Kommentierte Spiele
Brillante Mattangriffe (XVII): Aljechin - Asgeirsson 1931
Vabanque - 20. Dez '15
Vorliegende Partie stammt aus einer Simultanvorstellung, die Aljechin 1931 in Island an 36 Brettern gab. Dass es sich hierbei aber nicht um ein gewöhnliches Simultan handelte, belegt der Umstand, dass sein Gegner in dieser Partie im gleichen Jahr den Titel des Meisters von Island errang (einen Erfolg, den er noch fünfmal wiederholen sollte). Aljechin hatte es hier also mit einem erfahrenen, starken Turnierspieler zu tun. Die Überlegenheit, mit der Aljechin dennoch gewann, zeigt den ungeheuren Klassenunterschied zwischen ihm und dem durchschnittlichen Meisterspieler seiner Zeit auf. Und dennoch gibt es immer wieder Leute, die behaupten, heute würde jeder durchschnittliche IM (oder sogar FM) Aljechin schlagen ...































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Alexander Alekhine Asmundur Asgeirsson Reykjavik | 1931 | C13 | 1:0
8








7








6
5
4
3
2








a
1

b

c

d

e

f

g

h

1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 Sf6 4. Lg5 Le7 5. Lxf6 Üblich wäre hier 5. e5. Mit der selten gespielten Textfortsetzung gibt Weiß das Läuferpaar auf, weil er durch den Abtausch des schwarzen Königsspringers die Verteidigung des schwarzen Königsflügels (vor allem nach der zu erwartenden schwarzen Rochade) zu schwächen hofft. In der Partie geht die Rechnung des Weißen jedenfalls auf. Lxf6 6. Sf3 O-O 7. Ld3 Te8 8. e5 Le7 9. h4 c5 Natürlich kannte Asgeirsson als erfahrener Turnierspieler das Motiv des Läuferopfers auf h7; es ist also kaum anzunehmen, dass er es übersehen hat. Aber vermutlich glaubte er in dieser Situation nicht so recht an dessen Korrektheit. 10. Lxh7+ Kxh7 11. Sg5+ Lxg5 12. xg5+ Kg8 13. Dh5 Kf8 In der Vorausberechnung (nach 9... c5) dachte Schwarz hier wohl in Sicherheit zu sein. 14. O-O-O a6 Vermutlich um Sb5 zu verhindern, oder um b7-b5 folgen zu lassen. Aber dafür hat Schwarz gar keine Zeit, wie Aljechin nachweist. 14... cxd4 war wohl besser. 15. g6! Dies wäre bereits im vorigen Zug möglich gewesen, ist aber hier noch stärker. Ke7 16. xf7 Tf8 17. xc5! Schon wieder so ein ruhiger Zug, auf den ich wahrscheinlich nie gekommen wäre. Sd7 18. Txd5!! Ein Hammerschlag, der das Brett erzittern lässt. Da5 19. Dg5+ Kxf7 20. Th7 Tg8 21. Td4 Dxc5 Sieht doch gar nicht mal so schlecht aus, da die Dame d4 und e5 zugleich angreift. 22. Txd7+! Es geht im gleichen flotten Stil weiter. Lxd7 23. Se4 Db4 Jetzt droht Schwarz immerhin Matt auf e1. Das bringt ihm aber nichts mehr. 24. Sd6+ Kf8 Schwarz müsste die Dame geben, um noch ein paar Züge weiterleben zu können. 25. Df6+! Der letzte Streich. xf6 26. Tf7# Ein schönes Matt - mit seinen letzten beiden Figuren gegen eine gewaltige materielle Übermacht.
cutter - 20. Dez '15
Eine wirklich tolle Partie!
Und der neue PGN-Viewer macht großen Spaß. Jetzt lohnt sich deine Mühe doppelt!
Danke dir.
Und der neue PGN-Viewer macht großen Spaß. Jetzt lohnt sich deine Mühe doppelt!
Danke dir.
Kellerdrache - 21. Dez '15
Ganz große Klasse und das im Blindsimultan. Wer je versucht hat auch nur eine einzelne Partie komplett ohne Ansicht des Brettes zu spielen weiß wieviel Konzentration das kostet. Moderne Meister vermeiden Blindsimultan-Vorstellungen wegen der nervlichen Belastung meistens.
Aber auch für eine normale Partie wäre vor allem der Schlußangriff, eingeläutet durch das stille dxc5, ein Nachspielen wert.
Aber auch für eine normale Partie wäre vor allem der Schlußangriff, eingeläutet durch das stille dxc5, ein Nachspielen wert.
Vabanque - 21. Dez '15
Ein Blindsimultan war es gar nicht, 'nur' ein normales Simultan.
Aber ich bereite gerade eine Partie aus einem Blindsimultan von Aljechin vor.
Aber ich bereite gerade eine Partie aus einem Blindsimultan von Aljechin vor.