Kommentierte Spiele

David Bronstein, der Kellerdrache und das Königsgambit

Vabanque - 04. Mär '15
Die vom geschätzten Schachfreund Kellerdrache unlängst gepostete hübsche eigene Partie /forum/topic.html?key=94ae86ed9e0c4379&sv=4, in der er mit dem Königsgambit gegen ein veraltetes Verteidigungssystem gewann, hat mich dazu verleitet, eine klassische Partie des damals noch ganz jungen David Bronstein zu zeigen, in der dieser das schwarze Verteidigungssystem geradezu über den Haufen gerannt hatte. Ziemlich vorbildlich, wie ich meine :)

Jedenfalls zeigt uns Bronstein, wie eine gute Königsgambit-Partie auszusehen hat ... was die Leistung unseres Kellerdrachen aber keineswegs schmälern soll!

David Bronstein Peter Vasilievich Dubinin USSR Championship | Leningrad (RUS) | 10 | 1947.02.18 | C39 | 1:0
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1. e4 e5 2. f4 xf4 3. Sf3 g5 Diese wahrscheinlich älteste Verteidigung des Königsgambits, die zunächst auf die Verteidigung des Gambitbauern hinzielt, konnte bis heute nicht widerlegt werden, und manchen gilt sie sogar als die beste Spielweise gegen das Königsgambit. 4. h4 Weiß sprengt sofort die schwarze Bauernkette, bevor Schwarz zu Lg7 kommt, wonach er auf h4 mit h6 reagieren könnte. g4 Jetzt dagegen ist diese Lockerung der Bauernkette erzwungen. 5. Se5 h5 Diese manchmal 'lange Peitsche' genannte Verteidigung ist wohl zu Recht in Verruf geraten. Alle sonstigen an dieser Stelle ausprobierten Züge, nämlich Lg7, d6, Le7 und vor allem Sf6 scheinen zweckmäßiger, da sie etwas für die Entwicklung leisten. Allerdings ist der Textzug am meisten im ursprünglichen Geist der Verteidigung mit 3... g5 gespielt: wenn der Weiße dem Schwarzen die Bauernkette f4-g5-h6 verwehrt, so soll sie quasi als kleiner Ersatz auf g4 und h5 errichtet werden. 6. Lc4 Th7 Auch das natürlichere Sh6 ist an dieser Stelle zur Verteidigung von f7 wiederholt gespielt worden, siehe dazu die Kellerdrachesche Partie, wo der Schwarze aber ebenfalls in eine Verluststellung geriet. Trotzdem erscheint mir Sh6 etwas besser als der Textzug, dessen Idee aber wiederum mehr im Einklang mit der Verteidigung 3... g5 ist. 7. d4 Lh6 Denn für diesen Läufer sollte das Feld h6 frei gehalten werden, damit er den Gambitbauern f4 (der nach dem Aufzug des weißen d-Bauern angegriffen war) verteidigen kann. Alles in allem ist das aber eine wacklige Bauweise, wie Bronstein gleich nachweisen wird. Der Zug 6... Th7 scheint nach vorliegender Partie auch wohl tatsächlich aus der Praxis verschwunden zu sein. Aber vielleicht belehrt mich ein Königsgambit-Experte diesbezüglich ja eines Besseren ... 8. Sc3 Es wurde an dieser Stelle auch schon sofort auf f7 geopfert; allein Bronstein hat damit keine Eile. Sc6 9. Sxf7! Txf7 10. Lxf7+ Kxf7 11. Lxf4! Lxf4 12. O-O Das war die Stellung, die Bronstein mit seinem Doppelopfer angestrebt hat. Eine der beiden geopferten Figuren gewinnt Weiß jetzt leicht zurück (Df6 geht ja nicht gut wegen e4-e5), und die andere hat er für die Entblößung des schwarzen Königs ins Geschäft gesteckt. Schwarz hat nun große Schwierigkeiten, seine Entwicklung zu beenden und gleichzeitig seinen König zu verteidigen. Dxh4 Das ist entweder unbegründeter Optimismus oder aber der verzweifelte Versuch, für die schlechte Stellung noch möglichst viel Material zu bekommen. Aber auch nach dem besseren 12... Kg7 13. Txf4 d6 14. Dd2 Ld7 15. Taf1 Le8 (um den Einbruch auf f7 zu verhüten) 16. Sd5 sollte der weiße Angriff letztlich durchdringen. 13. Txf4+ Kg7 14. Dd2 d6 15. Taf1 Gegenüber der in der vorigen Anmerkung erwähnten Variante hat Schwarz nun einen Zug weniger; er kann nicht Ld7 spielen wegen Tf7+, und Le6 geht auch nicht wegen d5. Also muss er schon 'Klimmzüge' machen, um den Einbruch des weißen Turms noch notdürftig zu verhindern. Sd8 16. Sd5 Mit c6 oder Le6 kann dieser Springer nun nicht vertrieben werden, weil er nach 17. Sc7 Tb8 18. Se8+ dann umso kraftvoller ins Spiel käme. Ld7 Aber nun scheint Schwarz doch an der Schwelle der Konsolidierung seiner Stellung zu stehen. Im nächsten Zug möchte er c6 oder Lc6 spielen, und 17. Sxc7 Tc8 gäbe ihm ja immerhin ein Entwicklungstempo. 17. e5! Solche Züge muss man 'im Gefühl' haben. Weiß öffnet mehr Linien und Diagonalen gegen den schwarzen König. Und auf mit c6 beginnende Vertreibungsversuche seines Springers hat dieser nun den Stützpunkt f6. Ein weiteres Vordringen des Bauern nach e6 scheint allerdings ausgeschlossen, da das Feld e6 von Schwarz doppelt gesichert ist. Nun, man wird sehen ... xe5 Auf c6 käme wie gesagt Sf6. Auf Lc6 dagegen hätte Weiß Se3 mit der Gabeldrohung auf f5. 18. xe5 Lc6 Hierauf wäre Sf6 wegen Se6! nicht gut. 19. Se3 wäre allerdings auch jetzt möglich. Es gibt aber einen viel stärkeren Zug ... 19. e6! Der Vorwärtsdrang der Bauern! Der kecke Bauer ist tabu, denn auf 19... Sxe6 würde der weiße Turm mit 20. Tf7+ vernichtend eindringen (20... Kh8 21. Dc3+ bzw. 20... Kg6 21. Dd3+). Gleichzeitig hat sich Weiß aber jetzt einen Stützpunkt auf f7 verschafft. Lxd5 Die Beseitigung des Sd5 erfolgt einen Zug zu spät. 20. Tf7+! Hübsch und entscheidend. Sxf7 21. Txf7+ Kh8 Nach Kg6 22. Dd3+ wird es sehr schnell Matt, z.B. Kg5 23. Df5+ nebst Th7#; oder 22... Kh6 23. Dh7+ nebst Tf5# (oder Dg7#). Einfache, aber lehrreiche Wendungen! 22. Dc3+ Sf6 23. Txf6 Nun kann Schwarz nur noch durch die Hergabe der Dame den tödlichen Abzugsdrohungen Tf7+ bzw. Th6+ begegnen, denn auf Kg8 käme Tg6+ mit baldigem Matt, und auf Kh7 (oder Kg7) würde Tf7+ nebst Dg7# erfolgen. Dxf6 24. Dxf6+ Aber auch das hat Schwarz nichts gebracht, denn Weiß gewinnt jetzt noch den Läufer dazu. Kh7 Auf Kg8 käme Dg5+, und der Läufer fällt ebenso. 25. Df5+ Schwarz gab auf. Nach einer anderen Quelle spielte er noch die Züge Kh6 26. Dxd5 Kg6 27. Qd7, ehe er nun wirklich überzeugt war. Wie auch immer: Weiß hat das schwarze Verteidigungssystem überzeugend widerlegt. Eine der klassischen Königsgambit-Partien!
PGN anzeigen[Event "USSR Championship"]
[Site "Leningrad (RUS)"]
[Date

"1947.02.18"]
[EventDate "1947.??.??"]
[Round "10"]
[Result "1-0"]
[White

"David Bronstein"]
[Black "Peter Vasilievich Dubinin"]
[ECO "C39"]

1. e4 e5

2. f4 exf4 3. Nf3 g5 {Diese wahrscheinlich älteste Verteidigung des

Königsgambits, die zunächst auf die Verteidigung des Gambitbauern

hinzielt, konnte bis heute nicht widerlegt werden, und manchen gilt sie

sogar als die beste Spielweise gegen das Königsgambit.} 4. h4 {Weiß

sprengt sofort die schwarze Bauernkette, bevor Schwarz zu Lg7 kommt,

wonach er auf h4 mit h6 reagieren könnte.} g4 {Jetzt dagegen ist diese

Lockerung der Bauernkette erzwungen.} 5. Ne5 h5 {Diese manchmal 'lange

Peitsche' genannte Verteidigung ist wohl zu Recht in Verruf geraten. Alle

sonstigen an dieser Stelle ausprobierten Züge, nämlich Lg7, d6, Le7 und

vor allem Sf6 scheinen zweckmäßiger, da sie etwas für die Entwicklung

leisten. Allerdings ist der Textzug am meisten im ursprünglichen Geist der

Verteidigung mit 3... g5 gespielt: wenn der Weiße dem Schwarzen die

Bauernkette f4-g5-h6 verwehrt, so soll sie quasi als kleiner Ersatz auf g4

und h5 errichtet werden.} 6. Bc4 Rh7 {Auch das natürlichere Sh6 ist an

dieser Stelle zur Verteidigung von f7 wiederholt gespielt worden, siehe

dazu die Kellerdrachesche Partie, wo der Schwarze aber ebenfalls in eine

Verluststellung geriet. Trotzdem erscheint mir Sh6 etwas besser als der

Textzug, dessen Idee aber wiederum mehr im Einklang mit der Verteidigung

3... g5 ist.}
7. d4 Bh6 {Denn für diesen Läufer sollte das Feld h6 frei

gehalten werden, damit er den Gambitbauern f4 (der nach dem Aufzug des

weißen d-Bauern angegriffen war) verteidigen kann. Alles in allem ist das

aber eine wacklige Bauweise, wie Bronstein gleich nachweisen wird. Der Zug

6... Th7 scheint nach vorliegender Partie auch wohl tatsächlich aus der

Praxis verschwunden zu sein. Aber vielleicht belehrt mich ein

Königsgambit-Experte diesbezüglich ja eines Besseren ... } 8. Nc3 {Es

wurde an dieser Stelle auch schon sofort auf f7 geopfert; allein Bronstein

hat damit keine Eile.} Nc6 9. Nxf7! Rxf7 10. Bxf7+ Kxf7 11. Bxf4! Bxf4
12.

O-O {Das war die Stellung, die Bronstein mit seinem Doppelopfer angestrebt

hat. Eine der beiden geopferten Figuren gewinnt Weiß jetzt leicht zurück

(Df6 geht ja nicht gut wegen e4-e5), und die andere hat er für die

Entblößung des schwarzen Königs ins Geschäft gesteckt. Schwarz hat nun

große Schwierigkeiten, seine Entwicklung zu beenden und gleichzeitig

seinen König zu verteidigen.} Qxh4 {Das ist entweder unbegründeter

Optimismus oder aber der verzweifelte Versuch, für die schlechte Stellung

noch möglichst viel Material zu bekommen. Aber auch nach dem besseren

12... Kg7 13. Txf4 d6 14. Dd2 Ld7 15. Taf1 Le8 (um den Einbruch auf f7 zu

verhüten) 16. Sd5 sollte der weiße Angriff letztlich durchdringen.} 13.

Rxf4+ Kg7 14. Qd2 d6 15. Raf1 {Gegenüber der in der vorigen Anmerkung

erwähnten Variante hat Schwarz nun einen Zug weniger; er kann nicht Ld7

spielen wegen Tf7+, und Le6 geht auch nicht wegen d5. Also muss er schon

'Klimmzüge' machen, um den Einbruch des weißen Turms noch notdürftig zu

verhindern.} Nd8 16. Nd5 {Mit c6 oder Le6 kann dieser Springer nun nicht

vertrieben werden, weil er nach 17. Sc7 Tb8 18. Se8+ dann umso kraftvoller

ins Spiel käme.} Bd7 {Aber nun scheint Schwarz doch an der Schwelle der

Konsolidierung seiner Stellung zu stehen. Im nächsten Zug möchte er c6

oder Lc6 spielen, und 17. Sxc7 Tc8 gäbe ihm ja immerhin ein

Entwicklungstempo.}
17. e5! {Solche Züge muss man 'im Gefühl' haben. Weiß

öffnet mehr Linien und Diagonalen gegen den schwarzen König. Und auf mit

c6 beginnende Vertreibungsversuche seines Springers hat dieser nun den

Stützpunkt f6. Ein weiteres Vordringen des Bauern nach e6 scheint

allerdings ausgeschlossen, da das Feld e6 von Schwarz doppelt gesichert

ist. Nun, man wird sehen ...} dxe5 {Auf c6 käme wie gesagt Sf6. Auf Lc6

dagegen hätte Weiß Se3 mit der Gabeldrohung auf f5.} 18. dxe5 Bc6 {Hierauf

wäre Sf6 wegen Se6! nicht gut. 19. Se3 wäre allerdings auch jetzt möglich.

Es gibt aber einen viel stärkeren Zug ... } 19. e6! {Der Vorwärtsdrang der

Bauern! Der kecke Bauer ist tabu, denn auf 19... Sxe6 würde der weiße Turm

mit 20. Tf7+ vernichtend eindringen (20... Kh8 21. Dc3+ bzw. 20... Kg6 21.

Dd3+). Gleichzeitig hat sich Weiß aber jetzt einen Stützpunkt auf f7

verschafft.} Bxd5 {Die Beseitigung des Sd5 erfolgt einen Zug zu spät.} 20.

Rf7+! {Hübsch und entscheidend.} Nxf7 21. Rxf7+
Kh8 {Nach Kg6 22. Dd3+

wird es sehr schnell Matt, z.B. Kg5 23. Df5+ nebst Th7#; oder 22... Kh6

23. Dh7+ nebst Tf5# (oder Dg7#). Einfache, aber lehrreiche Wendungen!} 22.

Qc3+ Nf6 23. Rxf6 {Nun kann Schwarz nur noch durch die Hergabe der Dame

den tödlichen Abzugsdrohungen Tf7+ bzw. Th6+ begegnen, denn auf Kg8 käme

Tg6+ mit baldigem Matt, und auf Kh7 (oder Kg7) würde Tf7+ nebst Dg7#

erfolgen.} Qxf6 24. Qxf6+ {Aber auch das hat Schwarz nichts gebracht, denn

Weiß gewinnt jetzt noch den Läufer dazu.} Kh7 {Auf Kg8 käme Dg5+, und der

Läufer fällt ebenso.} 25. Qf5+ {Schwarz gab auf. Nach einer anderen Quelle

spielte er noch die Züge Kh6
26. Dxd5 Kg6 27. Qd7, ehe er nun wirklich

überzeugt war. Wie auch immer: Weiß hat das schwarze Verteidigungssystem

überzeugend widerlegt. Eine der klassischen Königsgambit-Partien!} 1-0
Kellerdrache - 04. Mär '15
Sehr schöne Partie. Der Herr Bronstein ist ja ohnehin für einige der beeindruckensten Angriffspartien der Schachwelt verantwortlich.

Ich denke was ein Nicht-Königsgambit-Spieler aus dieser und vielleicht auch meiner Partie lernen kann ist, dass in offenen Eröffnungen (Königsgambit, Italiänisch, Schottisch, Russisch usw.) eine zügige Entwicklung oft mehr Wert sein kann als ein bisschen Material.

Da wo man im Damengambit oder Königsinder sich auch mal in Ruhe hinter den eigenen Mauern sortieren kann bevor man loslegt bedeutet solche Gemächlichkeit hier oft den Tod am Brett.
Vabanque - 04. Mär '15
Das ist der Unterschied zwischen offenen und geschlossenen Stellungen :))

Bronstein war ein Meister der offenen Stellung ... geduldiges Lavieren hinter den eigenen Reihen lag ihm nicht.

Er konnte auch die bizarrsten Züge bzw. Positionen der Schachliteratur produzieren; ich bringe demnächst da ein paar Beispiele.
Hasenrat - 10. Mär '15
Wird das Eröffnungselement des Doppelschritts des h-Bauern, egal, ob von Weiß oder Schwarz, als "lange Peitsche" tituliert oder nur diese konkrete Variante in der Königsgambitverteidigung?
Es geistert ja auch immer wieder 1. h4 als "Lange Peitsche" durch die "Kaffeehauswelt" ...
Vabanque - 10. Mär '15
Gute Frage, die vielleicht nur ein Experte für zweifelhafte Eröffnungen beantworten kann :))
Kellerdrache - 10. Mär '15
Den Titel "Experte für zweifelhafte Eröffnungen" weise ich zwar weit von mir, aber die Bezeichnung "lange Peitsche" kenne ich eigentlich nur aus der Königsgambit-Theorie. Das bezieht sich dann wohl wirklich auf diese konkrete Variante.
Hasenrat - 10. Mär '15
Bernd Feustel wüsste vielleicht darüber Bescheid als Experte der theorieabseitigen Eröffnungen. Leider hab ich sein Buch nicht mehr. Kann sein, dass ich es auch aus diesem Zusammenhang kenne, die lange Peitsche (wenn man das gugelt, kommt man aktuell mehr so in "fifty shades of grey-Gefilde" ...), nebst dem Elefantengambit - wozu ich aber auch verschiedene Versionen "kenne" ...
patzer0815 - 10. Mär '15
@Hasenrat: Wenn Du das gleiche buch meinst wie ich, geht es da um Englisch mit 7.b6, die moderner Verteidigung mit Sg8-h6 und sein Robbatschsystem mit doppeltem Fianchetto und Springer auf e7 und d7.

Wenn es für 1.h4 schon einen Namen gibt, gibt es dann für 1.a3 g6 2.h4 auch einen? Das habe ich hier heute mal probiert, war ganz nett ;-)
plebs - 10. Mär '15
Eine Variante "lange Peitsche" gibt es auch im offenen Spanier
Hasenrat - 10. Mär '15
@patzer0815
Bestimmt meinen wir das gleiche Buch (Eröffnungen abseits aller Theorie). An die "Feustel-Verteidigung" erinnere ich mich da sehr gut, ich glaube, wir hatten da auch schon mal an anderer Stelle drüber gesprochen.
Am meisten angetan hatte es mir aber sein Réti mit Sa3, das pflege ich bis heute, wenn es anzubringen ist, und ich konnte früher als Jugendlicher doch den ein oder anderen überraschenden Erfolg gegen arriviertere Schachfreunde damit feiern - jedesmal sah ich dann hinter der sich runzelnden Stirn des Gegners den Gedanken "was'n dat für'n Vogel? Kann der wohl auch Schach spielen?" - also vermutlich v. a. deshalb, weil ich ab da unterschätzt wurde. Auch wollte man mir dann jedesmal nach der Partie erklären, dass das ein unmöglicher Zug sei, mit dem ich nix holen könnte - offenbar war er dann aber in der jeweils konkreten Partie immer noch gut genug. (Hab ich dann für mich gedacht, nicht gesagt - als Krümel.)
;-)
Vom Elefantengambit hab ich was in Erinnerung mit f4 und gleich Kf2 - oder umgekehrt f5 und Kf7??

@plebs
Dann spricht es ja für meine Theorie, dass es sich bei der Langen Peitsche um ein bestimmtes Motiv in diversen Eröffnungsvarianten handelt.
patzer0815 - 11. Mär '15
Mit Weiß spiele ich da 1.f3 2.Kf2 3.Kg3 und mit Schwarz 1.e4 f5 und nur wenn Weiß den Bauern nimmt kommt tatsächlich 2. ... Kf7!
Vabanque - 11. Mär '15
Interessant, dass du auf 1. e4 f5 2. exf5 den schwarzen Zug Kf7 mit einem Rufzeichen versiehst; die Spielweise ist also tatsächlich stark für Schwarz? ;)

Ihr könntet allmählich einen eigenen Thread über abseitige Eröffnungen aufmachen :))

Obwohl die bei Bronstein nicht so schlecht aufgehoben sind, er spielte gelegentlich auch absurdes Zeug ... stellte die Läufer vor die eigenen Mittelbauern (also Ld3, wenn der d-Bauer noch auf d2 steht ... muss die Partie mal raussuchen) oder gab eine Figur für 2 Bauern auf, wenn er dafür ein starkes Bauernzentrum bekam.
Kellerdrache - 11. Mär '15
Ich habe im Laufe meiner wenig beeindruckenden Schachkarriere gegen den ein oder anderen Anhänger exotischer Eröffnungen gespielt. Was mir dabei auffiel ist, dass diese Spieler abgesehen von den direkten Eröffnungszügen meistens selber keinen Plan haben was sie mit der entstehenden Stellung anfangen sollen und sich voll und ganz auf den Überraschungseffekt verlassen.

Allerdings kenne ich auch ein Gegenbeispiel. Einen Spieler, der ein seltsames System mit 1.e3, 2.g4 und langer Rochade spielte. Obwohl das objektiv bestimmt nicht zu empfehlen ist hat er zeitlebens zufriedenstellende Erfolge damit erzielt.
Hasenrat - 11. Mär '15
Da zeigt sich dann die Kunst desjenigen, der mit der Exoteneröffnung konfrontiert ist: Er weiß, dass sie theoretisch widerlegt und Unsinn ist, doch kann er es auch praktisch hier und jetzt beweisen? Ist der (theoretisch) Überlegene noch (praktisch) überlegen, wenn er sich von aller vorgefertigten Theorie und jedem Schema F verlassen sieht?

Ich glaube, da ist es auch wie mit gewissen exotisch-alternativen heilpraktischen Arzneien oder Therapien: schulmedizinisch also wissenschaftlich sind sie soweit widerlegt - aber praktischen Erfolg können sie durchaus haben - und sei es "nur" durch den Placebo-Effekt. :-)
Ich will auch die Eröffnung pflegen, die mir am liebsten ist, mir gefällt - also in der ich mich wohlfühle, also dann subjektiv am stärksten bin - nicht die, die objektiv und wissenschaftlich belegt am erfolgversprechendsten und aussichtsreichsten ist, wenn sie mir doch nicht gefällt, also auch nicht liegt.
Kellerdrache - 12. Mär '15
Wenn ich mich recht erinnere hab ich in diesem Forum mal geäußert, dass man auf unserem Niveau eigentlich alles in der Eröffnung spielen kann. Selbst exotische erste Züge wie h4 oder a3 verlieren ja nicht irgendwie zwangsweise. Die Gründe weswegen sie in höheren Kreisen (IM und GM) nicht gespielt werden (tut nichts für die Entwicklung, hat keinen Einfluss aufs Zentrum) wirken sich bei uns oft genug nicht aus. Der Gegner macht oft selber später ein paar Tempoverluste, die diese "Nachteile" wieder aufheben oder versucht die Eröffnung mit unnatürlichen Zügen zu widerlegen.
Na und wenn man dann tatsächlich mal gegen Carlsen spielen muss (darf) dann bekommt man den offenen Sizilianer genauso um die Ohren gehauen wie 1.f3 ;-)).
Also traut euch ruhig !
Wenn ich in meiner staubigen Schatztruhe was finde werde ich demnächst mal eine Partie zum Thema einstellen.
patzer0815 - 12. Mär '15
Zur Hauptvariante 1.e4 f5 2.exf5 Kf7! 3.Dh5+ g6 4.fxg6+ Kh7 5.gxh7 Txh7 6.Dg5+ Kh8 sehe man die druckfrische Partie: /game/fc5327de7823498f

Wie man sich nach 1.f3 e5 2.Kf2 Sf6 3.c3 d5 4.Kg3? durchduseln kann, zeigt folgende Partie: /game/3ad2f31cb61e42a8
Nach 4. … Sh5+ müsste sich Weiß wohl sehr für ein Remis strecken.
Hasenrat - 12. Mär '15
Ah! ...? - F a s z i n i e r e n d !
youtube.com/watch?v=cFods1KSWsQ