Kommentierte Spiele
Verlustpartien der Weltmeister ( X ) : Tal
Kellerdrache - 04. Sep '16
Michail Tal ist bis heute einer der Lieblinge des Schachpublikums. Ein begnadeter Taktiker der nie davor zurückschreckte Risiken einzugehen um die Initiative an sich zu reissen und den Angriff am Leben zu erhalten. Sehr verständlich also, das die meisten, wie Botwinnik in seinem Revanchekampf gegen Tal versuchten Stellungen zu erreichen die kein Potential für Verwicklungen hatten.
Nur sehr wenige liessen sich freiwillig auf taktische Schlachten mit Tal ein. Besonders zu nennen wären hier Kortschnoi, der es immer liebte mit dem Rücken zur Wand seine Gegner zu frustrieren. Bronstein war ein weiterer Spieler der diese Duelle begrüßte. Er vertraute seiner unerschöpflichen Intuition und den eigenen taktischen Möglichkeiten. Über die Jahre erzielte er einige schöne Siege gegen den Zauberer aus Riga.
Neben Spasski war Bronstein auch einer der wenigen Großmeister die immer wieder mal, auch gegen stärkste Konkurrenz, Königsgambit spielten. Allen Freunden dieses Gambits also besonders viel Spaß mit der folgenden Partie































PGN anzeigen
Nur sehr wenige liessen sich freiwillig auf taktische Schlachten mit Tal ein. Besonders zu nennen wären hier Kortschnoi, der es immer liebte mit dem Rücken zur Wand seine Gegner zu frustrieren. Bronstein war ein weiterer Spieler der diese Duelle begrüßte. Er vertraute seiner unerschöpflichen Intuition und den eigenen taktischen Möglichkeiten. Über die Jahre erzielte er einige schöne Siege gegen den Zauberer aus Riga.
Neben Spasski war Bronstein auch einer der wenigen Großmeister die immer wieder mal, auch gegen stärkste Konkurrenz, Königsgambit spielten. Allen Freunden dieses Gambits also besonders viel Spaß mit der folgenden Partie
Bronstein, David I Tal, Michael URS-chT Riga | 1968 | C32 | 1:0
8








7








6
5
4
3
2








a
1

b

c

d

e

f

g

h

1. e4 e5 2. f4 ganz schön mutig. Gegen einen der besten Taktiker aller Zeiten spielt Bronstein Königsgambit. Im Gegensatz zu seinem Erzfeind Botwinnik hat er zeitlebens Spieler gerne auf dem Feld ihrer Stärke herausgefordert. Später war das übrigens etwas was der Holländer Jan Timman oft getan hat. d5 3. xd5 e4 4. d3 Falkbeer-Gegengambit. Nachdem Tarrasch Spielmann mit dieser Variante überzeugend geschlagen hatte galt sie jahrelang als die beste Verteidigung überhaupt. Partien wie die vorliegende haben die Meinung vieler geändert. Sf6 5. xe4 Sxe4 der Bauer stünde wesentlich mehr im Weg als es der Springer je wird. Wichtig ist aber, dass man so etwas wie Dh4+ gar nicht erst zulässt. 6. Sf3 Lc5 das sieht wegen des doppelten Angriffs auf das Feld sehr stark aus. Leider hat Schwarz zuviele eigene Schwächen um das auszunutzen. 7. De2 Ich persönlich spiele hier, einer Empfhelung Tartakowers folgend Ld3. Ohne hier die Eröffnungstheorie abzubilden sei nur allgemein darauf hingewiesen, dass die Schwäche der e-Linie Schwarz daran hindert f2 erfolgreich auszubeuten. Lf5
Lf2+ diese Variante sei hier aufgeführt um zu zeigen wie trügerisch der gute optische Eindruck der schwarzen Position ist 8. Kd1 Dxd5+ 9. Sfd2 Der Springer steckt in einer unangenehmen Fesselung. Ärgerlicherweise ist er aber auch, obwohl selber stark unter Druck, die lebensnotwendige Deckung des Lf2. f5 10. Sc3 Dd4 11. Sce4 fe4 12. c3 De3 und Weiß hat die Wahl entweder mit 13.Dxe3 Lxe3 14.Sxe4 einen Bauern zu gewinnen oder mit Dh5+ interessante Komplikationen herauf zu beschwören.
8. Sc3 Bei der Beurteilung der Stellung darf man nicht vergessen, das bei diesem Gegengambit Weiß einen Bauern mehr hat. De7 und wenn man es ähnlich wie Tarrasch spielt und versucht dden stecken gebliebenen Königs des Weißn auszunutzen ? O-O 9. Sxe4 Te8 10. Se5 Lxe4 11. Dxe4 f6 12. d6 droht Dd5+ nebst Dxc5 Dxd6 13. Le3 Lxe3
9. Le3 entschärft mit einem Zug alle schwarzen Aussichten auf einen schnellen Sieg Sxc3 10. Lxc5 Sxc3 hat eine Abtauschserie eingeleitet die alles andere als übersichtlich ist Sxe2 11. Lxe7 Sxf4 Holt sich seinen Minusbauern zurück. Rein optisch mag die Stellungs ausgeglichen aussehen, aber die Stärke des Le7 wird sich als sehr entscheidend herausstellen 12. La3 eine phantastische Diagonale für den Läufer und an die kurze Rochade kann Tal erstmal nicht denken. Sd7 13. O-O-O Le4 14. Sg5 Bronstein schenkt seinen Zentralbauern her um keine Zeit zu verlieren. Dies ist eine offene Stellung wo Material weniger zählt als Tempo und Entwicklung. Lxd5 15. g3 ein hübsches Opfer was zumindest temporär alle aktiven schwarzen Figuren aus dem Spiel nimmt. Doch so hübsch es ist so unnötig war es auch Lxh1 16. xf4 c5 Tal schliest die a3-f8 Diagonale um nach Te1+ Kf8 zu haben 17. Lc4 f7 fällt, da Schwarz sich ja um seinen Läufer auf h1 kümmern muss Lc6 18. Sxf7 b5 verliert mindestens einen Bauern, aber wo sind die besseren Züge ? 19. Sd6+ Schach und Angriff auf den b5-Bauern Ke7 20. Sxb5 Thf8 Tal will unbedingt aktiv gegen halten, was sich aber als reiner Traum erweisen wird. 21. Sd4 Lb7 eigentlich hat dieser Läufer ja eine wunderbare Diagonale, aber trotzdem sieht er irgendwie erbärmlich aus 22. Se6 Tf5 23. Tg1 mit Angriff auf g7 Le4 24. Sc7? hier verlässt Bronstein die Präzision. Er hätte schon ganz einfach gewinnen können Td8 25. Txg7+ Kf6 26. Tf7+ Kg6 für seine Qualität hat Weiß immerhin schon zwei Bauern bekommen und der Angriff ist noch lebendig 27. Te7 Sf6 28. Se6 Tc8 29. b3 bringt den La3 wieder ins Spiel wonach es wirklich sehr ungemütlich wird Th5 30. Sg5 mit Angriff auf den Le4 Ld5 31. Ld3+ Kh6 das einzige Feld 32. Lb2 zieht der Springer fällt h7 mit Matt c4 33. Lf5 c3 der einzige Weg den sofortigen Verlust zu verhindern ist dieses Qualitätsopfer 34. Lxc8 xb2+ 35. Kxb2 Txh2 36. Txa7 Tf2 37. Ta4 Kg6 um den h-Bauern zu mobilisieren 38. Td4 h5 39. a4 h4 40. a5 der weiße Freibau er hat bis nach a7 kein Hindernis während Tal für den weiteren Vormarsch zuerst h3 decken muss Lg2 41. a6 Sh5 nach Sxf4 deckt der Springer das Feld h3 ein zweites Mal und der Vorstoß des schwarzen Bauern kann weiter gehen. 42. Lb7 sobald die Läufer vom Brett sind steht der Umwandlung des a-Bauern nichts mehr im Weg. Sxf4 43. Txf4 xe5 14. Lxc5 Dxc5 15. O-O-O durch den ungedeckten Te8 ist exf4 erstmal nicht möglich Sc6 16. Lc4+ Kh8 17. Td5
14. Dc4+ da der Le3 die Turmlinie unterbricht sind jetzt Züge mit dem Se5, wie z.B. nach Kh8 15.Sf7+ möglich.
Vabanque - 05. Sep '16
Insgesamt hatte Tal gegen Bronstein mit 12:8 die Oberhand, bei 19 Remisen. Aber allzu viel sagt das nicht aus. Beide bevorzugten das kämpferische, komplizierte, opferreiche, phantasievolle Schach.
Auch obige Partie ist außerordentlich kompliziert, eigentlich merkwürdig, dass sie im Endspiel entschieden wurde. Dass Bronstein im 24. Zug nicht das Stärkste traf, würde ich ihm bei dieser unübersichtlichen Stellung nicht ankreiden. Irgendwie habe ich bei ihm sowieso oft das Gefühl, dass es ihm überhaupt nicht drauf ankam, wie er denn in der jeweiligen Stellung objektiv stand, sondern nur darauf, die Situation auf dem Brett bewusst möglichst unübersichtlich zu gestalten, so dass sein Gegner auch nicht mehr durchblickte, und auch nicht wusste, wie er stand ... und meist war es dann besagter Gegner, der fehlgriff, und nicht Bronstein selbst.
Die Partie zeigt auch, dass Bronstein quasi überall Mattmotive fand, auch wenn sich die Partie schon dem Endspiel näherte, aber was sagt schon ein Damentausch? Für andere Spieler mag damit das Endspiel beginnen, doch Bronstein hat oft genug (nicht nur hier) äußerste Verwicklungen in 'damenlosen Mittelspielen' heraufbeschworen.
Insofern kann die Partie durchaus als typisch Bronstein in mehr als einer Hinsicht gelten.
In der Variante zum 7. Zug von Schwarz ist etwas schief gegangen; sie lässt sich ab dem 11. Zug von Weiß nicht mehr nachspielen. Aber so schlimm ist das nicht; sie lässt sich gut im Kopf weiter verfolgen.
Auch obige Partie ist außerordentlich kompliziert, eigentlich merkwürdig, dass sie im Endspiel entschieden wurde. Dass Bronstein im 24. Zug nicht das Stärkste traf, würde ich ihm bei dieser unübersichtlichen Stellung nicht ankreiden. Irgendwie habe ich bei ihm sowieso oft das Gefühl, dass es ihm überhaupt nicht drauf ankam, wie er denn in der jeweiligen Stellung objektiv stand, sondern nur darauf, die Situation auf dem Brett bewusst möglichst unübersichtlich zu gestalten, so dass sein Gegner auch nicht mehr durchblickte, und auch nicht wusste, wie er stand ... und meist war es dann besagter Gegner, der fehlgriff, und nicht Bronstein selbst.
Die Partie zeigt auch, dass Bronstein quasi überall Mattmotive fand, auch wenn sich die Partie schon dem Endspiel näherte, aber was sagt schon ein Damentausch? Für andere Spieler mag damit das Endspiel beginnen, doch Bronstein hat oft genug (nicht nur hier) äußerste Verwicklungen in 'damenlosen Mittelspielen' heraufbeschworen.
Insofern kann die Partie durchaus als typisch Bronstein in mehr als einer Hinsicht gelten.
In der Variante zum 7. Zug von Schwarz ist etwas schief gegangen; sie lässt sich ab dem 11. Zug von Weiß nicht mehr nachspielen. Aber so schlimm ist das nicht; sie lässt sich gut im Kopf weiter verfolgen.
Kellerdrache - 06. Sep '16
Ja, ich erinnere mich noch an eine Partie zwischen Bronstein und Kortschnoi, wo er in einem Endspiel wo beide noch eine Dame, einen Turm und zwei oder drei Bauern haben seinen letzten Turm opfert um die Partie zu gewinnen.
Bei Bronstein ist es weniger die Rechenfähigkeit die beeindruckt als die Phantasie und Weitsicht in den herkömmlichsten Stellungen. Seine Partien sind wirklich sehr selten langweilig.
Bei Bronstein ist es weniger die Rechenfähigkeit die beeindruckt als die Phantasie und Weitsicht in den herkömmlichsten Stellungen. Seine Partien sind wirklich sehr selten langweilig.
Vabanque - 06. Sep '16
Ich habe sogar mal gelesen, dass genau dies sein Ziel gewesen ist: niemals eine langweilige Partie zu spielen.
Colorado77 - 07. Sep '16
Tolle Partie und umso schönere Kommentare (Eigtl. solltest Du eine wesentlich höhere CM-Elo haben!).
Diese Partie zeigt schön auf, warum das Falkbeer heute fast nicht mehr gespielt wird: Der Bluff rund um xf2, wenn Weiss es kennt, ist ein Bumerang. Die wackelige Stellung des Se4 und der vermeintliche Entwicklungsvorsprung verpufft in den meisten Varianten: Selbst nach Damentausch hat Weiss immer eine starke Initiative, bedingt durch den schlechten sK.
Meist entscheidet das weisse Läuferpaar und zentralisierte Türme auf d- und e-Linie die Partie für Weiss!
Diese Partie zeigt schön auf, warum das Falkbeer heute fast nicht mehr gespielt wird: Der Bluff rund um xf2, wenn Weiss es kennt, ist ein Bumerang. Die wackelige Stellung des Se4 und der vermeintliche Entwicklungsvorsprung verpufft in den meisten Varianten: Selbst nach Damentausch hat Weiss immer eine starke Initiative, bedingt durch den schlechten sK.
Meist entscheidet das weisse Läuferpaar und zentralisierte Türme auf d- und e-Linie die Partie für Weiss!
Kellerdrache - 08. Sep '16
Wahrscheinlich leidet meine CM-Elo unter meiner Kommentatoren-Tätigkeit ;-)). Ungeduld und Konzentrationslöcher sind wohl eher die Gründe!
Meine Erfahrung ist, dass das Falkbeer immer noch erstaunlich oft gespielt wird. Viele Eröffnungsbücher die sich nicht speziell dem Königsgambit widmen "widerlegen" das Gambit gerne auf 1 1/2 Seiten und schreiben dann die alten Varianten nebst Bewertungen ab.
Solchen "Widerlegungen" blind zu folgen ist natürlich sehr gefährlich und man landet schnell in völlig unbekannten Fahrwassern wenn der Gambitspieler dann z.B. wie ich beim Falkbeer Ld3 statt De2 zieht oder in der modernen Verteidigung längst Lc4 den Zug Lb5 als Hauptvariante abgelöst hat.
Meine Erfahrung ist, dass das Falkbeer immer noch erstaunlich oft gespielt wird. Viele Eröffnungsbücher die sich nicht speziell dem Königsgambit widmen "widerlegen" das Gambit gerne auf 1 1/2 Seiten und schreiben dann die alten Varianten nebst Bewertungen ab.
Solchen "Widerlegungen" blind zu folgen ist natürlich sehr gefährlich und man landet schnell in völlig unbekannten Fahrwassern wenn der Gambitspieler dann z.B. wie ich beim Falkbeer Ld3 statt De2 zieht oder in der modernen Verteidigung längst Lc4 den Zug Lb5 als Hauptvariante abgelöst hat.
Colorado77 - 08. Sep '16
Von Widerlegungen kann objektiv eigtl keine Rede sein. Recht unangenehm finde ich als Weisser das Hahnstein Gambit (Fischer Verteidigung) gegen das Königsspringergambit (d6, Sc6, Lg7, Sge7, 00) sowie die moderne Verteidigung insgesamt. Leider kann das Lc4 nicht so wirklich empfohlen werden. In der Variante mit Bauernopfer (Sxd5, Lxd5-Dxd5, Sc3 ist Df5 stark) und somit bleibt nur das langweilige Lb5+, um ein =+ zu vermeiden. GM Shaw hat in seiner KG-Bibel einiges dazu analysiert.
Kellerdrache - 09. Sep '16
Naja was Lc4 angeht gehen die Meinungen wohl ziemlich auseinander. Meine Erfahrungen damit sind eigentlich ziemlich positiv. Da ich meine Varianten nicht nur in Hinsicht auf ihre prozentuale Effektivität wähle, sondern auch danach ob mich die entstehenden Stellungen interessieren kommt Lb5+ allein deswegen schon nicht in Betracht. Es sei denn man kombiniert es mit dem unverschämten Se5, was glaube ich Stefan Bücker mal vorgeschlagen hatte ;-)).
Colorado77 - 09. Sep '16
Lass uns doch mal diese Var. spielen:
e4 e5
f4 d5
exd exf
Sf3 Sf6
Lc4 Sxd5
00 oder Lxd5, wie Du möchtest.
Ich nehme dann Schwarz und gucke mir das mal an okay?
e4 e5
f4 d5
exd exf
Sf3 Sf6
Lc4 Sxd5
00 oder Lxd5, wie Du möchtest.
Ich nehme dann Schwarz und gucke mir das mal an okay?
Kellerdrache - 10. Sep '16
Gerne. Du müsstest mich nur einladen, weil anders herum gerade nicht geht
pirc_ - 10. Sep '16
Eine schöne Partie. Es gibt auch eine Partie von dem "Isländer" Weltmeister Bobby Fischer, in welcher er in 15 Zügen mit den weißen Steinen im Falkbeer verliert ;-)
Vabanque - 10. Sep '16
Das war dann aber wahrscheinlich in einem Simultan ...
Vabanque - 11. Sep '16
Du kannst die Partie gerne hier posten, vielleicht auch als sozusagen ergänzende Folge VIa (denn Folge VI war ja Fischers Verlustpartie gegen Geller) dieser Reihe :)