Kommentierte Spiele
Wie spielt man Gambit ? Nr.5
Kellerdrache - 16. Jan '16
Albins Gegengambit wird selbst unter Amateuren nicht so häufig gespielt und gilt als etwas angestaubt. Dabei macht es einen recht gesunden Eindruck und ist leicht zu lernen. Es gehört zu den Gambits oder Gegengambits deren Ziel es ist nicht nur die eigene Entwicklung zu beschleunigen sondern auch die gegnerische zu behindern.
Der Gambitspieler hier ist Viktor Kupreitschik, ein bekannter GM der 70er und 80er Jahre, der mit seiner aggressiven Spielweise viele Schachfreunde unterhalten hat. Kein Wunder, dass er auch dieses Gambit im Repertoire hatte.































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Der Gambitspieler hier ist Viktor Kupreitschik, ein bekannter GM der 70er und 80er Jahre, der mit seiner aggressiven Spielweise viele Schachfreunde unterhalten hat. Kein Wunder, dass er auch dieses Gambit im Repertoire hatte.
Juferov Kupreichik, Viktor D 1972 | D09 | 0:1
8








7








6
5
4
3
2








a
1

b

c

d

e

f

g

h

1. d4 d5 2. c4 e5 Albins Gegengambit, wobei es nur insofern ein Gegengambit ist als man Damengambit als Gambit gelten lässt. Schwarz opfert einen Bauern um Linien zu öffnen und die Entwicklung des Anziehenden zu behindern. 3. xe5 d4 Dieser Bauer behindert dauerhaft die Entwicklung von Weiß. Um seine Bedeutung zu verstehen zwei naheliegende aber zweifelhafte Fortsetzungen für Weiß. 4. Sf3 Sc6 5. g3 Die andere Alternative ist 5.a3 um unangenehme Abspiele wie in den vorher gezeigten Varianten zu vermeiden in denen der Lb4 jeweils eine große Rolle spielte. Lg4 Der Läufer fesselt hier natürlich nichts. Die Idee ist die Dame mit d7 auf diesselbe Diagonale zu bringen, den Fianchetto-Läufer zu tauschen, lang zu rochieren und dann eventuell die h-Linie zu öffnen. Ähnliche Pläne verfolgt man auch mit 5...Le6 6. Lg2 Dd7 7. O-O Lh3 Die Kampfhandlungen werden aufgenommen obwohl die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. Vermutlich wollte Kupreitscik verhindern das sein Gegner z.B. zu Te1 kommt um dann auf Lh3 Lh1 spielen zu können. 8. Dd3 Sieht seltsam aus. Juferov benötigt d2 zur Entwicklung seines Springers, will sich aber nicht die Dame verstellen lassen. Meine Idee war hier
8. Db3 O-O-O
O-O-O 9. Lxh3 Dxh3 Die ersten Teile des unter 5...Lg4 beschriebenen Plans hat Schwarz umgesetzt. Der Bauer auf d4 steht immer noch schwer im Weg 10. Sbd2 Sge7 Beide Seiten versuchen ihre Entwicklung zu beenden. Dieser Springer will nach g6 um den Druck auf e5 zu erhöhen. 11. Td1 Sg6 12. De4 Juferov hat schon Schwierigkeiten seinen Mehrbauern zu behalten Le7 13. Sb3 Jetzt ist der wichtige d-Bauer dreimal angegriffen. Wie soll man ihn nochmal decken ? f5 Sehr gut! Schlägt Weiß den Bauern 14.exf6 nimmt Schwarz mit dem Läufer zurück, deckt den d4 ein weiteres Mal und hat eine weitere offene Linie. Wenn er aber nicht schlägt muß die Dame ziehen wonach e5 fällt. 14. ef6 Lxf6 15. Lg5 The8 Weiß hat zwar immer noch einen Bauern mehr aber wer zweifelt hier, dass die Kompensation ausreicht ? 16. Dc2 Lxg5 17. Sxg5 Dg4 18. Dd2 h6 19. Sf3 d3! Hübsch! Die Dame kann nicht nehmen und auch nach 20.exd3 Dxf3 verlöre Juferov Material. 20. h3 Der Bauer ist zwar ungedeckt doch nach Dxh3 ist ja der Sf3 nicht mehr bedroht und man könnte exd3 spielen. Daher lieber Df5 21. Te1 xe2 22. Dc3 Das Pferdchen auf f3 muß ja gedeckt bleiben. Sge5 23. Sh4 Dxh3 24. Sc5 Sg4 Auf 25 Sf3 folgt jetzt Sce5. Vielleicht ist es besser sofort den Läufer zu tauschen und dann zu rochieren. Weiß hat keine Zeit auf b7 zu schlagen. Lxg2 9. Dxb7 Tb8 10. Da6 Lxf1
9. e6 nein, den Zug hab ich nicht selbst gefunden, sondern ein 12jähriger aus meinem Heimatverein. Das Bauernopfer räumt das Feld e5 für den Springer, der wegen des versteckten Angriffs auf b7 nicht geschlagen werden kann. Lxe6 10. Se5 Dd6 11. Sxc6 xc6 12. Da4
Vabanque - 17. Jan '16
Gegen Albins Gegengambit musste ich mit Weiß schon paarmal spielen und, obwohl ich wusste, dass man 4. e3 vermeiden muss, kam ich dennoch immer ziemlich schlecht zurecht. Der Bauer d4 engt das weiße Spiel erheblich ein und ist schlecht zu beseitigen. Dass außerdem sein Vorrücken nach d3 auch noch zusätzlich gefährlich werden kann, zeigt obige Partie in eindrucksvoller Weise.
Allerdings liegt es mir auch nicht besonders gut, mit Schwarz Albins Gegengambit zu spielen. Weiß gelingt es dann immer entweder, den Bauern e5 zu halten, oder ich verliere den Bauern d4. Umgekehrt müsste mir Selbiges dann doch auch mit Weiß gelingen?! Aber das ist nicht der Fall ... mein typisches Problem mit unangenehmen Abspielen: es ist dann völlig egal, ob ich sie mit Weiß oder mit Schwarz auf dem Brett habe, ich komme mit der Stellung einfach nicht zurecht.
Allerdings liegt es mir auch nicht besonders gut, mit Schwarz Albins Gegengambit zu spielen. Weiß gelingt es dann immer entweder, den Bauern e5 zu halten, oder ich verliere den Bauern d4. Umgekehrt müsste mir Selbiges dann doch auch mit Weiß gelingen?! Aber das ist nicht der Fall ... mein typisches Problem mit unangenehmen Abspielen: es ist dann völlig egal, ob ich sie mit Weiß oder mit Schwarz auf dem Brett habe, ich komme mit der Stellung einfach nicht zurecht.
Kellerdrache - 18. Jan '16
Jeder Spieler hat, glaube ich, Stellungen die er nicht spielen kann. Oft auch weil er sie nicht spielen will. Wir hatten z.B. mal einen Spieler im Verein, der mit Weiß so eine Art Stonewall im Anzug spielte und damit recht erfolgreich war. Ein älterer Herr war von den daraus entstehenden Stellungen so abgestossen, dass er wenn er im Turnier mit Schwarz gegen den Stonewall-Spezialisten spielen musste die Partie einfach direkt am Anfang aufgab.
Ich selbst hab z.B. angefangen Königsgambit zu spielen um Russisch zu vermeiden. Von ca. 12 Partien gegen Russisch habe ich zwei Remis gespielt und 10 verloren. Irgendwie hab ich nie ein Gefühl dafür entwickelt wo die Figuren dabei hingehören.
Ich selbst hab z.B. angefangen Königsgambit zu spielen um Russisch zu vermeiden. Von ca. 12 Partien gegen Russisch habe ich zwei Remis gespielt und 10 verloren. Irgendwie hab ich nie ein Gefühl dafür entwickelt wo die Figuren dabei hingehören.
Vabanque - 18. Jan '16
Der letzte Satz von Dir ist wahrscheinlich der Schlüssel zu Vielem: in den meisten Eröffnungssystemen sollte man sich vor allem anschauen, wo die Figuren hingehören. Dann hat man schon viel gewonnen, jedenfalls mehr als durch Varianten-Pauken.
Schon aufzugeben, wenn jemand ein bestimmtes System spielt, ist sicher ein absolutes Extrembeispiel. Auf der anderen Seite kenne ich das Gefühl, aufgeben zu müssen, wenn jemand z.B. die Vorstoßvariante in Französisch 1. e4 e6 2. d4 d5 3. e5 gegen mich spielt. Ich stand dann auch in fast jeder Partie mit Schwarz damit aufgabereif. Habe gelegentlich aber doch noch gewonnen, weil der Gegner halt nicht korrekt fortgesetzt hat. Aber meine Figuren bekomme ich in diesem Abspiel nie auf günstige Plätze.
Schon aufzugeben, wenn jemand ein bestimmtes System spielt, ist sicher ein absolutes Extrembeispiel. Auf der anderen Seite kenne ich das Gefühl, aufgeben zu müssen, wenn jemand z.B. die Vorstoßvariante in Französisch 1. e4 e6 2. d4 d5 3. e5 gegen mich spielt. Ich stand dann auch in fast jeder Partie mit Schwarz damit aufgabereif. Habe gelegentlich aber doch noch gewonnen, weil der Gegner halt nicht korrekt fortgesetzt hat. Aber meine Figuren bekomme ich in diesem Abspiel nie auf günstige Plätze.