Kommentierte Spiele
König der Exoten
Kellerdrache - 11. Mai '15
Bei einem der letzten Vereinsabende erzählte ich einem Vereinskameraden von meiner kleinen Exotenreihe hier bei Chessmail. "Dann musst Du unbedingt was vom König der Exoten, Michael Basman vorstellen."war seine Antwort. Ich hatte zwar den Namen schon mal gehört, aber seine Partien kannte ich nicht.
Also habe ich die große Chessbase Datenbank durchforstet und mir etliche seiner Partien angesehen. Ohne ihn persönlich zu kennen spricht aus den Partien eine ausgesprochen originelle Persönlichkeit. Basman war zu seiner besten Zeit ein Spieler jenseits der 2500er Marke, wurde aber nie Großmeister. Im Bereich der Eröffnungen versuchte er einfach alles. Wenig übliche Varianten wie den O'Kelly Sizilianer (1.e4 c5 2.Sf3 a6 3...b5) und auch Züge wie 1.a3 oder 1.h3 - alles war ihm eine Erforschung wert. Aber nicht nur in den Eröffnungen, auch im Mittelspiel folgt er oft ungewöhnlichen Ideen. Nicht alle davon trugen Früchte, aber viele schienen seine Gegner so zu verwirren, dass diese vollkommen den Faden verloren.
Jedem der sich selber mal mit Basmans Partien beschäftigen möchte, kann ich sagen, dass sie zwar oft etwas kompliziert, manchmal auch arg positionell, aber immer sehr phantasiereich sind. Ich habe versucht ein Beispiel auszuwählen, welches sowohl typisch als auch verständlich ist. Also viel Spaß !!































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Also habe ich die große Chessbase Datenbank durchforstet und mir etliche seiner Partien angesehen. Ohne ihn persönlich zu kennen spricht aus den Partien eine ausgesprochen originelle Persönlichkeit. Basman war zu seiner besten Zeit ein Spieler jenseits der 2500er Marke, wurde aber nie Großmeister. Im Bereich der Eröffnungen versuchte er einfach alles. Wenig übliche Varianten wie den O'Kelly Sizilianer (1.e4 c5 2.Sf3 a6 3...b5) und auch Züge wie 1.a3 oder 1.h3 - alles war ihm eine Erforschung wert. Aber nicht nur in den Eröffnungen, auch im Mittelspiel folgt er oft ungewöhnlichen Ideen. Nicht alle davon trugen Früchte, aber viele schienen seine Gegner so zu verwirren, dass diese vollkommen den Faden verloren.
Jedem der sich selber mal mit Basmans Partien beschäftigen möchte, kann ich sagen, dass sie zwar oft etwas kompliziert, manchmal auch arg positionell, aber immer sehr phantasiereich sind. Ich habe versucht ein Beispiel auszuwählen, welches sowohl typisch als auch verständlich ist. Also viel Spaß !!
Basman, Michael J Plaskett, Jim BCF-ch 78th | Eastbourne | 9 | 1991 | A00 | 1:0
8








7








6
5
4
3
2








a
1

b

c

d

e

f

g

h

1. h3 e5 2. c4 f5 Plaskett nimmt vom Anfang an den Kampf an. Er macht nicht einfach nur neutrale Entwicklungszüge. Der Plan hinter h3 kann ja nur Raumgewinn am Königsflügel durch g4 usw. sein, also stemmt er sich dagegen 3. g4 d6 4. Sc3 Ein Paar Züge lang kann Schwarz auf g4 einen Bauern gewinnen (z. B.4...fxg4 5.hxg4 Lxg4) aber damit gäbe er Basman leider auch das Feld e4 in die Hände g6 5. Lg2 Lg7 Eine ausgesprochen seltsame Stellung. Weiß hat keinen Bauern im Zentrum, Schwarz kontrolliert die zentralen Felder auf der 4. Reihe, hat aber keinen Angriffspunkt. Hier ist es sehr schwer einen Plan zu entwickeln. Basman beschränkt sich erstmal darauf weiteren Fortschritt des Gegners im Zentrum zu verhindern 6. d3 Sf6 7. xf5 Mit 6...Sf6 hat Schwarz die Drohung auf g4 Material zu gewinnen verstärkt. Der Springer kann sowohl selber, nach fxg4 hxg4 auf g4 nehmen und in Kombination mit Dh4 den Punkt f2 bedrohen als auch von f6 aus verhindern, dass ein weißer Springer auf e4 auftaucht. xf5 7...Lxf5 hinterlässt einen gesunderen Königsflügel, gibt aber dafür Weiß einen größeren Anteil am Zentrum 8. Sf3 Sc6 Auf 8...e4 9.dxe4 fxe4 kommt einfach 10. Sg5 9. Lg5 Für alle weißen Leichtfiguren sind gute Felder gefunden. Auch ohne sich auf einen aktiven Zentrumskampf einzulassen hat Basman sich problemlos entwickelt. Se7 Verhindert erstmal Sd5 und bereitet die Wanderung zum Königsflügel vor. 10. Tg1 Schwarz hat ein Problem zu entscheiden wohin er rochieren soll. Auf der kurzen Seite regnet es ganz fürchterlich rein und auf die lange Seite schauen schon der Springer von c3, der Lg2 und nach Db3 oder Da4 auch die Dame h6 11. Ld2 O-O 12. Dc2 Nachdem sich Plaskett entschieden hat rochiert Weiß jetzt auf der anderen Seite. Wem wird es gelingen einen Königsangriff zu entwickeln ? Schwarz muß zuerst noch seine Figuren so positionieren, dass sie auch am Angriff teilnehmen könnten. Weiß hat unterdessen zumindest schon mal eine offene Linie in die gegnerische Burg hinein und drückt auf den schwachen h6 Le6 13. Lh1 f4 Dieser Zug gefällt mir nicht wirklich. Ich vermute, die Idee war f5 als Plattform für die schwarzen Figuren frei zu machen. Die Kehrseite ist, dass Weiß jetzt deutlich Beweglichkeit im Zentrum gewinnt und eventuell die Diagonale b1-h7 nutzen kann. 14. d4 Lf5 Schwarz übernimmt die Kontrolle über die wichtige Diagonale. Bei 14...exd4 15.Sxd4 wäre Weiß am Steuer gewesen 15. Db3 Sg6 Jetzt kann man den e-Bauern vorziehn ohne das f4 fällt 15... e4 16. Nh4 16. xe5 geht nicht 16. Qxb7 ? Es könnte folgen.. Rb8 17. Qxa7 Rxb2 zwar hat Weiß einen Bauern mehr, aber dafür einen gegnerischen Turm auf der zweiten Reihe und die Zetrumskontrolle in schwarzen Händen. Das war Basman wohl zu teuer für ein simples Randbäuerchen. xe5 17. O-O-O ein aggres iver und riskanter Zug. Immerhin strahlt der Lf5 bis weit in die Königsstellung hinein De7 18. e4 hmmm, der Bauer e4 ist einmal gedeckt, aber zweimal angegriffen fe3 18... Nxe4 19. Nxe4 Bxe4 20. c5+ Kh7 21. Bb4 c6 22. Rd6 Weiß steht zwar aktiv, aber man hätte eben einen Bauern mehr. Ich wette viele unter uns hätten zugeschlagen 19. Lxe3 Von Plasketts stolzem Zentrum ist nur noch ein schwächlicher Isolani auf e5 übrig geblieben. c6 20. c5+ Das Schach ist hier nur Nebensache. Basman schafft sich ein Einbruchsfeld auf d6 Kh7 20... Be6 21. Qa4 Bf7 22. Rd6 21. Td6 Tad8 22. Tgd1 Sh5 23. Sd2 Shf4 23... Rxd6 24. cxd6 Qxd6 25. Nde4 Qc7 26. Bc5 Rd8 27. Nd6 24. Sde4 Lxh3 eines der vielen Bauerngeschenke, die Basman in dieser Partie machte. Positionelle Verbesserungen sind ihm wichtiger als Material 25. Da4 Lg4 Meiner Meinung nach ein sinnloser Zug. Der Läufer kann mit Tempo angegriffen werden, was Weiß dann die Zeit gibt sich seinen Bauern zurück zu holen. 26. Tg1 h5 27. Dxa7 Lh6 28. Txd8 Txd8 29. Kb1 sonst konnte der schwarze Springer ja mit Schach nach d3. Plaskett hat die offene d-Linie unter Kontrolle, kommt aber nicht dazu dies auszunutzen. Sh4 30. Da4 Sf3 31. Lxf3 Lxf3 32. Dc2 Durch den Abtausch auf f3 ist jetzt die g-Linie komplett geöffnet und Basman nimmt die Diagonale b1-h7 in Besitz. Von h3 oder g4 aus hätte der Läufer sich immer auf f5 dagegen stellen können. Schwarz hat die negativen Folgen des von ihm eingeleiteten Abtauschs nicht vohergesehen. Kh8 33. Sd6 Dh7 Die weiße Dame soll nicht nach g6 reisen können. 33... Rg8 34. Rxg8+ Kxg8 35. Nf5 Qf6 36. Nxh6+ Qxh6 37. Qf5 Qg7 38. Bxf4 hätte das Problem, glaube ich, besser gelöst 34. Sce4 h4 35. Sf6 Wenn die Da me getauscht wird ist f7 frei für den Springer von d6. Sollte der Turm z.B. nach einem Tausch der Königinnen auf c2 mit Tf8 die Deckung übernehmen wollen, kommt trotzdem Sf7+. Schlägt der Turm wird auf g8 matt gesetzt