Kommentierte Spiele
Glanzpartien unbekannter Spieler (XVIII)
Vabanque - 07. Mai '14
Nur 34 Jahre ist Nikolai Riumin (1908-1942) alt
geworden. Sein größter Erfolg, ein zweiter Platz im
Leningrader Turnier 1934 (nur einen halben Punkt hinter
Botwinnik, und vor Euwe), weist auf eine ganz
außerordentliche Spielstärke hin. Heute ist er
vergessen, wie viele begabte Spieler jener Zeit, die
entweder früh ums Leben kamen, oder aus anderen Gründen
keine dauerhaften Erfolge erringen konnten.
In der vorliegenden Partie startet er schon im 13. Zug
mit den schwarzen Steinen eine ganz bemerkenswerte
Kombination, die in einem problemartigen Manöver im 19.
und 20. Zug gipfelt.































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geworden. Sein größter Erfolg, ein zweiter Platz im
Leningrader Turnier 1934 (nur einen halben Punkt hinter
Botwinnik, und vor Euwe), weist auf eine ganz
außerordentliche Spielstärke hin. Heute ist er
vergessen, wie viele begabte Spieler jener Zeit, die
entweder früh ums Leben kamen, oder aus anderen Gründen
keine dauerhaften Erfolge erringen konnten.
In der vorliegenden Partie startet er schon im 13. Zug
mit den schwarzen Steinen eine ganz bemerkenswerte
Kombination, die in einem problemartigen Manöver im 19.
und 20. Zug gipfelt.
S Slonim Riumin Moscow | Moscow | 1932 | C45 | 0:1
8








7








6
5
4
3
2








a
1

b

c

d

e

f

g

h

1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. d4 xd4 4. Sxd4 Sf6 Weiß zeigt in dieser Partie auf sehr lehrreiche Weise, wie man dieses Abspiel der Schottischen Eröffnung nicht behandeln sollte. 5. Sxc6 xc6 6. Sc3 Schärfer ist hier e5. Mit dem Textzug kann sich Weiß keinen Vorteil erwarten. Lb4 7. Lg5?! Statt mit dieser Fesselung, sollte Weiß seinen e-Bauern besser gleich mit Ld3 decken. In offenen Partien ist die alte Regel, den Königsflügel vor dem Damenflügel zu entwickeln, meistens richtig. De7 Mit diesem Zug droht Schwarz Dxe4+ und verschafft sich gleichzeitig die Möglichkeit, die Dame aktiv nach e5 zu führen. 8. Ld3 De5 Schwarz entfesselt damit den Sf6 und droht Dxg5, Lxc3+ sowie Sxe4. 9. Ld2 d5 Kommt Schwarz in einer offenen Partie zu diesem Zug, bedeutet das meistens Ausgleich. 10. De2?! Merkwürdigerweise spielt Weiß auf die lange Rochade, trotz der halboffenen b-Linie. Welche Einwände hat er wohl gegen die kurze Rochade gesehen? Nach 10. O-O könnte Schwarz auf e4 jedenfalls auch keinen Bauern gewinnen, wegen der Möglichkeit des weißen Turms, dann auf die e-Linie zu kommen und die schwarze Dame zu fesseln. Auch mit (10. O-O) d4 11. Se2 Lxd2 nebst Sxe4 wäre kein Bauer zu gewinnen, da dann d4 ebenfalls hinge. O-O 11. O-O-O?! Wie schon gesagt, ist die lange Rochade hier sehr gewagt. Am besten hätte hier Weiß wahrscheinlich mit exd5 auf Damentausch gespielt und bei sorgfältiger Fortsetzung noch Ausgleich erlangen können. Tb8 Schwarz beeilt sich, die b-Linie zu besetzen. Er hätte allerdings besser zuvor d4! spielen sollen, um das Zentrum vor dem Flügelangriff nach Möglichkeit zu schließen. Denn jetzt hätte Weiß die Chance zu exd5 mit Damentausch immer noch gehabt. 12. f4? Es ist zwar verständlich, dass Weiß die schwarze Dame von ihrer zentralen Position verdrängen will, aber die Schattenseiten des Zuges zeigen sich schnell. De7 Urplötzlich droht am einen Flügel Lg4 mit Qualitätsgewinn, und am anderen Flügel La3! Weiß ist verloren. 13. xd5 Pariert scheinbar beide Drohungen, weil Weiß dann jeweils die Damen tauschen kann. La3!! Trotzdem! Versucht Weiß jetzt mit Dxe7 die Damen zu tauschen, schlägt Schwarz natürlich nicht zurück, sondern kassiert mit einem Rundlauf seines La3 über b2 zuerst den Sc3, um dann über b2 wieder nach a3 zurückzukehren und die Dame zurückzuerobern. Im Klartext sieht das dann so aus: 14. Dxe7 Lxb2+ 15. Kb1 Lxc3+ 16. Kc1 Lb2+ 17. Kb1 La3+ 18. Lb4 (dieser Zug war noch einzuberechnen) Txb4+, und wenn Weiß dann die Dame nicht sofort zurückgeben will, muss er es nach 19. Ka1 Tb1+! nebst Lxe7 doch tun. Schwarz hat dann zwei Leichtfiguren gegen einen Turm und immer noch gute Initiative, sollte also letztlich gewinnen. 14. Sa4 Dieser Versuch, b2 zu decken, verliert noch drastischer als Dxe7. Lxb2+! 15. Sxb2 15. Kb1 Ld4+ 16. Kc1 Da3+. Da3 16. De5 Die einzige Möglichkeit, b2 zu decken. Te8 Aber jetzt kommt auch noch der Königsturm mit Tempo ins Spiel. Er wird bald eine Glanzrolle in diesem Drama zugewiesen bekommen. 17. Dd4 Auf das sofortige Dc3 geschähe die Schlusskombination einen Zug früher. c5 Jetzt muss die Dame erst nach c3 gezwungen werden, denn auf das sofortige Dxa2? könnte Weiß mit Lc3! das Feld d2 frei machen und gleichzeitig b2 decken, mit Gewinnstellung! 18. Dc3 Dxa2 Die Mattdrohung auf a1 ist bitter für Weiß. Zieht der Sb2, so erfolgt das Matt auf b1. Also bleibt nichts anderes übrig, als das Feld d2 frei zu machen. 19. Le1 Te2!! Der tapfere Turm verwehrt dem weißen König unter Aufopferung seines Lebens das Fluchtfeld erneut. 20. Lxe2 Erzwungen; aber jetzt ist der Ld3 von der Deckung des Feldes e4 abgelenkt, und der schwarze Springer kann dort Platz nehmen, um dem weißen König das Fluchtfeld d2 endgültig zu nehmen. Se4 Voilà! Matt auf a1 bzw. (bei Wegzug des Sb2) auf b1 ist jetzt auf keine Weise mehr zu verhindern. Weiß gab auf. Eine flotte Partie.