Kommentierte Spiele

Spektakuläre Spielzüge (III)

Vabanque - 08. Mai '16
Vorliegende 1946 in der Jugoslawischen Meisterschaft gespielte Partie besticht nach sowieso schon sehr lebhaftem Verlauf vor allem durch ihren 'Knalleffekt' am Schluss.
Unter 'Glanzpartien unbekannter Spieler' konnte ich diese Partie jedoch nicht einreihen, denn der Sieger, der spätere GM Trifunovic, dürfte doch einer Reihe von Schachfreunden durchaus ein Begriff sein.

Mladen Subaric Petar Trifunovic JUG-ch Zagreb | 18 | 1946 | D39 | 0:1
8
7
6
5
4
3
2
a
1
b
c
d
e
f
g
h
1. d4 Sf6 2. c4 e6 3. Sf3 d5 4. Lg5 Dadurch dass Weiß hier das 'normale' Sc3 vermeidet, ermöglicht er den Übergang in die so genannte Wiener Variante, die durch äußerst scharfes Spiel gekennzeichnet ist und Mitte des 20. Jahrhunderts Gegenstand ausführlicher Analysen war. Ich kann im Rahmen meiner Kommentare hier bloß ein paar grundlegende Ideen dieses hochinteressanten Abspiels erwähnen. Lb4+ 5. Sc3 xc4 Da Schwarz den Bauern mit b7-b5 zu behaupten droht, muss Weiß energische Maßnahmen ergreifen. 6. e4 c5
Dieser Gegenschlag gegen das weiße Zentrum ist hier der übliche Zug. Nach b5 7. e5 vielleicht noch besser ist 7. a4 h6 8. Lh4 g5 9. Sxg5 xg5 10. Lxg5 dürfte Weiß im Vorteil sein.
7. Lxc4 xd4 8. Sxd4 Lxc3+ Auch das sofortige Da5 ist hier gespielt worden. 9. xc3 Da5 Greift g5 und c3 an. Gewinnt Schwarz denn jetzt nicht entscheidendes Material? 10. Lxf6 Dxc3+ 11. Kf1 Dxc4+ Obwohl dieser Läufer jetzt mit Schach fällt, ist daran kein Segen für Schwarz. Er hätte besser daran getan, 11... gxf6 zu spielen. 12. Kg1 Sd7 Jetzt geht gxf6 nämlich nicht mehr wegen Tc1 nebst Txc8+ und Txh8, wonach für Schwarz sämtliche Lichter ausgingen. Schwarz hat also keine Figur gewonnen, und den eroberten Bauern bekommt Weiß auch gleich zurück. 13. Lxg7 Tg8 Allerdings hat Weiß dem Schwarzen damit die g-Linie geöffnet, was keineswegs ungefährlich ist, wie sich bald zeigen wird. 14. Lh6
Die Einschaltung von Tc1 hätte sich hier empfohlen, obwohl Weiß dann den Bauern a2 hätte opfern müssen. Aber es wäre wichtig gewesen, die schwarze Dame von der latenten Bedrohung des weißen Sd4 abzulenken. Es hätte sich auch folgende brillante Variante entwickeln können: 14. Tc1 Db4 besser wie gesagt Dxa2 oder - weniger riskant - Da6, um jedenfalls e6 gedeckt zu halten 15. Sxe6! xe6 16. Dh5+ Kd8 17. Dxh7 Te8? nötig ist das traurige Txg7 18. Lf6+!! Sxf6
Te7 19. Dg8+
19. Dc7#
Se5 Nun übernimmt Schwarz die Initiative. Er droht Dxd4! nebst Sf3+. So viel zur Gefährlichkeit der halboffenen g-Linie und der Unterlassung von Tc1. 15. Le3 Aber Weiß sieht die Drohung, und noch ist ja alles bequem zu decken. Interessanterweise wird ihm eine ähnliche Wendung wie die, welche er gerade jetzt verhindert hat, später in weit raffinierterer Form zum Verhängnis werden. Sg4 Schwarz stichelt aber weiter. 'Stänkerzüge' nannte ein ehemaliger Vereinskollege so etwas. 16. Lc1 Na, das ist schon etwas seltsam. Warum spielt Weiß nicht den natürlichen Zug Dd2 (oder auch Df3)? Der Abtausch des Le3 wäre doch nicht schlimm. Ld7 17. h3 Se5 Stärker war hier La4! 18. Le3 Jetzt ist für Weiß alles wieder halbwegs im Lot. Oder? La4?! Häufig haben zweifelhafte Züge mehr Erfolg als korrekte. Denn nun hätte Weiß die Gelegenheit gehabt, mit 19. Dh5! für ihn vorteilhafte Verwicklungen herbeizuführen. Zu dem Spiel des Schwarzen fällt mir spontan ein Zitat von Aljechin ein: 'Sie haben nur gewonnen, weil sie falsch gespielt haben! Hätten Sie richtig gespielt, wären Sie über ein Remis nicht hinausgekommen!' 19. Dc1?? Dieser plausible Zug verliert, aber er verliert sehr hübsch. Auf Dd2 wäre die gleiche vernichtende Antwort erfolgt. Dxd4!!
Nach diesem Donnerschlag gab Weiß auf: Dxd4 20. Lxd4 Sf3+ 21. Kf1 Lb5+ 22. Dc4 Lxc4# Eine sehr ungewöhnliche Mattwendung.
PGN anzeigen
[Event "JUG-ch Zagreb"]
[Site "?"]
[Date "1946.??.??"]
[EventDate "2014.03.07"]
[Round "18"]
[Result "0-1"]
[White "Mladen Subaric"]
[Black "Petar Trifunovic"]
[ECO "D39"]

1. d4 Nf6 2. c4 e6 3. Nf3 d5 4. Bg5 {Dadurch dass Weiß hier das 'normale' Sc3 vermeidet, ermöglicht er den Übergang in die so genannte Wiener Variante, die durch äußerst scharfes Spiel gekennzeichnet ist und Mitte des 20. Jahrhunderts Gegenstand ausführlicher Analysen war. Ich kann im Rahmen meiner Kommentare hier bloß ein paar grundlegende Ideen dieses hochinteressanten Abspiels erwähnen.} Bb4+ 5. Nc3 dxc4 {Da Schwarz den Bauern mit b7-b5 zu behaupten droht, muss Weiß energische Maßnahmen ergreifen.} 6. e4 c5 ({Dieser Gegenschlag gegen das weiße Zentrum ist hier der übliche Zug. Nach} b5 7. e5 {vielleicht noch besser ist 7. a4} h6 8. Bh4 g5 9. Nxg5 hxg5 10. Bxg5 {dürfte Weiß im Vorteil sein.})
7. Bxc4 cxd4 8. Nxd4 Bxc3+ {Auch das sofortige Da5 ist hier gespielt worden.} 9. bxc3 Qa5 {Greift g5 und c3 an. Gewinnt Schwarz denn jetzt nicht entscheidendes Material?} 10. Bxf6 Qxc3+ 11. Kf1
Qxc4+ {Obwohl dieser Läufer jetzt mit Schach fällt, ist daran kein Segen für Schwarz. Er hätte besser daran getan, 11... gxf6 zu spielen.} 12. Kg1 Nd7 {Jetzt geht gxf6 nämlich nicht mehr wegen Tc1 nebst Txc8+ und Txh8, wonach für Schwarz sämtliche Lichter ausgingen. Schwarz hat also keine Figur gewonnen, und den eroberten Bauern bekommt Weiß auch gleich zurück.} 13. Bxg7 Rg8 {Allerdings hat Weiß dem Schwarzen damit die g-Linie geöffnet, was keineswegs ungefährlich ist, wie sich bald zeigen wird.} 14. Bh6 ({Die Einschaltung von Tc1 hätte sich hier empfohlen, obwohl Weiß dann den Bauern a2 hätte opfern müssen. Aber es wäre wichtig gewesen, die schwarze Dame von der latenten Bedrohung des weißen Sd4 abzulenken. Es hätte sich auch folgende brillante Variante entwickeln können:} 14. Rc1 Qb4 {besser wie gesagt Dxa2 oder - weniger riskant - Da6, um jedenfalls e6 gedeckt zu halten} 15. Nxe6! fxe6 16. Qh5+ Kd8 17. Qxh7 Re8? {nötig ist das traurige Txg7} 18. Bf6+!! Nxf6 (Re7 19. Qg8+) 19. Qc7#) Ne5 {Nun übernimmt Schwarz die Initiative. Er droht Dxd4! nebst Sf3+. So viel zur Gefährlichkeit der halboffenen g-Linie und der Unterlassung von Tc1.} 15. Be3 {Aber Weiß sieht die Drohung, und noch ist ja alles bequem zu decken. Interessanterweise wird ihm eine ähnliche Wendung wie die, welche er gerade jetzt verhindert hat, später in weit raffinierterer Form zum Verhängnis werden.} Ng4 {Schwarz stichelt aber weiter. 'Stänkerzüge' nannte ein ehemaliger Vereinskollege so etwas.} 16. Bc1 {Na, das ist schon etwas seltsam. Warum spielt Weiß nicht den natürlichen Zug Dd2 (oder auch Df3)? Der Abtausch des Le3 wäre doch nicht schlimm.}
Bd7 17. h3 Ne5 {Stärker war hier La4!} 18. Be3 {Jetzt ist für Weiß alles wieder halbwegs im Lot. Oder?} Ba4?! {Häufig haben zweifelhafte Züge mehr Erfolg als korrekte. Denn nun hätte Weiß die Gelegenheit gehabt, mit 19. Dh5! für ihn vorteilhafte Verwicklungen herbeizuführen. Zu dem Spiel des Schwarzen fällt mir spontan ein Zitat von Aljechin ein: 'Sie haben nur gewonnen, weil sie falsch gespielt haben! Hätten Sie richtig gespielt, wären Sie über ein Remis nicht hinausgekommen!'} 19. Qc1?? {Dieser plausible Zug verliert, aber er verliert sehr hübsch. Auf Dd2 wäre die gleiche vernichtende Antwort erfolgt.} Qxd4!! ({Nach diesem Donnerschlag gab Weiß auf:} 19... Qxd4 20. Bxd4 Nf3+ 21. Kf1 Bb5+ 22. Qc4 Bxc4# {Eine sehr ungewöhnliche Mattwendung.}) 0-1

Kellerdrache - 09. Mai '16
Das ist doch mal ein wirklich originelles Mattbild (wenn auch nur in Form der Schlußvariante). Die Herumfahrerei des weißen Läufers hat Schwarz das Tempo geschenkt was er für das Schlußbild brauchte.
alms - 10. Mai '16
Schönes Mattbild und schwer zu sehen, weil man mit einem weißen König auf g1 wahrscheinlich ausblendet, dass das Feld h1 durch einen Turm blockiert ist. Normalerweise ist der ja wegrochiert worden.