichtigem Positionsspiel zu taktischen Überfällen sobald er ein entsprechendes Ungleichgewicht entdeckt.. Die vorliegende Partie ist hierzu ein hervorragendes Beispiel.
Lutz bildet in meiner Reihe sozusagen den historischen Abschluss. Spieler wie Blühbaum, Gustafsson usw. gehören für mich zur schachlichen Gegenwart Deutschlands und kommen deshalb hier nicht vor. Ich werde die Reihe allerdings noch um den ein oder anderen erweitern, der vielleicht in seinen Erfolgen mit den vorgestellten Spielern nicht vergleichbar, das deutsche Schach aber trotzdem mitgeprägt hat.
Christopher Lutz Lubomir Ftacnik Bundesliga 2000:1 | Hamburg GER | 10 | 2001.03.10 | B90 | 1:0
8








7








6
5
4
3
2








a
1

b

c

d

e

f

g

h

1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. d4 xd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 a6 6. Le3 e5 7. Sb3 Le6 8. f3 diese Variante nennt sich englischer Angriff, da sie in den späten 80ern von Spielern wie Short, Chandler und Nunn ausführlich analysiert und praktisch erprobt wurde. h5 In dieser Variante spielt Weiß oft einen Königsangriff mit g4, h4 usw. Ftacnik stellt sich dem vorzeitig in den Weg. 9. Dd2 Sbd7 10. O-O-O die klassische Ausgangslage im offenen Sizilianer. Rochaden auf verschiedenen Seiten, Schwarz mit Opfermöglichkeiten auf der halboffenen c-Linie, Weiß mit Dominanz im Zentrum und der leicht besseren Entwicklung Tc8 11. Kb1 Le7 die schwarze Stellung ist zwar ein wenig beengt, doch wenn er zu kurzer Rochade und d5 kommt steht er keineswegs schlechter 12. Ld3 b5 Der Ld3 versperrt weißer Dame und Td1 den Blick auf d5. Ginge hier also schon d5 ? 13. h3 bereitet zum einen den Vorstoß g4 vor, was Schwarz mit seiner Antwort verhindert, sorgt aber auch dafür, dass nach f4 keine gegnerische Leichtfigur über g4 eindringt h4 14. f4 Dc7 das schwarze Gegenspiel krankt ein wenig an der mangelnden Beweglichkeit seiner Damenflügelbauern. 15. The1 Sb6 Ftacnkik versucht seinen d-Bauern zu mobilisieren. Da außerdem Sc4 droht wonach die schwarzen a- und b-Bauern wieder Beine bekämen ist das Schlagen auf b6 erzwungen 16. Lxb6 Dxb6 17. Sd5 Dd8 18. c3 Der Ld3 soll nach c2 umziehen und die d-Linie freimachen O-O 19. Lc2 der schwarze d-Bauer wird schwach, da man droht mit Sxf6+ gleich zwei seiner Wächter zu beseitigen Te8 20. Sxf6+ Lxf6 21. f5 Lxb3 22. Lxb3 Da5 23. Tg1 Verzichtet auf den Bauernraub auf d6, der Ftacniks Figuren erheblich vitalisieren würde Ted8 24. g4 hg3 25. Txg3 Weiß kann jetzt auf der g-Linie die Türme verdoppeln, oder den Tg3 auf die d-Linie umschwenken Kf8 26. h4 der schwächlich aussehende Landwirt wird Schwarz noch große Probleme bereiten Db6 27. h5 der Bauer wird als Brecheisen zum Öffnen der Königsfestung eingesetzt Dc6 28. Ld5 Dd7 Auf einmal baut sich der weiße Angriff mit großer Schnelligkeit auf und Schwarz hat Probleme mitzuhalten 29. Tdg1 Tc5 die Verteidigung des Königsflügels kann nicht weiter verstärkt werden. Die Idee hinter Tc5 ist, wenn die weiße Dame zieht auf d5 die Qualität zu opfern und den Bauern auf f5 einzusammeln. 30. h6 Lutz lässt seinem Gegner keine Zeit für ein Gegenspiel. Ftacnik muss den Bauern nehmen xh6 31. Dxh6+ Ke7 Der König ist zwar ein wenig eingeklemmt, doch wie kommt man an ihn ran ? 32. Dxf6+ Lutz opfert Dame und Turm um den König zu erlegen. So brachial wie wirkungsvoll Kxf6 33. Tg6+ xg6 34. Txg6+ Ke7 35. f6+
Hasenrat - 10. Mär '18
Und er ist heute Bahnchef, nicht wahr?
Kellerdrache - 10. Mär '18
Nö, ich denke, das ist dann doch eher ein Namensvetter
Hasenrat - 10. Mär '18
:-D
Stimmt, Richard Lutz! Verzeihung.
Stimmt, Richard Lutz! Verzeihung.
Hasenrat - 10. Mär '18
... aber auch in der Schachwelt bekannt.
patzer0815 - 10. Mär '18
Eine tolle Partie, mit einem schönen Abschluss. Aus meiner Sicht sah die Stellung mit dem König auf e7 noch ganz kompakt aus, wirklich ein phantastisches finish. Den f-Bauern muss man wirklich im Blicke haben, da er schon auf der 5.Reihe ist.
Laudatio - 11. Mär '18
Hallo Schachfreund Kellerdrache,
eine toll analysierte und kommentierte Partie. Es ist erstaunlich, dass der schwarze Vorstoß d6-d5 immer an gewissen "Kleinigkeiten" scheitert und wie schnell der weiße h-Bauer später Unheil stiftet.
Blühbaum gehört altersbedingt zwar nicht zur deutschen Schachgeschichte, aber für deutsche Spieler der Gegenwart sehr gut geeignet. Ich hatte vor knapp 2 Jahren mal das Vergnügen bei einem Schnellturnier in der 2. Runde gegen Blühbaum spielen zu dürfen und er hat mich nach allen Regeln der Schachkunst zerlegt.
Gruß und Dank
Laudatio
eine toll analysierte und kommentierte Partie. Es ist erstaunlich, dass der schwarze Vorstoß d6-d5 immer an gewissen "Kleinigkeiten" scheitert und wie schnell der weiße h-Bauer später Unheil stiftet.
Blühbaum gehört altersbedingt zwar nicht zur deutschen Schachgeschichte, aber für deutsche Spieler der Gegenwart sehr gut geeignet. Ich hatte vor knapp 2 Jahren mal das Vergnügen bei einem Schnellturnier in der 2. Runde gegen Blühbaum spielen zu dürfen und er hat mich nach allen Regeln der Schachkunst zerlegt.
Gruß und Dank
Laudatio
Kellerdrache - 11. Mär '18
<<Es ist erstaunlich, dass der schwarze Vorstoß d6-d5 immer an gewissen "Kleinigkeiten" scheitert und wie schnell der weiße h-Bauer später Unheil stiftet.>> Ja, das ist ein Problem, das Schwarz im Sizilianer häufig hat. Man sagt in dieser Eröffnung wenn Schwarz ohne Probleme d5 spielen kann steht er in der Regel schon besser.
<<Blühbaum gehört altersbedingt zwar nicht zur deutschen Schachgeschichte, aber für deutsche Spieler der Gegenwart sehr gut geeignet.>> Ich hab überhaupt keine Einwände gegen Blühbaum. Er ist aber halt noch mittendrin in seiner besten Zeit und daher nicht 'Geschichte'.
Die bisherigen Folgen meiner Reihe haben sozusagen den zeitlichen Rahmen abgesteckt. Es gibt aber noch diverse Namen die in den kommenden Monaten auftauchen werden.
<<Blühbaum gehört altersbedingt zwar nicht zur deutschen Schachgeschichte, aber für deutsche Spieler der Gegenwart sehr gut geeignet.>> Ich hab überhaupt keine Einwände gegen Blühbaum. Er ist aber halt noch mittendrin in seiner besten Zeit und daher nicht 'Geschichte'.
Die bisherigen Folgen meiner Reihe haben sozusagen den zeitlichen Rahmen abgesteckt. Es gibt aber noch diverse Namen die in den kommenden Monaten auftauchen werden.
Vabanque - 11. Mär '18
Die Partie ist mit ihrer hübschen Mattkombination am Schluss natürlich klasse.
Trotzdem bin ich nicht so sicher, ob Lutz wirklich schon seinen festen Platz in der deutschen Schachgeschichte hat, bzw. ob ihm dieser Platz in höherem Maße zusteht als manchen anderen Spielern, die hier bisher noch keine Berücksichtigung gefunden haben (aber, wie du andeutest, ja diese Berücksichtigung evtl. noch erfahren werden).
Aufstrebende Spieler wie Blübaum dagegen gehören mit Sicherheit noch nicht zur Schachgeschichte, was natürlich nicht heißt, dass man sie nicht auch schon jetzt mit einer besonders schönen Partie hier würdigen könnte.
SF Kellerdrache hat ja den Begriff 'deutsch' auch in einem relativ engen Sinne benutzt (mit der einzigen Ausnahme des Deutsch-Amerikaners Lobron kamen wohl nur Spieler mit zwei deutschen Elternteilen und mit Geburtsland Deutschland zum Zug) und daher auch so bedeutende Spieler wie Naiditsch, Fridman und (in der Vergangenheit) Pachmann ausgeschlossen.
Trotzdem bin ich nicht so sicher, ob Lutz wirklich schon seinen festen Platz in der deutschen Schachgeschichte hat, bzw. ob ihm dieser Platz in höherem Maße zusteht als manchen anderen Spielern, die hier bisher noch keine Berücksichtigung gefunden haben (aber, wie du andeutest, ja diese Berücksichtigung evtl. noch erfahren werden).
Aufstrebende Spieler wie Blübaum dagegen gehören mit Sicherheit noch nicht zur Schachgeschichte, was natürlich nicht heißt, dass man sie nicht auch schon jetzt mit einer besonders schönen Partie hier würdigen könnte.
SF Kellerdrache hat ja den Begriff 'deutsch' auch in einem relativ engen Sinne benutzt (mit der einzigen Ausnahme des Deutsch-Amerikaners Lobron kamen wohl nur Spieler mit zwei deutschen Elternteilen und mit Geburtsland Deutschland zum Zug) und daher auch so bedeutende Spieler wie Naiditsch, Fridman und (in der Vergangenheit) Pachmann ausgeschlossen.
Kellerdrache - 12. Mär '18
Ich habe die Auswahl der hier auftauchenden Spieler bewußt eingeschränkt. Spieler wie Pachmann, Jusupow, Naiditsch, Hort usw. waren während ihrer Karriere sicher auch mal deutsche Schachspieler, aber genau so auch mal nicht. Bei Naiditsch kommt ja außerdem noch dazu, dass er eben nicht Geschichte, sondern Gegenwart ist, auch wenn im Moment mal nicht deutsche Schachgegenwart.
Für die bisherige Auswahl habe ich Spieler ausgewählt, deren Erfolge sie herausgehoben haben, bzw. die das deutsche Schach deutlich geprägt haben. Vor diesem Hintergrund werden hier sicher auch noch Leute wie Schmid und Pfleger auftauchen.
Wenn jemand dann am Ende meint ich hätte jemanden weggelassen, der nun unbedingt auch noch reingehört wäre ich für eine entsprechende Anregung dankbar. Darüber hinaus darf sich natürlich auch jeder selbst mit einem ergänzenden Beitrag an dieser Reihe beteiligen wenn er möchte.
Für die bisherige Auswahl habe ich Spieler ausgewählt, deren Erfolge sie herausgehoben haben, bzw. die das deutsche Schach deutlich geprägt haben. Vor diesem Hintergrund werden hier sicher auch noch Leute wie Schmid und Pfleger auftauchen.
Wenn jemand dann am Ende meint ich hätte jemanden weggelassen, der nun unbedingt auch noch reingehört wäre ich für eine entsprechende Anregung dankbar. Darüber hinaus darf sich natürlich auch jeder selbst mit einem ergänzenden Beitrag an dieser Reihe beteiligen wenn er möchte.
Vabanque - 14. Mär '18
>>Vor diesem Hintergrund werden hier sicher auch noch Leute wie Schmid und Pfleger auftauchen.<<
Dann hätten wir ja auch noch zwei uneingeschränkt sympathische Gestalten dabei :)
Dann hätten wir ja auch noch zwei uneingeschränkt sympathische Gestalten dabei :)