Kommentierte Spiele

Verlustpartien der Weltmeister ( X ) : Tal

Kellerdrache - 04. Sep '16
Michail Tal ist bis heute einer der Lieblinge des Schachpublikums. Ein begnadeter Taktiker der nie davor zurückschreckte Risiken einzugehen um die Initiative an sich zu reissen und den Angriff am Leben zu erhalten. Sehr verständlich also, das die meisten, wie Botwinnik in seinem Revanchekampf gegen Tal versuchten Stellungen zu erreichen die kein Potential für Verwicklungen hatten.

Nur sehr wenige liessen sich freiwillig auf taktische Schlachten mit Tal ein. Besonders zu nennen wären hier Kortschnoi, der es immer liebte mit dem Rücken zur Wand seine Gegner zu frustrieren. Bronstein war ein weiterer Spieler der diese Duelle begrüßte. Er vertraute seiner unerschöpflichen Intuition und den eigenen taktischen Möglichkeiten. Über die Jahre erzielte er einige schöne Siege gegen den Zauberer aus Riga.

Neben Spasski war Bronstein auch einer der wenigen Großmeister die immer wieder mal, auch gegen stärkste Konkurrenz, Königsgambit spielten. Allen Freunden dieses Gambits also besonders viel Spaß mit der folgenden Partie

Bronstein, David I Tal, Michael URS-chT Riga | 1968 | C32 | 1:0
8
7
6
5
4
3
2
a
1
b
c
d
e
f
g
h
1. e4 e5 2. f4 ganz schön mutig. Gegen einen der besten Taktiker aller Zeiten spielt Bronstein Königsgambit. Im Gegensatz zu seinem Erzfeind Botwinnik hat er zeitlebens Spieler gerne auf dem Feld ihrer Stärke herausgefordert. Später war das übrigens etwas was der Holländer Jan Timman oft getan hat. d5 3. xd5 e4 4. d3 Falkbeer-Gegengambit. Nachdem Tarrasch Spielmann mit dieser Variante überzeugend geschlagen hatte galt sie jahrelang als die beste Verteidigung überhaupt. Partien wie die vorliegende haben die Meinung vieler geändert. Sf6 5. xe4 Sxe4 der Bauer stünde wesentlich mehr im Weg als es der Springer je wird. Wichtig ist aber, dass man so etwas wie Dh4+ gar nicht erst zulässt. 6. Sf3 Lc5 das sieht wegen des doppelten Angriffs auf das Feld sehr stark aus. Leider hat Schwarz zuviele eigene Schwächen um das auszunutzen. 7. De2 Ich persönlich spiele hier, einer Empfhelung Tartakowers folgend Ld3. Ohne hier die Eröffnungstheorie abzubilden sei nur allgemein darauf hingewiesen, dass die Schwäche der e-Linie Schwarz daran hindert f2 erfolgreich auszubeuten. Lf5
Lf2+ diese Variante sei hier aufgeführt um zu zeigen wie trügerisch der gute optische Eindruck der schwarzen Position ist 8. Kd1 Dxd5+ 9. Sfd2 Der Springer steckt in einer unangenehmen Fesselung. Ärgerlicherweise ist er aber auch, obwohl selber stark unter Druck, die lebensnotwendige Deckung des Lf2. f5 10. Sc3 Dd4 11. Sce4 fe4 12. c3 De3 und Weiß hat die Wahl entweder mit 13.Dxe3 Lxe3 14.Sxe4 einen Bauern zu gewinnen oder mit Dh5+ interessante Komplikationen herauf zu beschwören.
8. Sc3 Bei der Beurteilung der Stellung darf man nicht vergessen, das bei diesem Gegengambit Weiß einen Bauern mehr hat.
8. g4 das spielte Spielmann gegen Tarrasch. Nach O-O 9. xf5 Te8 bekam er gewaltige Probleme.
De7
und wenn man es ähnlich wie Tarrasch spielt und versucht dden stecken gebliebenen Königs des Weißn auszunutzen ? O-O 9. Sxe4 Te8 10. Se5 Lxe4 11. Dxe4 f6 12. d6 droht Dd5+ nebst Dxc5 Dxd6 13. Le3 Lxe3
xe5 14. Lxc5 Dxc5 15. O-O-O durch den ungedeckten Te8 ist exf4 erstmal nicht möglich Sc6 16. Lc4+ Kh8 17. Td5
14. Dc4+ da der Le3 die Turmlinie unterbricht sind jetzt Züge mit dem Se5, wie z.B. nach Kh8 15.Sf7+ möglich.
9. Le3 entschärft mit einem Zug alle schwarzen Aussichten auf einen schnellen Sieg Sxc3
Lxe3 das ist die moderne Hauptvariante, die wesentlich ruhiger als die gezeigte Partie verläuft aber auch nicht zum Ausgleich reicht. 10. Dxe3 Sxc3 11. Dxe7+ Kxe7 12. xc3 seinen Bauern bekommt Schwarz wohl zurück, aber er hat Entwicklungsnachteil und einen gefährlich stehenden König.
10. Lxc5 Sxc3 hat eine Abtauschserie eingeleitet die alles andere als übersichtlich ist Sxe2 11. Lxe7 Sxf4 Holt sich seinen Minusbauern zurück. Rein optisch mag die Stellungs ausgeglichen aussehen, aber die Stärke des Le7 wird sich als sehr entscheidend herausstellen
Kxe7 12. Lxe2 Te8
Lxc2? 13. Tc1 Lf5 14. Txc7+
13. Sd4 bietet Schwarz wenig Kompensation für seinen Bauern
12. La3 eine phantastische Diagonale für den Läufer und an die kurze Rochade kann Tal erstmal nicht denken. Sd7
zu optimistisch wäre Sxd5 13. O-O-O c6 14. Sg5 Lg6 15. Te1+ Kd7 16. Lc4 sobald der Springer d5 fällt werden e7 und f7 sehr schwach
13. O-O-O Le4
Die kurze Rochade geht nicht, das ist einfach zu sehen, aber was ist mit O-O-O ? 14. Td4! Sg6 15. g4 und Schwarz verliert den Läufer
14. Sg5 Bronstein schenkt seinen Zentralbauern her um keine Zeit zu verlieren. Dies ist eine offene Stellung wo Material weniger zählt als Tempo und Entwicklung. Lxd5 15. g3 ein hübsches Opfer was zumindest temporär alle aktiven schwarzen Figuren aus dem Spiel nimmt. Doch so hübsch es ist so unnötig war es auch
15. Te1+ Se6
Le6 16. g3 Sg6 17. Sxe6 xe6 18. Txe6+
16. c4 Lc6 17. Sxe6 xe6 18. Txe6+ ist einfach und stark
Lxh1 16. xf4 c5 Tal schliest die a3-f8 Diagonale um nach Te1+ Kf8 zu haben 17. Lc4 f7 fällt, da Schwarz sich ja um seinen Läufer auf h1 kümmern muss Lc6 18. Sxf7 b5 verliert mindestens einen Bauern, aber wo sind die besseren Züge ?
Tf8?? 19. Te1+
19. Sd6+ Schach und Angriff auf den b5-Bauern Ke7 20. Sxb5 Thf8 Tal will unbedingt aktiv gegen halten, was sich aber als reiner Traum erweisen wird.
Vermutlich besser wäre Lxb5 21. Lxb5 Thd8 22. Lxd7 diese Vereinfachung ist nicht erzwungen. Eine Alternative wäre z.B. b3 um dem La3 eine zweite Diagonale zuverschaffen Txd7 23. Lxc5+ Ke8 mit guten Remischancen
21. Sd4 Lb7 eigentlich hat dieser Läufer ja eine wunderbare Diagonale, aber trotzdem sieht er irgendwie erbärmlich aus 22. Se6 Tf5 23. Tg1 mit Angriff auf g7 Le4
g6 24. Sc7 Tc8 25. Te1+ Kf8 26. Se6+ Kf7 27. Sd4+
24. Sc7? hier verlässt Bronstein die Präzision. Er hätte schon ganz einfach gewinnen können
24. Te1 Sf6 25. Sxc5 da der Springer mit Abzugsschach zieht bringen auch Züge wir Txf4 oder Tc8 nichts.
Td8 25. Txg7+ Kf6 26. Tf7+ Kg6 für seine Qualität hat Weiß immerhin schon zwei Bauern bekommen und der Angriff ist noch lebendig 27. Te7 Sf6
Txf4 28. Se6 gabelt beide Türme
28. Se6 Tc8 29. b3 bringt den La3 wieder ins Spiel wonach es wirklich sehr ungemütlich wird Th5 30. Sg5 mit Angriff auf den Le4 Ld5 31. Ld3+ Kh6 das einzige Feld 32. Lb2 zieht der Springer fällt h7 mit Matt c4
Tf8 den Springer zu decken bringt auch nichts 33. Lxf6 Txf6 34. Txh7#
33. Lf5 c3 der einzige Weg den sofortigen Verlust zu verhindern ist dieses Qualitätsopfer 34. Lxc8 xb2+ 35. Kxb2 Txh2 36. Txa7 Tf2 37. Ta4 Kg6 um den h-Bauern zu mobilisieren 38. Td4 h5 39. a4 h4 40. a5 der weiße Freibau er hat bis nach a7 kein Hindernis während Tal für den weiteren Vormarsch zuerst h3 decken muss Lg2 41. a6 Sh5 nach Sxf4 deckt der Springer das Feld h3 ein zweites Mal und der Vorstoß des schwarzen Bauern kann weiter gehen. 42. Lb7 sobald die Läufer vom Brett sind steht der Umwandlung des a-Bauern nichts mehr im Weg. Sxf4 43. Txf4
43. Txf4 Txf4 44. Lxg2 Kxg5 45. a7
PGN anzeigen
[Event "URS-chT Riga"]
[Site "?"]
[Date "1968.??.??"]
[Round "?"]
[White "Bronstein, David I"]
[Black "Tal, Michael"]
[Result "1-0"]
[ECO "C32"]
[PlyCount "85"]
[EventDate "1968.??.??"]
[Source "ChessBase"]

1. e4 e5 2. f4 {ganz schön mutig. Gegen einen der besten Taktiker aller Zeiten
spielt Bronstein Königsgambit. Im Gegensatz zu seinem Erzfeind Botwinnik hat
er zeitlebens Spieler gerne auf dem Feld ihrer Stärke herausgefordert. Später
war das übrigens etwas was der Holländer Jan Timman oft getan hat.} d5 3. exd5
e4 4. d3 {Falkbeer-Gegengambit. Nachdem Tarrasch Spielmann mit dieser Variante
überzeugend geschlagen hatte galt sie jahrelang als die beste Verteidigung
überhaupt. Partien wie die vorliegende haben die Meinung vieler geändert.} Nf6
5. dxe4 Nxe4 {der Bauer stünde wesentlich mehr im Weg als es der Springer je
wird. Wichtig ist aber, dass man so etwas wie Dh4+ gar nicht erst zulässt.} 6.
Nf3 Bc5 {das sieht wegen des doppelten Angriffs auf das Feld sehr stark aus.
Leider hat Schwarz zuviele eigene Schwächen um das auszunutzen.} 7. Qe2 {
Ich persönlich spiele hier, einer Empfhelung Tartakowers folgend Ld3. Ohne
hier die Eröffnungstheorie abzubilden sei nur allgemein darauf hingewiesen,
dass die Schwäche der e-Linie Schwarz daran hindert f2 erfolgreich auszubeuten.
} Bf5 (7... Bf2+ {diese Variante sei hier aufgeführt um zu zeigen wie
trügerisch der gute optische Eindruck der schwarzen Position ist} 8. Kd1 Qxd5+
9. Nfd2 {Der Springer steckt in einer unangenehmen Fesselung. Ärgerlicherweise
ist er aber auch, obwohl selber stark unter Druck, die lebensnotwendige
Deckung des Lf2.} f5 10. Nc3 Qd4 11. Ncxe4 fxe4 12. c3 Qe3 {und Weiß hat die
Wahl entweder mit 13.Dxe3 Lxe3 14.Sxe4 einen Bauern zu gewinnen oder mit Dh5+
interessante Komplikationen herauf zu beschwören.}) 8. Nc3 {Bei der Beurteilung
der Stellung darf man nicht vergessen, das bei diesem Gegengambit Weiß einen
Bauern mehr hat.} (8. g4 {das spielte Spielmann gegen Tarrasch. Nach} O-O 9.
gxf5 Re8 {bekam er gewaltige Probleme.}) 8... Qe7 ({und wenn man es ähnlich
wie Tarrasch spielt und versucht dden stecken gebliebenen Königs des Weißn
auszunutzen ?} 8... O-O 9. Nxe4 Re8 10. Ne5 Bxe4 11. Qxe4 f6 12. d6 {
droht Dd5+ nebst Dxc5} Qxd6 13. Be3 Bxe3 (13... fxe5 14. Bxc5 Qxc5 15. O-O-O {
durch den ungedeckten Te8 ist exf4 erstmal nicht möglich} Nc6 16. Bc4+ Kh8 17.
Rd5) 14. Qc4+ {da der Le3 die Turmlinie unterbricht sind jetzt Züge mit dem
Se5, wie z.B. nach Kh8 15.Sf7+ möglich.}) 9. Be3 {
entschärft mit einem Zug alle schwarzen Aussichten auf einen schnellen Sieg}
Nxc3 (9... Bxe3 {das ist die moderne Hauptvariante, die wesentlich ruhiger als
die gezeigte Partie verläuft aber auch nicht zum Ausgleich reicht.} 10. Qxe3
Nxc3 11. Qxe7+ Kxe7 12. bxc3 {seinen Bauern bekommt Schwarz wohl zurück, aber
er hat Entwicklungsnachteil und einen gefährlich stehenden König.}) 10. Bxc5 {
Sxc3 hat eine Abtauschserie eingeleitet die alles andere als übersichtlich ist}
Nxe2 11. Bxe7 Nxf4 {Holt sich seinen Minusbauern zurück. Rein optisch mag die
Stellungs ausgeglichen aussehen, aber die Stärke des Le7 wird sich als sehr
entscheidend herausstellen} (11... Kxe7 12. Bxe2 Re8 (12... Bxc2 $2 13. Rc1 Bf5
14. Rxc7+) 13. Nd4 {bietet Schwarz wenig Kompensation für seinen Bauern}) 12.
Ba3 {eine phantastische Diagonale für den Läufer und an die kurze Rochade kann
Tal erstmal nicht denken.} Nd7 ({zu optimistisch wäre} 12... Nxd5 13. O-O-O c6
14. Ng5 Bg6 15. Re1+ Kd7 16. Bc4 {
sobald der Springer d5 fällt werden e7 und f7 sehr schwach}) 13. O-O-O Be4 ({
Die kurze Rochade geht nicht, das ist einfach zu sehen, aber was ist mit} 13...
O-O-O {?} 14. Rd4 $1 Ng6 15. g4 {und Schwarz verliert den Läufer}) 14. Ng5 {
Bronstein schenkt seinen Zentralbauern her um keine Zeit zu verlieren. Dies
ist eine offene Stellung wo Material weniger zählt als Tempo und Entwicklung.}
Bxd5 15. g3 {ein hübsches Opfer was zumindest temporär alle aktiven schwarzen
Figuren aus dem Spiel nimmt. Doch so hübsch es ist so unnötig war es auch} (15.
Re1+ Ne6 (15... Be6 16. g3 Ng6 17. Nxe6 fxe6 18. Rxe6+) 16. c4 Bc6 17. Nxe6
fxe6 18. Rxe6+ {ist einfach und stark}) 15... Bxh1 16. gxf4 c5 {
Tal schliest die a3-f8 Diagonale um nach Te1+ Kf8 zu haben} 17. Bc4 {
f7 fällt, da Schwarz sich ja um seinen Läufer auf h1 kümmern muss} Bc6 18. Nxf7
b5 {verliert mindestens einen Bauern, aber wo sind die besseren Züge ?} (18...
Rf8 $4 19. Re1+) 19. Nd6+ {Schach und Angriff auf den b5-Bauern} Ke7 20. Nxb5
Rhf8 {Tal will unbedingt aktiv gegen halten, was sich aber als reiner Traum
erweisen wird.} ({Vermutlich besser wäre} 20... Bxb5 21. Bxb5 Rhd8 22. Bxd7 {
diese Vereinfachung ist nicht erzwungen. Eine Alternative wäre z.B. b3 um dem
La3 eine zweite Diagonale zuverschaffen} Rxd7 23. Bxc5+ Ke8 {
mit guten Remischancen}) 21. Nd4 Bb7 {eigentlich hat dieser Läufer ja eine
wunderbare Diagonale, aber trotzdem sieht er irgendwie erbärmlich aus} 22. Ne6
Rf5 23. Rg1 {mit Angriff auf g7} Be4 (23... g6 24. Nc7 Rc8 25. Re1+ Kf8 26.
Ne6+ Kf7 27. Nd4+) 24. Nc7 $2 {hier verlässt Bronstein die Präzision. Er hätte
schon ganz einfach gewinnen können} (24. Re1 Nf6 25. Nxc5 {da der Springer mit
Abzugsschach zieht bringen auch Züge wir Txf4 oder Tc8 nichts.}) 24... Rd8 25.
Rxg7+ Kf6 26. Rf7+ Kg6 {für seine Qualität hat Weiß immerhin schon zwei Bauern
bekommen und der Angriff ist noch lebendig} 27. Re7 Nf6 (27... Rxf4 28. Ne6 {
gabelt beide Türme}) 28. Ne6 Rc8 29. b3 {
bringt den La3 wieder ins Spiel wonach es wirklich sehr ungemütlich wird} Rh5
30. Ng5 {mit Angriff auf den Le4} Bd5 31. Bd3+ Kh6 {das einzige Feld} 32. Bb2 {
zieht der Springer fällt h7 mit Matt} c4 (32... Rf8 {
den Springer zu decken bringt auch nichts} 33. Bxf6 Rxf6 34. Rxh7#) 33. Bf5 c3
{der einzige Weg den sofortigen Verlust zu verhindern ist dieses Qualitätsopfer
} 34. Bxc8 cxb2+ 35. Kxb2 Rxh2 36. Rxa7 Rf2 37. Ra4 Kg6 {
um den h-Bauern zu mobilisieren} 38. Rd4 h5 39. a4 h4 40. a5 {der weiße Freibau
er hat bis nach a7 kein Hindernis während Tal für den weiteren Vormarsch
zuerst h3 decken muss} Bg2 41. a6 Nh5 {nach Sxf4 deckt der Springer das Feld
h3 ein zweites Mal und der Vorstoß des schwarzen Bauern kann weiter gehen.} 42.
Bb7 {sobald die Läufer vom Brett sind steht der Umwandlung des a-Bauern nichts
mehr im Weg.} Nxf4 43. Rxf4 (43. Rxf4 Rxf4 44. Bxg2 Kxg5 45. a7) 1-0

Vabanque - 05. Sep '16
Insgesamt hatte Tal gegen Bronstein mit 12:8 die Oberhand, bei 19 Remisen. Aber allzu viel sagt das nicht aus. Beide bevorzugten das kämpferische, komplizierte, opferreiche, phantasievolle Schach.
Auch obige Partie ist außerordentlich kompliziert, eigentlich merkwürdig, dass sie im Endspiel entschieden wurde. Dass Bronstein im 24. Zug nicht das Stärkste traf, würde ich ihm bei dieser unübersichtlichen Stellung nicht ankreiden. Irgendwie habe ich bei ihm sowieso oft das Gefühl, dass es ihm überhaupt nicht drauf ankam, wie er denn in der jeweiligen Stellung objektiv stand, sondern nur darauf, die Situation auf dem Brett bewusst möglichst unübersichtlich zu gestalten, so dass sein Gegner auch nicht mehr durchblickte, und auch nicht wusste, wie er stand ... und meist war es dann besagter Gegner, der fehlgriff, und nicht Bronstein selbst.
Die Partie zeigt auch, dass Bronstein quasi überall Mattmotive fand, auch wenn sich die Partie schon dem Endspiel näherte, aber was sagt schon ein Damentausch? Für andere Spieler mag damit das Endspiel beginnen, doch Bronstein hat oft genug (nicht nur hier) äußerste Verwicklungen in 'damenlosen Mittelspielen' heraufbeschworen.
Insofern kann die Partie durchaus als typisch Bronstein in mehr als einer Hinsicht gelten.

In der Variante zum 7. Zug von Schwarz ist etwas schief gegangen; sie lässt sich ab dem 11. Zug von Weiß nicht mehr nachspielen. Aber so schlimm ist das nicht; sie lässt sich gut im Kopf weiter verfolgen.
Kellerdrache - 06. Sep '16
Ja, ich erinnere mich noch an eine Partie zwischen Bronstein und Kortschnoi, wo er in einem Endspiel wo beide noch eine Dame, einen Turm und zwei oder drei Bauern haben seinen letzten Turm opfert um die Partie zu gewinnen.
Bei Bronstein ist es weniger die Rechenfähigkeit die beeindruckt als die Phantasie und Weitsicht in den herkömmlichsten Stellungen. Seine Partien sind wirklich sehr selten langweilig.
Vabanque - 06. Sep '16
Ich habe sogar mal gelesen, dass genau dies sein Ziel gewesen ist: niemals eine langweilige Partie zu spielen.
Colorado77 - 07. Sep '16
Tolle Partie und umso schönere Kommentare (Eigtl. solltest Du eine wesentlich höhere CM-Elo haben!).
Diese Partie zeigt schön auf, warum das Falkbeer heute fast nicht mehr gespielt wird: Der Bluff rund um xf2, wenn Weiss es kennt, ist ein Bumerang. Die wackelige Stellung des Se4 und der vermeintliche Entwicklungsvorsprung verpufft in den meisten Varianten: Selbst nach Damentausch hat Weiss immer eine starke Initiative, bedingt durch den schlechten sK.
Meist entscheidet das weisse Läuferpaar und zentralisierte Türme auf d- und e-Linie die Partie für Weiss!
Kellerdrache - 08. Sep '16
Wahrscheinlich leidet meine CM-Elo unter meiner Kommentatoren-Tätigkeit ;-)). Ungeduld und Konzentrationslöcher sind wohl eher die Gründe!
Meine Erfahrung ist, dass das Falkbeer immer noch erstaunlich oft gespielt wird. Viele Eröffnungsbücher die sich nicht speziell dem Königsgambit widmen "widerlegen" das Gambit gerne auf 1 1/2 Seiten und schreiben dann die alten Varianten nebst Bewertungen ab.
Solchen "Widerlegungen" blind zu folgen ist natürlich sehr gefährlich und man landet schnell in völlig unbekannten Fahrwassern wenn der Gambitspieler dann z.B. wie ich beim Falkbeer Ld3 statt De2 zieht oder in der modernen Verteidigung längst Lc4 den Zug Lb5 als Hauptvariante abgelöst hat.
Colorado77 - 08. Sep '16
Von Widerlegungen kann objektiv eigtl keine Rede sein. Recht unangenehm finde ich als Weisser das Hahnstein Gambit (Fischer Verteidigung) gegen das Königsspringergambit (d6, Sc6, Lg7, Sge7, 00) sowie die moderne Verteidigung insgesamt. Leider kann das Lc4 nicht so wirklich empfohlen werden. In der Variante mit Bauernopfer (Sxd5, Lxd5-Dxd5, Sc3 ist Df5 stark) und somit bleibt nur das langweilige Lb5+, um ein =+ zu vermeiden. GM Shaw hat in seiner KG-Bibel einiges dazu analysiert.
Kellerdrache - 09. Sep '16
Naja was Lc4 angeht gehen die Meinungen wohl ziemlich auseinander. Meine Erfahrungen damit sind eigentlich ziemlich positiv. Da ich meine Varianten nicht nur in Hinsicht auf ihre prozentuale Effektivität wähle, sondern auch danach ob mich die entstehenden Stellungen interessieren kommt Lb5+ allein deswegen schon nicht in Betracht. Es sei denn man kombiniert es mit dem unverschämten Se5, was glaube ich Stefan Bücker mal vorgeschlagen hatte ;-)).
Colorado77 - 09. Sep '16
Lass uns doch mal diese Var. spielen:
e4 e5
f4 d5
exd exf
Sf3 Sf6
Lc4 Sxd5
00 oder Lxd5, wie Du möchtest.
Ich nehme dann Schwarz und gucke mir das mal an okay?
Kellerdrache - 10. Sep '16
Gerne. Du müsstest mich nur einladen, weil anders herum gerade nicht geht
pirc_ - 10. Sep '16
Eine schöne Partie. Es gibt auch eine Partie von dem "Isländer" Weltmeister Bobby Fischer, in welcher er in 15 Zügen mit den weißen Steinen im Falkbeer verliert ;-)
Vabanque - 10. Sep '16
Das war dann aber wahrscheinlich in einem Simultan ...
Vabanque - 11. Sep '16
Du kannst die Partie gerne hier posten, vielleicht auch als sozusagen ergänzende Folge VIa (denn Folge VI war ja Fischers Verlustpartie gegen Geller) dieser Reihe :)