Kommentierte Spiele
Angriffsschach (V): Tal - Smyslov 1959
Vabanque - 27. Nov '17
Durch einen Thread im 'Allgemeinen Forum'
/forum/topic.html?key=4f9ff75a8e004230&sv=10
wurde ich einmal mehr auf diese mir schon bekannte Partie aufmerksam gemacht.
Der von SF Mikrowelle vorgestellte Video-Kommentar und die nachfolgende Diskussion haben mich dazu ermuntert bzw. sogar herausgefordert, meine eigenen Kommentare zu der Partie zu schreiben.
Die Partie wurde im Kandidatenturnier 1959 gespielt. Smyslov hatte gerade im Vorjahr den 1957 errungenen WM-Titel an Botwinnik wieder 'zurückgeben' müssen, befand sich aber immer noch auf der Höhe seines Könnens. Tal dagegen war der Senkrechtstarter, der im folgenden Jahr Botwinnik entthronen sollte (auch wenn ihm 1961 das gleiche Schicksal widerfahren sollte wie Smyslov).
Zwei der größten Spieler der Schachgeschichte also, mit ziemlich gegensätzlichen Stilen. Ich mag beide, sowohl von ihren Partien und ihrem schachlichen Spielstil, wie auch als historische Persönlichkeiten, die jeweils sehr interessant und sympathisch waren.
In der kurzen, aber komplizierten Partie habe ich die Anmerkungen und Varianten auf das in meinen Augen Notwendigste reduziert. Daher bleiben beim Nachspielen ganz sicher Fragen offen, die im Anschluss auch gerne diskutiert werden können.
Generell kann man die Partie als eine typische Tal-Partie bezeichnen. Ohne im eigentlichen Sinne Vorteil zu erlangen, verwirrt er seinen Gegner (und es handelt sich immerhin um einen Exweltmeister!!) so lange durch fortgesetzte Verwicklung der Situation, bis dieser schließlich etwas übersieht und kollabiert.































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/forum/topic.html?key=4f9ff75a8e004230&sv=10
wurde ich einmal mehr auf diese mir schon bekannte Partie aufmerksam gemacht.
Der von SF Mikrowelle vorgestellte Video-Kommentar und die nachfolgende Diskussion haben mich dazu ermuntert bzw. sogar herausgefordert, meine eigenen Kommentare zu der Partie zu schreiben.
Die Partie wurde im Kandidatenturnier 1959 gespielt. Smyslov hatte gerade im Vorjahr den 1957 errungenen WM-Titel an Botwinnik wieder 'zurückgeben' müssen, befand sich aber immer noch auf der Höhe seines Könnens. Tal dagegen war der Senkrechtstarter, der im folgenden Jahr Botwinnik entthronen sollte (auch wenn ihm 1961 das gleiche Schicksal widerfahren sollte wie Smyslov).
Zwei der größten Spieler der Schachgeschichte also, mit ziemlich gegensätzlichen Stilen. Ich mag beide, sowohl von ihren Partien und ihrem schachlichen Spielstil, wie auch als historische Persönlichkeiten, die jeweils sehr interessant und sympathisch waren.
In der kurzen, aber komplizierten Partie habe ich die Anmerkungen und Varianten auf das in meinen Augen Notwendigste reduziert. Daher bleiben beim Nachspielen ganz sicher Fragen offen, die im Anschluss auch gerne diskutiert werden können.
Generell kann man die Partie als eine typische Tal-Partie bezeichnen. Ohne im eigentlichen Sinne Vorteil zu erlangen, verwirrt er seinen Gegner (und es handelt sich immerhin um einen Exweltmeister!!) so lange durch fortgesetzte Verwicklung der Situation, bis dieser schließlich etwas übersieht und kollabiert.
Mikhail Tal Vasily Smyslov Bled-Zagreb-Belgrade Candidates | Bled, Zagreb & Belgrade YUG | 8 | 1959.09.18 | B10 | 1:0
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1. e4 c6 2. d3 Um den üblichen Varianten aus dem Weg zu gehen. d5 3. Sd2 e5 Durch die scheinbar zurückhaltende Spielweise Tals ermutigt, glaubt Smyslov quasi die Berechtigung zu haben, sofort forsch im Zentrum aufzutreten. Das imposante schwarze Zentrum wird sich aber schon in wenigen Zügen als äußerst instabil erweisen. 4. Sgf3 Sd7 5. d4! Tal verletzt damit die Regeln; er zieht den d-Bauern in der Eröffnung schon zum zweiten Mal. Aber Smyslov findet nun nichts Besseres, als die Zentrumspannung aufzulösen, wonach Weiß als der besser Entwickelte dasteht. xe4 6. Sxe4 xd4 7. Dxd4 Sgf6 8. Lg5 Le7 9. O-O-O O-O Rochaden auf entgegengesetzte Flügel bedeuten, dass beide Seiten schleunigst zum Angriff blasen müssen. 10. Sd6 Da5 Smyslov stellt die erste konkrete Drohung (gegen den weißen a-Bauern) auf. 11. Lc4! Leistet scheinbar dem schwarzen Gegenangrif Vorschub, da der Läufer ja sofort angerempelt werden kann. Aber das routinemäßige b5 Natürlich! Muss Tal nun Lb3 spielen, wonach mit c5 der schwarze Angriff so richtig in Schwung kommt? 12. Ld2! Dieser Gegenangriff auf die schwarze Da5 ist eine sehr wichtige Einschaltung, wie man bald sehen wird. Da6 13. Sf5! Der nächste Zwischenzug. Dieser Angriff auf den Le7 bringt den weißen Springer gleich in die richtige Position gegen den schwarzen König. Ld8 14. Dh4! Auf Lb3 wäre natürlich wieder c5 gut. xc4 Smyslov nimmt die Herausforderung an. Etwas Besseres hat er hier allerdings auch nicht. Wollte er diese Stellung nicht auf dem Brett haben, hätte er eben schon nicht 11... b5 spielen dürfen. 15. Dg5 Nun erkennt man die Bedeutung des 12. Zuges von Weiß, der das Feld g5 frei gab. Sh5! Dieser zuerst befremdliche Zug ist in der Tat die beste Verteidigung! Nun ist die weiße Dame durch den Ld8 bedroht, und auf Dxh5 könnte Schwarz durch Sf6 nebst Lxf5 den weißen Angriff komplett abschlagen, und den eigenen Angriff durch Dxa2 einleiten. 16. Sh6+ Kh8 17. Dxh5 Dxa2 Mit Mattdrohung auf a1 und dem Anschein nach spielbar. 18. Lc3 Sf6?? Erst dies ist der entscheidende Fehler, der sofort verliert. Anscheinend hat Smyslov das folgende Damenopfer völlig übersehen! 19. Dxf7! Der Knalleffekt. Die Dame kann nicht genommen werden wegen Txd8+ nebst Matt. Da1+ Da auch noch der Tf8 hängt, bleibt Schwarz keine Wahl. 20. Kd2 Txf7 21. Sxf7+ Kg8 22. Txa1 Kxf7 So ist zwar 'nur' die Qualität verloren gegangen, aber da nun auch noch ein Bauer fällt und die schwarze Stellung keine Spur an Kompensation bietet, gibt Smyslov schnell auf. 23. Se5+ Ke6 24. Sxc6 Se4+ 25. Ke3 Lb6+ 26. Ld4!
Kellerdrache - 28. Nov '17
Wirklich zwei Spieler wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Smyslov war eher ein Positionsspieler, wenn auch durchaus zu ansehnlichen Kombinationen fähig, aber alles musste eben in ein klares Gesamtbild passen. Dabei unterscheidet ihn ein Sinn für Ästhetik von vielen anderen Postionsspielern. Seine besten Partien sind sozusagen harmonische Kunstwerke.
Der "Chaot" Tal ist sein absoluter Gegenpol. Initiative um jeden Preis, umso unübersichtlicher umso besser, bereit zu allerlei zweifelhaften Konzessionen um die Hand am Steuer zu behalten. Die vorliegende Partie zeigt wirklich sehr schön wie Tal Smyslov in seinen dunklen Variantenwald zieht wo der ohne seinen roten Faden gezwungen ist Tal-Schach zu spielen
Ich kannte diese Partie auch schon, sehe sie mir aber gerne immer wieder an. Deine Kommentare finde ich übrigens deutlich verständlicher als die des Youtube-Videos. Das war mir bisschen viel Show und vor allem zu wenig Erläuterung der offensichtlichen Alternativen z.B. zum 17.Zug.
Der "Chaot" Tal ist sein absoluter Gegenpol. Initiative um jeden Preis, umso unübersichtlicher umso besser, bereit zu allerlei zweifelhaften Konzessionen um die Hand am Steuer zu behalten. Die vorliegende Partie zeigt wirklich sehr schön wie Tal Smyslov in seinen dunklen Variantenwald zieht wo der ohne seinen roten Faden gezwungen ist Tal-Schach zu spielen
Ich kannte diese Partie auch schon, sehe sie mir aber gerne immer wieder an. Deine Kommentare finde ich übrigens deutlich verständlicher als die des Youtube-Videos. Das war mir bisschen viel Show und vor allem zu wenig Erläuterung der offensichtlichen Alternativen z.B. zum 17.Zug.
Hasenrat - 28. Nov '17
Ja, hier versteht man die Partie zweifelsohne besser.
Vabanque - 28. Nov '17
Kellerdrache hat es wieder mal auf den Punkt gebracht!
Gunst - 29. Nov '17
einfach mal Danke. Ich denke, dass viele User hier die Partien nachspielen und sich daran erfreuen. Vor allem an den Kommentaren. Nicht jeder meldet sich aber hier, so dass der falsche Eindruck entsteht, ihr arbeitet für den Papierkorb.
Okute - 29. Nov '17
Die Kommentierung hat auch mir beim Nachspielen wieder Freude bereitet.
Aber nun möchte ich mal den wiederholten Aufforderungen nachkommen und eine Frage dazu stellen, in der Hoffnung, nicht als kompletter Idiot dazustehen, weil ich wieder etwas Offensichtliches übersehen habe.
In der Kommentierung heißt es:
"... Dagegen würde nach Se8? Weiß seine Figur mit 16. Dxd8 Dxa2 17. Da5 vorteilhaft zurückgewinnen. ..."
Für mich sieht es aber so aus, als wenn Schwarz nach dem Tausch der Damen dann immer noch einen Bauern mehr gewonnen hätte. Wo also liegt dann der Vorteil von Weiß?
Gruß,
Andreas
Aber nun möchte ich mal den wiederholten Aufforderungen nachkommen und eine Frage dazu stellen, in der Hoffnung, nicht als kompletter Idiot dazustehen, weil ich wieder etwas Offensichtliches übersehen habe.
In der Kommentierung heißt es:
"... Dagegen würde nach Se8? Weiß seine Figur mit 16. Dxd8 Dxa2 17. Da5 vorteilhaft zurückgewinnen. ..."
Für mich sieht es aber so aus, als wenn Schwarz nach dem Tausch der Damen dann immer noch einen Bauern mehr gewonnen hätte. Wo also liegt dann der Vorteil von Weiß?
Gruß,
Andreas
Vabanque - 29. Nov '17
Hallo Andreas/Okute,
erstmal danke für deine ausführliche Frage.
Die ist in diesem Fall sogar sehr leicht zu beantworten: Ich hatte beim Kommentieren schlicht und einfach übersehen, dass Schwarz ja einen Mehrbauern hat!
Der 'komplette Idiot' war also sozusagen ich selber!
(Ich muss irgendwie unbewusst gedacht haben, dass Tal für die geopferte Figur etwas Material, z.B. einen Bauern hatte, was aber nicht der Fall war.)
Nach 15... Se8 16. Dxd8 Dxa2 gibt Tal selber übrigens nicht 17. Da5, sondern 17. Lc3 an. Natürlich tauscht er seinem Stil gemäß nicht die Damen, sondern spielt weiter auf Angriff.
Dann dachte ich mir beim Kommentieren: 'Aber ist Da5 nicht sicherer und einfacher?'
Im Übrigen glaube ich bei nochmaliger Betrachtung der Stellung, dass mein Kommentar trotzdem nicht falsch ist, erstens ist der schwarze Mehrbauer ein isolierter Doppelbauer (und der a-Bauer ist ebenfalls isoliert), so dass er unbedeutend ist, und zweitens hat Weiß auch nach dem Damentausch die weitaus bessere und aktivere Figurenstellung. Weiß hat also wahrscheinlich mindestens Kompensation für den Bauern, wahrscheinlich aber mehr.
Hoffe damit geholfen zu haben :)
Und ihr anderen stumment Mitleser da draußen, nehmt euch SF Okute zum Vorbild und traut euch zu fragen!
LG Vabanque
P.S. Und wo sind die Kritiker alle hin?
erstmal danke für deine ausführliche Frage.
Die ist in diesem Fall sogar sehr leicht zu beantworten: Ich hatte beim Kommentieren schlicht und einfach übersehen, dass Schwarz ja einen Mehrbauern hat!
Der 'komplette Idiot' war also sozusagen ich selber!
(Ich muss irgendwie unbewusst gedacht haben, dass Tal für die geopferte Figur etwas Material, z.B. einen Bauern hatte, was aber nicht der Fall war.)
Nach 15... Se8 16. Dxd8 Dxa2 gibt Tal selber übrigens nicht 17. Da5, sondern 17. Lc3 an. Natürlich tauscht er seinem Stil gemäß nicht die Damen, sondern spielt weiter auf Angriff.
Dann dachte ich mir beim Kommentieren: 'Aber ist Da5 nicht sicherer und einfacher?'
Im Übrigen glaube ich bei nochmaliger Betrachtung der Stellung, dass mein Kommentar trotzdem nicht falsch ist, erstens ist der schwarze Mehrbauer ein isolierter Doppelbauer (und der a-Bauer ist ebenfalls isoliert), so dass er unbedeutend ist, und zweitens hat Weiß auch nach dem Damentausch die weitaus bessere und aktivere Figurenstellung. Weiß hat also wahrscheinlich mindestens Kompensation für den Bauern, wahrscheinlich aber mehr.
Hoffe damit geholfen zu haben :)
Und ihr anderen stumment Mitleser da draußen, nehmt euch SF Okute zum Vorbild und traut euch zu fragen!
LG Vabanque
P.S. Und wo sind die Kritiker alle hin?
Mikrowelle - 29. Nov '17
Lieber SF vabanque: Selbst ich verstehe die Partie mit deiner Kommentierung viel besser als mit der Videoversion von outraychess, die mir trotzdem gut gefallen hat und gerade bei der jüngeren Generation bzw. Schachanfängern Lust und Spaß am Schachspiel entfachen dürfte. Danke für die Kommentierung.
Vabanque - 29. Nov '17
Hallo Mikrowelle,
klar, das ist ja ein ganz anderer Ansatz von denen. Ich habe auch generell nichts gegen 'Show' (wie Kellerdrache es nannte), aber erstens gehört in meinen Augen zur Vermittlung von tatsächlichem Schachverständnis etwas mehr als Show (leider ist dafür eine gewisse Trockenheit dann unumgänglich), und zweitens stellten sich bei mir - als überzeugtem Pazifisten und Antimilitaristen - gerade bei dieser Art von Präsentation sämtliche Nackenhaare auf.
klar, das ist ja ein ganz anderer Ansatz von denen. Ich habe auch generell nichts gegen 'Show' (wie Kellerdrache es nannte), aber erstens gehört in meinen Augen zur Vermittlung von tatsächlichem Schachverständnis etwas mehr als Show (leider ist dafür eine gewisse Trockenheit dann unumgänglich), und zweitens stellten sich bei mir - als überzeugtem Pazifisten und Antimilitaristen - gerade bei dieser Art von Präsentation sämtliche Nackenhaare auf.
siramon - 29. Nov '17
Hey Vabanque
> Ich habe auch generell nichts gegen 'Show' (wie Kellerdrache es nannte), aber erstens gehört in meinen Augen zur Vermittlung von tatsächlichem Schachverständnis etwas mehr als Show (leider ist dafür eine gewisse Trockenheit dann unumgänglich), [...]
Wenn es primär darum geht Leute für Schach zu begeistern, ist ein bisschen Spass und Show durchaus angebracht. Möchte man Dinge später auch verstehen und dazulernen ist die gewisse Trockenheit vielleicht gegeben. Ist ja auch bei anderen Disziplinen so.
> und zweitens stellten sich bei mir - als überzeugtem Pazifisten und Antimilitaristen - gerade bei dieser Art von Präsentation sämtliche Nackenhaare auf.
Schach hat einen militärischen Hintergrund [1], da darf man dieses Metier durchaus referenzieren - oder wie im genannten Video wohl eher persiflieren.
[1] vergl. Chaturanga, da hiessen die Figuren Ràja (König), Mantri (Berater), Ratha (Wagen), Gaja (Elefant), Ashva (Springer) und Padàti (Fusssoldat)
Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Chaturanga
> Ich habe auch generell nichts gegen 'Show' (wie Kellerdrache es nannte), aber erstens gehört in meinen Augen zur Vermittlung von tatsächlichem Schachverständnis etwas mehr als Show (leider ist dafür eine gewisse Trockenheit dann unumgänglich), [...]
Wenn es primär darum geht Leute für Schach zu begeistern, ist ein bisschen Spass und Show durchaus angebracht. Möchte man Dinge später auch verstehen und dazulernen ist die gewisse Trockenheit vielleicht gegeben. Ist ja auch bei anderen Disziplinen so.
> und zweitens stellten sich bei mir - als überzeugtem Pazifisten und Antimilitaristen - gerade bei dieser Art von Präsentation sämtliche Nackenhaare auf.
Schach hat einen militärischen Hintergrund [1], da darf man dieses Metier durchaus referenzieren - oder wie im genannten Video wohl eher persiflieren.
[1] vergl. Chaturanga, da hiessen die Figuren Ràja (König), Mantri (Berater), Ratha (Wagen), Gaja (Elefant), Ashva (Springer) und Padàti (Fusssoldat)
Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Chaturanga
Kellerdrache - 29. Nov '17
Naja, ich denke beim Schach steigt der Genuß mit dem Verständnis. Ich habe auch kein Problem mit blumiger oder meinetwegen blutrünstiger Ausdrucksweise wenn sie denn dem Verständlichmachen der Partie dient. Den Eindruck hatte ich beim besagten Youtube-Kommentar eben nicht so sehr.
Das mit dem militärischen Hintergrund des Schachs ist was seinen Ursprung anbetrifft sicher richtig, dürfte aber seit dem Mittelalter kaum noch diese Bedeutung haben. Da gehörte es zu den Dingen die die gebildete Frau zu können hatte damit sie einem männlichen Gast auf sittsame Weise die Zeit vertreiben konnte ;-)). Smyslov und Tal passen ja auch als Protagonisten nicht so richtig in ein militärisches Bild
Das mit dem militärischen Hintergrund des Schachs ist was seinen Ursprung anbetrifft sicher richtig, dürfte aber seit dem Mittelalter kaum noch diese Bedeutung haben. Da gehörte es zu den Dingen die die gebildete Frau zu können hatte damit sie einem männlichen Gast auf sittsame Weise die Zeit vertreiben konnte ;-)). Smyslov und Tal passen ja auch als Protagonisten nicht so richtig in ein militärisches Bild
Canal_Prins - 29. Nov '17
@ Vabanque
Partie Tal- Smyslov
wenn Smyslov im 17. Zug anstatt K h7 g7 spielen würde, dann käme ein Remis wegen3- facher Stellungswiederholung in Betracht- oder irre ich mich da ?
LG C_P
Da haste einen SUPER- Kommentar geschrieben, der eine Menge Zeit in Anspruch nahm.
DANKE !!!
Partie Tal- Smyslov
wenn Smyslov im 17. Zug anstatt K h7 g7 spielen würde, dann käme ein Remis wegen3- facher Stellungswiederholung in Betracht- oder irre ich mich da ?
LG C_P
Da haste einen SUPER- Kommentar geschrieben, der eine Menge Zeit in Anspruch nahm.
DANKE !!!
Hasenrat - 29. Nov '17
@Kellerdrache
Ergänzung zu Schach im Mittelalter u. ritterliche/militärische Bedeutung:
"Nach Angaben von Petrus Alfonsi, eines spanischen Arztes und Schriftstellers im 11. und 12. Jahrhundert, umfassten die sieben ritterlichen Künste das Reiten, Schwimmen, Bogenschießen, Fechten und Jagen, aber auch das Schachspiel und das Dichten."
(zuletzt wieder angeführt in: Krieg im Mittelalter, DAMALS Sonderband 2017, S. 29-30)
Das Schachspiel ist durchaus nach wie vor kriegerisch/militärisch/militaristisch konnotiert, auch bei mir, nolens, volens - nicht so demonstrativ aggressiv wie bei Leuten wie damals bei SF Apo, man erinnert sich vielleicht ^^ - auf vielfältige Art und Weise. In heißen Schachnahkämpfen höre ich innerlich quasi Kannonengrollen, Kavalleriekavalkaden u. allen möglichen Schlachtenlärm ... - insofern finde ich das angesprochene Video mit seiner gewählten Hintergrund-Inszenierung wirklich nicht so weit hergeholt - dieses Sujet (2. WK) allerdings befremdet (angelsächsische Obsession, vielleicht kann man's so abtun^^). - Das Gute beim und um das Schachspiel ist, dass es, das Kriegerische, an und für sich noch viel viel sublimierter ist als - beim Fußball z. B. ;-)
Ergänzung zu Schach im Mittelalter u. ritterliche/militärische Bedeutung:
"Nach Angaben von Petrus Alfonsi, eines spanischen Arztes und Schriftstellers im 11. und 12. Jahrhundert, umfassten die sieben ritterlichen Künste das Reiten, Schwimmen, Bogenschießen, Fechten und Jagen, aber auch das Schachspiel und das Dichten."
(zuletzt wieder angeführt in: Krieg im Mittelalter, DAMALS Sonderband 2017, S. 29-30)
Das Schachspiel ist durchaus nach wie vor kriegerisch/militärisch/militaristisch konnotiert, auch bei mir, nolens, volens - nicht so demonstrativ aggressiv wie bei Leuten wie damals bei SF Apo, man erinnert sich vielleicht ^^ - auf vielfältige Art und Weise. In heißen Schachnahkämpfen höre ich innerlich quasi Kannonengrollen, Kavalleriekavalkaden u. allen möglichen Schlachtenlärm ... - insofern finde ich das angesprochene Video mit seiner gewählten Hintergrund-Inszenierung wirklich nicht so weit hergeholt - dieses Sujet (2. WK) allerdings befremdet (angelsächsische Obsession, vielleicht kann man's so abtun^^). - Das Gute beim und um das Schachspiel ist, dass es, das Kriegerische, an und für sich noch viel viel sublimierter ist als - beim Fußball z. B. ;-)
Hasenrat - 29. Nov '17
@Vabanque
Schachkommentare im Allgemeinen und auch dein obiger Kommentar, sie strotzen vor Begriffen mindestens aus der militärischen Manöversprache (von Figurenschlagen etc. pp. will ich gar nicht erst reden).
"Zum Angriff blasen", Felder einnehmen/besetzen, in gegnerische Stellungen eindringen, Flügelangriff usw. usw.
Von gewaltfreier Sprache (u. die Sprache prägt Bewusstsein u. Vorstellungswelt) sind wir gerade im Schach noch weit entfernt
... ;-)
Schachkommentare im Allgemeinen und auch dein obiger Kommentar, sie strotzen vor Begriffen mindestens aus der militärischen Manöversprache (von Figurenschlagen etc. pp. will ich gar nicht erst reden).
"Zum Angriff blasen", Felder einnehmen/besetzen, in gegnerische Stellungen eindringen, Flügelangriff usw. usw.
Von gewaltfreier Sprache (u. die Sprache prägt Bewusstsein u. Vorstellungswelt) sind wir gerade im Schach noch weit entfernt
... ;-)
Canal_Prins - 29. Nov '17
@ Hasenrat
wie recht du hast.
Lach....aber deswegen sind wir noch lange keine Adeligen, die mit dem Falken auf die Jagd gehen.......
wie recht du hast.
Lach....aber deswegen sind wir noch lange keine Adeligen, die mit dem Falken auf die Jagd gehen.......
Vabanque - 30. Nov '17
>>Canal_Prins - vor 17 Std.
@ Vabanque
Partie Tal- Smyslov
wenn Smyslov im 17. Zug anstatt K h7 g7 spielen würde, dann käme ein Remis wegen3- facher Stellungswiederholung in Betracht- oder irre ich mich da ?
LG C_P
<<
Eventuell meinst du die Variante nach 15... g6, die entstehen kann, wenn Weiß 16. Sh6+ Kg7 17. Sf5+ Kg8 18. Sh6+ usw. spielt (Kg7 ist ja jeweils nicht gut wegen Lc3).
Da könnte Weiß Stelllungswiederholung quasi erzwingen.
Das wäre allerdings nichts für Tal gewesen, der 17. Lc3 spielen wollte.
@ Vabanque
Partie Tal- Smyslov
wenn Smyslov im 17. Zug anstatt K h7 g7 spielen würde, dann käme ein Remis wegen3- facher Stellungswiederholung in Betracht- oder irre ich mich da ?
LG C_P
<<
Eventuell meinst du die Variante nach 15... g6, die entstehen kann, wenn Weiß 16. Sh6+ Kg7 17. Sf5+ Kg8 18. Sh6+ usw. spielt (Kg7 ist ja jeweils nicht gut wegen Lc3).
Da könnte Weiß Stelllungswiederholung quasi erzwingen.
Das wäre allerdings nichts für Tal gewesen, der 17. Lc3 spielen wollte.
Vabanque - 30. Nov '17
>>Hasenrat - vor 10 Std.
@Vabanque
Schachkommentare im Allgemeinen und auch dein obiger Kommentar, sie strotzen vor Begriffen mindestens aus der militärischen Manöversprache (von Figurenschlagen etc. pp. will ich gar nicht erst reden).
"Zum Angriff blasen", Felder einnehmen/besetzen, in gegnerische Stellungen eindringen, Flügelangriff usw. usw.
<<
Naja, aber letztlich sind es nur Floskeln, die sich eingebürgert haben. Niemand denkt dabei wirklich an Gewalt.
Hast Du gewaltsame Bilder vor deinem geistigen Auge, wenn du gegnerische Figuren schlägst oder z.B. über die h-Linie in die 'feindliche' Stellung 'eindringst'?
Ich denke da eigentlich bloß in Zugfolgen (ich mache das, dann macht er wahrscheinlich das, worauf ich aber so und so antworten kann etc.)
@Vabanque
Schachkommentare im Allgemeinen und auch dein obiger Kommentar, sie strotzen vor Begriffen mindestens aus der militärischen Manöversprache (von Figurenschlagen etc. pp. will ich gar nicht erst reden).
"Zum Angriff blasen", Felder einnehmen/besetzen, in gegnerische Stellungen eindringen, Flügelangriff usw. usw.
<<
Naja, aber letztlich sind es nur Floskeln, die sich eingebürgert haben. Niemand denkt dabei wirklich an Gewalt.
Hast Du gewaltsame Bilder vor deinem geistigen Auge, wenn du gegnerische Figuren schlägst oder z.B. über die h-Linie in die 'feindliche' Stellung 'eindringst'?
Ich denke da eigentlich bloß in Zugfolgen (ich mache das, dann macht er wahrscheinlich das, worauf ich aber so und so antworten kann etc.)
Kellerdrache - 30. Nov '17
Wichtig ist, dass Schach mit Krieg bestenfalls den strategischen Teil gemein hat. Niemand wird verstümmelt, vergewaltigt, keine Unschuldigen gemetzelt und Häuser niedergebrannt. Den Teil also der faktisch einen Krieg ausmacht gibt es im Schach glücklicherweise nicht.
Außerdem lässt sich mit Schach deutlich weniger Geld machen (ich hoffe, dass war nicht zu zynisch).
Außerdem lässt sich mit Schach deutlich weniger Geld machen (ich hoffe, dass war nicht zu zynisch).
Hasenrat - 30. Nov '17
"Naja, aber letztlich sind es nur Floskeln, die sich eingebürgert haben." (Vabanque)
Da würde mancher Feingeist entgegnen: umso schlimmer! ;-)
Aber im Ernst: dann ist das Video im Grunde genommen genau das, was ich vermutete: eine Persiflage auf Partiekommentare überhaupt - die immer irgendwie mit dem Vokabular aus der klassischen Kriegsberichterstattung arbeiten (wie Fußballspielkommentare nicht minder), und dies mal wörtlich nehmen und so illustrieren.
Da würde mancher Feingeist entgegnen: umso schlimmer! ;-)
Aber im Ernst: dann ist das Video im Grunde genommen genau das, was ich vermutete: eine Persiflage auf Partiekommentare überhaupt - die immer irgendwie mit dem Vokabular aus der klassischen Kriegsberichterstattung arbeiten (wie Fußballspielkommentare nicht minder), und dies mal wörtlich nehmen und so illustrieren.
siramon - 30. Nov '17
Hasenrat, du drückst wie immer besser aus was ich meinte :-)
Hasenrat - 30. Nov '17
Als Kind hörte ich übrigens noch:
Die Leichtfiguren, Läufer u. Springer, das sind die Offiziere (heute immer noch gebräuchliches Synonym), die Schwerfiguren, Türme u. Dame, das ist die Artillerie (heute seltener verwendet, glaub ich, aber noch immer Anklänge in Schlagworten wie bei - meiner heißgeliebten! - "Réti-Batterie") - nein, ich bin nicht in den 30ern aufgewachsen ...^^
Die Leichtfiguren, Läufer u. Springer, das sind die Offiziere (heute immer noch gebräuchliches Synonym), die Schwerfiguren, Türme u. Dame, das ist die Artillerie (heute seltener verwendet, glaub ich, aber noch immer Anklänge in Schlagworten wie bei - meiner heißgeliebten! - "Réti-Batterie") - nein, ich bin nicht in den 30ern aufgewachsen ...^^