Kommentierte Spiele
100 Jahre Schach (VII) 1970-79 : Karpov-Hort
Kellerdrache - 12. Jul '16
Nachdem Karpov durch Fischers Verzicht kampflos Weltmeister geworden war versprach er der Schachwelt ein spielender Weltmeister zu sein. Und dieses Versprechen hat er auch gehalten. Kein Weltmeister vor und auch nach ihm hat sich so unentwegt der Auseinandersetzung mit seinen Kollegen gestellt wie er.
Als diese Partie gespielt wurde was er allerdings noch nicht Weltmeister, sondern ein junger Nachwuchsspieler. Sein Gegner war Vlastimil Hort, damals einer der besten Spieler der Welt und in der Fide-Rangliste vor Karpov. Nach dem Moskauer Turnier hatte Anatoly Karpov die Aufmerksamkeit seiner Kollegen erregt. Petrosjan war einer der ersten der in ihm den zukünftigen Weltmeister sah.
Es passt daher, dass Karpov in unserem Beispiel in Sachen Vorbeugung des gegnerischen Spiels oft in Petrosjans Fußstapfen wandelt. Hort versucht sein möglichstes aktiv ins Spiel zu kommen wird aber sozusagen konsequent und geduldig erdrosselt.































PGN anzeigen
Als diese Partie gespielt wurde was er allerdings noch nicht Weltmeister, sondern ein junger Nachwuchsspieler. Sein Gegner war Vlastimil Hort, damals einer der besten Spieler der Welt und in der Fide-Rangliste vor Karpov. Nach dem Moskauer Turnier hatte Anatoly Karpov die Aufmerksamkeit seiner Kollegen erregt. Petrosjan war einer der ersten der in ihm den zukünftigen Weltmeister sah.
Es passt daher, dass Karpov in unserem Beispiel in Sachen Vorbeugung des gegnerischen Spiels oft in Petrosjans Fußstapfen wandelt. Hort versucht sein möglichstes aktiv ins Spiel zu kommen wird aber sozusagen konsequent und geduldig erdrosselt.
Karpov, Anatoly Hort, Vlastimil Moskau | 1971 | B81 | 1:0
8








7








6
5
4
3
2








a
1

b

c

d

e

f

g

h

1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. d4 xd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 e6 6. g4 Der Name Keres verschwindet so schnell nicht aus dieser Reihe. Die hier gespielte Variante nennt sich Keres Angriff. Sie stellt eine sehr aggressive Weise dar die sizilianische Verteidigung zu bekämpfen. Karpov, obwohl ja als vorsichtiger Positionsspieler bekannt, hatte immer eine Vorliebe für den Keres-Angriff. Sc6 Hort wählt den Weg der Entwicklung. Die andere Möglichkeit ist sich mit h6 gegen den weißen Bauern zu stemmen, wonach meistens mit Tg1 fortgesetzt wurde. 7. g5 Sd7 8. Le3 a6 um, wie in vielen sizilianischen Varianten üblich b5 vorzubereiten, aber auch um der Dame, wenn sie mal nach c7 kommt Ungestörtheit zu verschaffen. 9. f4 eine ziemlich wüste Geschichte für einen Positionsspieler. Später spielte Karpov lieber Tg1 Le7
Leider spielte Hort nicht h6 wonach wir Anatoly als Angriffsspieler gesehen hätten 10. Sxe6 xe6 11. Dh5+ Ke7 12. Lh3 De8 13. Dh4 mit nach Karpovs Worten schwer abzuschätzenden Folgen. Dazu muss man wissen, dass Karpov um Chancen auf den Gewinn des Turniers zu haben den vollen Punkt benötigte. Notfalls eben auch mit Hilfe von Opfern.
10. Tg1 Sxd4 11. Dxd4 e5 Schwarz kann ja schlieslich nicht in Ruhe zusehen wie sein Gegner den Königsflügel aufrollt. Er folgt der allgemeinen Regel, dass man einen Angriff am Flügel mit einer Gegenattacke im Zentrum beantworten sollte 12. Dd2 xf4 13. Lxf4 Se5 Eine seltsame Stellung in der beide Seiten einen Isolani im Zentrum haben. Weiß steht wegen seines Entwicklungsvorsprungs etwas besser. Für den Le7 ist im Moment noch kein Weg in die Aktivität zu sehen. Der Springer auf e5 droht nicht nur eine Gabel auf f3 sondern hat auch mögliche Ziele auf c4 und g4. 14. Le2 um die besagte Gabel zu verhindern. Den Abtausch auf e5 hat Weiß nicht erwogen. Nicht nur würde er das Läuferpaar hergeben, sondern auch dem Le7 eine aktive Zukunft verschaffen Le6 15. Sd5 Karpov will seinem Gegner nicht das aktive Gegenspiel mit Da5 erlauben. Lxd5 16. xd5 Hort hat seinen Läufer gerne gegeben, der mit einem Springer auf d5 sowieso keine große Zukunft gehabt hätte. Ich war durchaus überrascht, dass Weiß hier nicht mit der Dame nahm um in Verbindung mit der langen Rochade Druck auf d6 auszuüben. Karpov gibt als Grund an in einigen der Varianten die er nach Dxd5 durchgerechnet habe hätte der e4 Unterstützung gebraucht und er habe kein Interesse gehabt seinen weißfeldrigen Läufer daran zu binden. Sg6 17. Le3 h6 Hort tut das seine dazu, dass die Stellung interessant wird. Er opfert einen Bauern um dem weißen König die Rochade zu nehmen. Die lange passive Verteidigung die im nach erfolgter langer Rochade des Weißen bevor gestanden hätte wollte er sich nicht antun. 18. xh6 Lh4+ 19. Kd1 Der König steht hier einigermaßen sicher, da nicht zu sehen ist wie das Zentrum für einen Angriff geöffnet werden könnte. xh6 20. Lxh6 Lf6 Kein guter Zug. Von h4 aus hätte der Läufer durch seine Kontrolle des Feldes e1 Schwarz ermöglicht nach De7 lang zu rochieren. 21. c3 Der König soll nach c2 und dem Ta1 den Weg freimachen. Le5 Hort hatte sich zu sehr in diese Idee verliebt. Der Läufer sieht zugegeben sehr imposant dort aus, aber mit seinem König immer noch in der Mitte hat das Manöver zu viel Zeit gekostet. 22. Tg4! Ein echter Universalzug. Defensiv sorgt er dafür, dass die schwarze Dame nicht über h4 ins Spiel eingreift und offensiv kann der Turm über die 4.Reihe problemlos von einem auf den anderen Flügel wechseln. Df6 Ein Zug der von Kasparov in seinem Buch ein ! bekommen hat, während Karpov Lxh2 für besser hielt. Wie Hort vermutlich auch ist Garri eine passive Verteidigung zuwider. 23. h4 Sehr schön. Horts Plan war nach z.B. Kc2 mit 23...Se7 den Läufer h6 zum Wegzug zu zwingen. Das hätte dann sowohl die lange Rochade als auch Txh2 erlaubt. Df5 Vlastimil Hort verteidigt sich perfekt und verhindert erst einmal Karpovs künstliche Rochade mit Kc2. Außerdem schränkt er die Beweglichkeit der weißen Figuren ein. Der weißfeldrige Läufer ist an die Deckung des Tg4 gebunden, die Dame an die Deckung des Lh6 und jetzt auch des Bauern auf d5 24. Tb4 Das verhindert die lange Rochade abermals. O-O-O würde jetzt mit Lxa6 beantwortet. Außerdem ist damit auch der Le2 nicht mehr an die Verteidigung des Turms gefesselt Lf6 Ein Patzer in Zeitnot. Für die unbestimmte Möglichkeit den h-Bauern zu gewinnen gibt Hort die Kontrolle über das wichtige Feld f4 auf was Karpov sofort ausnutzt. 25. h5 Se7 26. Tf4 De5 es hängen damit sowohl der Läufer auf h6 als auch der Bauer d5 27. Tf3 Sxd5 28. Td3 Nach zähem positionellen Kampf wird es jetzt interessant. Zieht der Springer fällt nach Lf4 der Bauer auf d6. Aber was sonst ? Txh6 Nanu, kann man den nicht einfach nehmen ? 29. Txd5 De4 deckt den Th6 indirekt. Weiß muss sowohl die Drohung Dh1+ als auch Dxd5 im Auge behalten 30. Td3 Eliminiert die Drohung Dxd5 sodaß jetzt wieder Dxh6 droht. Zusätzlich droht ganz prosaisch Te3 Dh1+ besser wäre Dh7 gewesen 31. Kc2 Dxa1 32. Dxh6 Le5 33. Dg5 Die lange Rochade ist verhindert, es droht Dg8+ mit Turmgewinn und der h-Bauer hat freie Fahrt zur Umwandlung. Gnädigerweise fiel hier Horts Kläppchen.
Vabanque - 12. Jul '16
Interessante frühe Karpov-Partie, die ich nicht kannte (aber ich kenne zugegebenermaßen nicht sehr viele Partien von ihm).
Die Kommentare sind wieder einmal sehr anschaulich gestaltet.
Ich merke nur 2 Sachen an, die mir auf die Schnelle aufgefallen sind:
1) 24. Tb4 verhindert tatsächlich die lange Rochade, aber nicht wegen Lxa6 (worauf bxa6 folgen würde, und ich sehe nicht, was Weiß dann hat), sondern wegen Lg4 mit Damengewinn!
2) Am Schluss hat der weiße h-Bauer doch noch nicht ganz so freie Fahrt, scheint mir. Immerhin wird das Umwandlungsfeld ja noch vom Le5 kontrolliert. Gut, es droht Dg8+, und Schwarz kann nicht rochieren. Er kann auch nicht Kd7 spielen wegen Dxe5. Aber er könnte Kf8 versuchen. Darauf sehe ich keinen unmittelbaren forcierten Gewinn für Weiß.
Die Kommentare sind wieder einmal sehr anschaulich gestaltet.
Ich merke nur 2 Sachen an, die mir auf die Schnelle aufgefallen sind:
1) 24. Tb4 verhindert tatsächlich die lange Rochade, aber nicht wegen Lxa6 (worauf bxa6 folgen würde, und ich sehe nicht, was Weiß dann hat), sondern wegen Lg4 mit Damengewinn!
2) Am Schluss hat der weiße h-Bauer doch noch nicht ganz so freie Fahrt, scheint mir. Immerhin wird das Umwandlungsfeld ja noch vom Le5 kontrolliert. Gut, es droht Dg8+, und Schwarz kann nicht rochieren. Er kann auch nicht Kd7 spielen wegen Dxe5. Aber er könnte Kf8 versuchen. Darauf sehe ich keinen unmittelbaren forcierten Gewinn für Weiß.
Kellerdrache - 12. Jul '16
Naja, wenn der Bauer erstmal bis h7 vor geht, droht auch bei einem König auf f8 noch Dg8. Ausserdem gibt es ja noch die Option den Le5 zu schlagen bevor man von h7 nach h8 zieht.
Was deine erste Anmerkung angeht hast du vollkommen recht. Die Rochad die in meinem Kopf stattfand brachte den König bis b8. Leider sehen die Schachregeln solche Rochaden nicht vor.
Was deine erste Anmerkung angeht hast du vollkommen recht. Die Rochad die in meinem Kopf stattfand brachte den König bis b8. Leider sehen die Schachregeln solche Rochaden nicht vor.
Vabanque - 12. Jul '16
Letzteres hatte ich fast vermutet :))